Strom aus Atommüll: Schneller Reaktor BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb

Von Dominic Wipplinger und Rainer Klute

Foto: BN-800

Strom aus Atommüll: Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe. Foto: Rosatom

Seit dem 31. Oktober 2016 und damit gut einem Monat läuft Block 4 des russischen Kernkraftwerks Beloyarsk im kommerziellen Leistungsbetrieb. Es handelt sich um einen sogenannten Schnellen Reaktor vom Typ BN-800 mit einigen Eigenschaften, die ihn vom Gros der sonst üblichen Leichtwasserreaktoren abheben. Für das amerikanische Kraftwerkstechnikfachmagazins „POWER Magazine“ waren diese Besonderheiten jüngst Grund genug, der noch jungen Anlage die Auszeichnung „Top Plant“ zu verleihen.

Ein wesentlicher Punkt, der zu dieser Entscheidung führte, ist die Fähigkeit des BN-800, nicht nur Uran, sondern auch Plutonium und die übrigen Transurane als Brennstoff zu nutzen. Diese hochradioaktiven und langlebigen Stoffe fallen beim Betrieb üblicher Kernreaktoren als Atommüll an und lassen sich dort nicht weiter verwerten. Allerdings enthalten diese Abfälle noch 96 Prozent der ursprünglich im Kernbrennstoff steckenden Energie, also fast alles. Schnelle Reaktoren wie der BN-800 sind in der Lage, diese Energie freizusetzen und Strom daraus zu gewinnen. Die bessere Brennstoffausnutzung führt zu viel weniger Reststoffen, die außerdem erheblich geringere Halbwertszeiten aufweisen und somit viel schneller abklingen.

Russland will die Abfälle herkömmlicher Leichtwasserreaktoren reyclen und das Atommüllproblem innerhalb der nächsten Jahrzehnte mit Hilfe Schneller Reaktoren lösen. Fachleute nennen das Atommüll-Recycling auch das »Schließen des Brennstoffkreislaufs«. Der BN-800 ist für Russland ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Er zeigt, dass das Verfahren funktioniert – und zwar nicht nur im Labor oder mit einem Forschungsreaktor, sondern in einer industriellen Großanlage im kommerziellen Leistungsbetrieb mit einer planbaren und zuverlässigen Einspeisung von 800 Megawatt in das Stromnetz der Oblast Swerdlowsk.

Foto: Geschlossener Brennstoffkreislauf mit thermischen Reaktoren und Schnellen Brütern

Geschlossener Brennstoffkreislauf mit thermischen Reaktoren und Schnellen Brütern. Quelle: Deutsche Nucleopedia

Von Beloyarsk 4 versprechen sich die russischen Reaktorbauer wichtige Betriebserfahrungen für den Nachfolger des BN-800: Der BN-1200 soll eine um 50 Prozent höhere Leistung bringen, zugleich aber einfacher und preiswerter als der BN-800 sein und weiter gesteigerte Sicherheit bieten. Der erste der BN-1200-Reaktoren soll ebenfalls am Standort Beloyarsk entstehen; eine Entscheidung darüber wird 2019 erwartet und hängt von den Ergebnissen des BN-800 ab.

Der Reaktorkern des BN-800 wird nicht mit Wasser gekühlt, sondern mit flüssigem Natrium. Anders als in gewöhnlichen Kernkraftwerken gibt es keinen Moderator, der die bei der Kernspaltung freiwerdenden Neutronen abbremst. Der BN-800 arbeitet mit schnellen, energiereichen Neutronen – daher die Bezeichnung »Schneller« Reaktor. Zwar sind weltweit eine ganze Reihe Schneller Reaktoren in Betrieb, doch ist Beloyarsk 4 nach Stilllegung des französischen Superphénix 1997 der leistungsstärkste und zusammen mit seinem Vorläufer BN-600 der einzige kommerziell betriebene Kernkraftwerksblock mit einem derartigen Reaktor. Der BN-600 steht als Block 3 ebenfalls im Kernkraftwerk Beloyarsk und ist bereits seit 1980 in Betrieb.

Der BN-800 nutzt im Gegensatz zu den meisten gewöhnlichen Kernkraftwerken kein angereichertes Uran als Brennstoff, sondern Plutonium-Uran Mischoxid (MOX). In seiner gegenwärtigen Kernkonfiguration kommen Plutonium aus ehemaligen sowjetischen Kernwaffen sowie abgereichertes Uran zum Einsatz, das als Abfallprodukt bei Anreicherung und Wiederaufarbeitung anfällt. Damit soll der BN-800 den russisch-amerikanischen Abrüstungsvertrag (START) erfüllen, der auf beiden Seiten die Vernichtung von 34 Tonnen waffenfähigen Plutoniums vorsieht. Allerdings setzte Russland Anfang Oktober 2016 den START-Vertrag einseitig aus. Präsident Putin warf den USA vor, ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen, da das Land die Herstellung von Plutonium-Uran Brennstoff aufgegeben habe.

Wie es mit der Vernichtung des Waffenplutoniums in Russland weitergeht, ist noch unklar. Sie sollte sich eigentlich über die nächsten Jahre erstrecken. Jedenfalls kann der BN-800 wie erwähnt auch Plutonium aus den gebrauchten Brennelementen gewöhnlicher Kernkraftwerke als Brennstoff nutzen.

Effektive Plutonium-Verwertung

Als Schneller Reaktor kann der BN-800 Plutonium effektiver verwerten als ein gewöhnliches Kernkraftwerk mit thermischem Leichtwasserreaktor, in welchem die bei der Kernspaltung entstehenden Neutronen durch das auch als Moderator dienende Kühlwasser abgebremst werden. Beim Einsatz von Plutonium als Brennstoff in einem thermischen Reaktor wird nur ein Teil der Plutonium-239-Kerne gespalten. Ein anderer Teil wandelt sich durch Neutroneneinfang in Isotope wie beispielsweise Plutonium-240 oder Plutonium-242 um. Da Isotope mit gerader Massenzahl im thermischen Neutronenspektrum schlecht spaltbar sind, nimmt ihr Anteil immer weiter zu, bis sich das Plutonium nicht mehr für den Einsatz in thermischen Reaktoren eignet.

Schnelle Neutronen hingegen neigen eher als thermische Neutronen dazu, Plutoniumkerne zu spalten, statt von ihnen absorbiert zu werden. Vor allem aber können sie auch die im thermischen Spektrum schlecht spaltbaren Isotope zerlegen. In einem Brennstoffkreislauf mit thermischen und Schnellen Reaktoren lässt sich das Plutonium daher vollständig verwerten. Die Plutoniumqualität verschlechtert sich im Schnellen Reaktor nicht weiter, sondern verbessert sich sogar. Im Idealfall kann man auf diese Weise das gesamte anfallende Plutonium verwerten, sodass am Ende kein Plutonium übrigbleibt, das endgelagert werden müsste.

Foto: Kartogramm des BN-800-Reaktorkerns (Brenner mit Equilibrium-Brennstoffkreis)

Kartogramm des BN-800-Reaktorkerns (Brenner mit Equilibrium-Brennstoffkreis) von innen nach außen:

Neutronenquelle
Steuerstäbe
Innere Brennelemente
Mittlere Brennelemente
Äußere Brennelemente
Abschirmelemente (Stahl)
Brutelemente (DU)
Reflektorelemente
Abschirmelemente (Stahl)
Borreflektorelemente
Abgebrannte Brennelemente

Quelle: Deutsche Nucleopedia

Der BN-800 kann aber nicht nur vorhandenes Plutonium als Brennstoff nutzen, sondern auch neues Plutonium aus Uran-238 erbrüten. Natururan besteht fast vollständig aus Uran-238, genauer: zu 99,3 Prozent. Es ist ein Uran-Isotop, das von thermischen Neutronen nicht gespalten werden kann und daher in herkömmlichen Reaktoren fast nutzlos ist. Durch Neutroneneinfang wandelt sich ein Uran-238-Atom jedoch in ein gut spaltbares Plutonium-239-Atom um; man spricht von »Brüten«. Dieser Prozess ist an sich nichts Außergewöhnliches, findet in jedem normalen Kernreaktor statt und trägt durch die Spaltung der Plutonium-239-Kerne auch dort mit einem gewissen Anteil zur Gesamtleistung bei.

Gegenwärtig ist der Kern des BN-800 für die Vernichtung des Waffenplutonium ausgelegt; er arbeitet als »Schneller Brenner«. In einer anderen Kernkonfiguration kann er aber auch mehr Plutonium erbrüten als er verbraucht (»Schneller Brüter«). Dadurch lässt sich letztlich das gesamte Uran-238 als Brennstoff nutzen, sodass aus einer gegebenen Menge Natururan über 100 mal mehr Energie als in konventionellen Kernkraftwerken gewonnen werden kann. Abgebrannter Brennstoff wird fast vollständig wiederverwertet, sodass als Abfall nur die mit überschaubaren Halbwertszeiten von weniger als 100 Jahren radioaktiven Spaltprodukte sowie geringe Mengen an Transuranen zurückbleiben. Hier dürften in Russland künftig auch bleigekühlte Schnelle Reaktoren wie der BREST-300 eine Rolle spielen.

Höhere Temperaturen ermöglichen höhere Effizienz

Auch sonst bietet der BN-800 einige technische Besonderheiten und Vorteile gegenüber gewöhnlichen Kernkraftwerken. Durch die Verwendung von flüssigem Natrium als Kühlmittel erreicht er Dampftemperaturen von 490 °C. Zum Vergleich: Konventionelle Kernkraftwerke kommen auf Dampftemperaturen um 280 °C. Die höhere Temperatur ermöglicht eine kompaktere und effizientere Heißdampfturbine. Die thermodynamische Nettoeffizienz des Kraftwerks liegt bei fast 40 Prozent, während sie bei gewöhnlichen KKW oft nur rund 30 Prozent beträgt. Trotz der hohen Temperatur wird der Primärkreis des Reaktors nicht unter erhöhtem Druck betrieben, da Natrium auch bei Normaldruck erst bei etwa 900 °C siedet. Der Primärkreis des BN-800 ist mit primären Umwälzpumpen und Wärmetauschern vollständig in einem natriumgekühlten Reaktorkessel untergebracht, der sich wiederum in einem Sicherheitsbehälter befindet. Ein Kühlmittelverluststörfall im Primärkreis ist dadurch einfach zu beherrschen und gleichzeitig sehr unwahrscheinlich.

Da Natrium und Wasser chemisch unter starker Wärmefreisetzung heftig miteinander reagieren, wird, wie bei natriumgekühlten Reaktoren üblich, zwischen dem Primärkreislauf und dem Wasser-/Dampfkreislauf ein weiterer, nicht radioaktiver Natriumkreislauf eingesetzt. Dies verhindert, dass bei einer Dampferzeugerleckage radioaktives Natrium freigesetzt wird.

Schnelle Reaktoren: die Zukunft der Kernenergie

Mit dem BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb stellt Russland seine Technologieführerschaft bei Schnellen Reaktoren eindrucksvoll unter Beweis. Dennoch arbeiten auch in anderen Teilen der Welt Staaten und Unternehmen an fortschrittlichen Reaktorkonzepten, die den hochaktiven, langlebigen Atommüll beseitigen und zugleich die Reichweite des Brennstoffs Uran um Jahrtausende verlängern, von Thorium als alternativem Kernbrennstoff ganz zu schweigen.

Speziell natriumgekühlte Schnelle Reaktoren sind in China und Indien von strategischer Bedeutung. Indien wartet auf den Abschluss des Genehmigungsverfahren zur Inbetriebnahme des Prototype Fast Breeder Reactors (PFBR) im Kernkraftwerk Kalpakkam. Ein Prototyp zwar, aber mit einer elektrischen Leistung von immerhin 500 Megawatt. Frankreich arbeitet am 600-MW-Demonstrationsreaktor ASTRID (Advanced Sodium Technological Reactor for Industrial Demonstration); eine Entscheidung über den Bau der Anlage soll 2019 fallen. Japan hat sich ASTRID wegen Problemen mit dem eigenen Schnellen Brüter Monju angeschlossen. Technisch besonders interessant ist der PRISM (Power Reactor Innovative Small Module) von GE Hitachi Nuclear Energy, da er metallische Brennelemente verwendet, die sich in einem besonders einfachen und kostengünstigen Verfahren, dem Pyroprozess, aufbereiten und per Stangengießverfahren herstellen lassen. Der Reaktor selbst ist fertig entwickelt und wartet auf einen ersten Kunden, möglicherweise Großbritannien, wo über 100 Tonnen Waffenplutonium zu entsorgen sind.

Schnelle Reaktoren sind die Zukunft der Kernenergie.

Mehr zum BN-800:

Mehr zum Atommüll:


Dominic Wipplinger

Dominic Wipplinger studiert Elektrotechnik ist in der Österreichischen Kerntechnischen Gesellschaft und in der Nuklearia aktiv. Er hat bereits in etlichen Kernkraftwerken als Messtechniker gearbeitet.

Rainer Klute

Rainer Klute ist Diplom-Informatiker, Nebenfach-Physiker und Vorsitzender des Nuklearia e. V. Seine Berufung zur Kernenergie erfuhr er 2011, als durch Erdbeben und Tsunami in Japan und das nachfolgende Reaktorunglück im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi auch einer seiner Söhne betroffen war.

32 Gedanken zu „Strom aus Atommüll: Schneller Reaktor BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb

  1. Gibt es eigentlich haltbare Zahlen, wie viel Strom bei der BN-Konfiguration tatsächlich „aus Atommüll“ produziert wird? Anders gefragt: wie viel Atommüll wird tatsächlich verbrannt? Und wie wirkt sich das auf die Gesamtmenge des produzierten Atommülls in Russland aus?

    Meines Wissens betreibt Russland Dutzende Druckwasserreaktoren, die Jahr für Jahr Tonnen strahlenden Abfall produzieren, aber nur 1 Kraftwerk, der ihn (potentiell) verwerten kann. Und die meisten Neubauten sind doch wieder WWER- und keine BN-Reaktoren. Also steigt in Russland die Menge der ERZEUGENDEN Reaktoren doch, was die (potentielle) Verwertungslapazität doch noch weiter minimiert.

    Mein Eindruck ist, dass man eher von einer Feigenblatt-Technologie sprechen müsste. Auch ein noch hypothetischer BN-1200 wird kaum in der Lage sein, nachhaltig die Menge des produzierten Atommüll zu reduzieren. Und nur das würde in den Augen der Atomkritikern ein Argument FÜR diese Technologie sein…

  2. „Und wo genau ist nun das Problem? Die Bildung von Pu-239 aus U-238 durch Neutroneneinfang ist es jedenfalls nicht, denn die ist so gewollt.“

    Dann ist der Reaktor aber kein „Burner“, wie behauptet, sondern ein „Breeder“ und es wird mehr Pu erzeugt als gespalten werden kann und genau das soll doch vermieden werden.

    „Doch, selbstverständlich kann die Brutrate kleiner als 1 sein.“

    Nein, das ist kernphysikalisch so nicht möglich. Bei einer Brutrate unter 1 gibt es gerade in einem Schnellem Reaktor nicht genügend Neutronen für eine Kettenreaktion.
    Deshalb sind auch konv. Leichtwasserreaktoren immer auch Pu-Brüter, wenn auch längst nicht in dem Ausmaß wie Schnelle Brüter. Woher kommt denn sonst das ganze vorhandene Plutonium?

    Um einen Vergleich zu bemühen: Man kann bei einem Verbrennungsmotor einen Teil der Abgase wieder in den Motor zurückführen. Damit wird der Motor aber keineswegs schadstofffrei, sondern man verringert so den Schadstoffausstoß lediglich.

    „Man spricht dann von einem Schnellen Brenner, und genau so ist der Kern des BN-800 zur Zeit konfiguriert.“

    Nein, das ist er definitiv nicht. Zwar hat man in der Brutzone anstelle des sonst üblichen 238U Stahlreflektoren untergebracht, um so die Neutronenflussrate zu erhöhen und gleichzeitig die Neubildung von Pu möglichst gering zu halten, aber man kann nicht vermeiden, dass Neutronen vom 238U, dass etwa 72% der Masse der Brennstäbe ausmacht, eingefangen werden und sich neues Pu bildet.
    Und da das Massenverhältnis von 238U zu den MOX-Material sehr viel größer ist, wird sich unweigerlich mehr neues Pu bilden als gespalten werden kann. Und Sie haben ja selbst geschrieben, dass das so gewollt ist.

    Den verlinkten Artikel kannte ich schon. Da steht drin, dass man so einen Reaktor gerne entwickeln möchte und daran forscht, aber eben auch, dass es so einen Reaktor bisher nicht gibt.
    So ein Burner-Reaktor dürfte auf keinen Fall 238U enthalten. Für so einen Reaktor gibt es nur einen theoretischen Ansatz und das wäre ein Reaktor mit einer externen Spallations-Neutronenquelle, die zusätzliche Neutronen in einen Reaktor bringt, die nicht aus einer Spaltung von Atomen stammen. Das wäre z.B. ein Beschleuniger, ähnlich wie beim CERN, bloß viel kleiner. In diesem Reaktor bräuchte man nicht nur kein 238U, sondern man könnte auch aufgrund der sehr hohen Neutronenflussdichte einen Teil der Spaltprodukte spalten oder transmutieren.

    • Sorry, aber was du schreibst, ist schlichtweg Unsinn. Mag sein, daß du den verlinkten Artikel http://www.world-nuclear.org/information-library/current-and-future-generation/fast-neutron-reactors.aspx bereits kanntest, verstanden hast du ihn offenbar nicht. Ich zitiere hier den folgenden Absatz, der deine Aussagen ad absurdum führt (Hervorhebungen von mir):

      „If the ratio of final to initial fissile content is less than 1 they are burners, consuming more fissile material (U-235, Pu and minor actinides) than they produce (fissile Pu), if more than 1 they are breeders. This is the burn ratio or breeding ratio. If the ratio is 1 they are iso-breeders, producing the same amount of fuel as they consume during operation.

      Damit verweise ich nochmals nachdrücklich auf die Fachliteratur und beende die Diskussion zu diesem Thema hiermit.

  3. Wie wird denn beim BN-800 das Problem mit dem 238U gelöst? Solange in einem Reaktor 238U enthalten ist, wird immer auch neues Pu gebildet.

    Und was ist mit den Spaltprodukten von den gespaltenen U und Pu-Atomen? Wenn Atome gespalten werden entsteht ja neuer Atommüll.

    • Das U-238 ist für den BN-800 bzw. viele andere Schnelle Reaktoren genauso wenig ein Problem, wie Benzin ein Problem für Autos ist: es ist Brennstoff. Der BN-800 wird aktuell mit MOX-Brennelementen gefahren, also einer Mischung und Uran und Plutonium.

      Die Spaltprodukte sind zwar stark strahlend, haben aber bereits nach relativ kurzer Zeit ausgestrahlt. Das ist der Clou an der Sache.

      • Das Problem mit dem 238U ist also nicht gelöst und es wird im BN-800 auch mehr Pu erzeugt als gespalten werden kann.

        Plutonium hat eine Halbwertzeit von knapp 25.000 Jahren.

        Leichtwasserreaktoren werden auch mit MOX-Brennelementen gefahren. Dort entstehen keine anderen Spaltprodukte als im BN-80, nur in anderer Zusammensetzung.

          • Gerade weil ich den Artikel gelesen habe, stellen sich doch diese Fragen.
            Im BN-800 befindet sich zu gut 70 % 238U. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Neutron auf ein 238U trifft, und dazu noch ein schnelles, damit ein neues PU-Atom gebildet wird, ist viel größer als das es auf ein Atom des MOX-Brennelements trifft. Es wird alsomehr neues Pu gebildet als gespalten werden kann.

            Und selbst wenn ein Atom gespalten wird, entstehen immer zwei Spaltfragmente aus dem gespaltenen Atom.

            Wenn daran etwas falsch sein sollte, bitte ich um Richtigstellung.

          • Und wo genau ist nun das Problem? Die Bildung von Pu-239 aus U-238 durch Neutroneneinfang ist es jedenfalls nicht, denn die ist so gewollt.

    • Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen?

      1. Moderierter Reaktor: langsame, „thermische“ Neutronen, sehr gut geeignet zur Spaltung von U-235, werden von U-238 und diversen Pu-Isotopen aber nur eingefangen.

      2. schneller Reaktor: ungebremste, „schnelle“ Spaltungsneutronen, werden nur mit sehr kleinem Wirkungsquerschnitt überhaupt eingefangen, bringen dann aber genug Energie mit, um praktisch jeden Uran- oder Plutoniumkern zu spalten.

      Sozusagen der Unterschied, ob man eine alte Tonscherbe mit Archäologenwerkzeug vorsichtig vom Dreck befreit, oder ob man mit dem gleichen Hämmerchen mit voller Wucht draufhaut. Im letzteren Fall bleibt nichts, was lange aufbewahrt werden müßte, sondern eben nur „Spaltprodukte“… 😉

      • 1: Wenn 238U Neutronen einfängt, entsteht daraus Pu, egal in welchem Reaktor.

        2: Die Wahrscheinlichkeit, dass 238U Neutronen einfängt, ist bei Schnellen Neutronen größer, es wird mehr Pu erzeugt. Genau deshalb nennt man ja auch „Schnelle Brüter“ „Schnelle Brüter“.

        Gerade die Spaltprodukte sind ja der Atommüll. Und die entstehen bei jeder Spaltung eines Atoms.

          • Wie soll denn ein Schneller Brenner kernphysikalisch funktionieren?
            Sicher kann man durch diverse Maßnahmen die Brutrate hoch oder runter schrauben. Man kann sie aber nicht auf 1 oder darunter bekommen. Denn dann gibt es nicht mehr genügend Neutronen für den Erhalt der Kettenreaktion.
            Ist die Brutrate aber über 1, wird auch immer mehr neues Pu erzeugt als gespalten werden kann, was ja auch im Artikel sinngemäß so steht.

          • Doch, selbstverständlich kann die Brutrate kleiner als 1 sein. Man spricht dann von einem Schnellen Brenner, und genau so ist der Kern des BN-800 zur Zeit konfiguriert. Der Betrieb als Schneller Brüter ist durch eine entsprechend andere Kernkonfiguration ebenso möglich, und natürlich auch der Betrieb in einem Equilibrium, bei dem Reaktor genauso viel Plutonium erzeugt wie er verbraucht und der Reaktor netto das Uran-238 als Brennstoff verbraucht.

            Mehr dazu in der Literatur. Als Einstieg und Überblick zu Schnellen Reaktoren sei http://www.world-nuclear.org/information-library/current-and-future-generation/fast-neutron-reactors.aspx genannt.

  4. Danke für die auch für Nicht-Physiker verständlichen Informationen.
    Die Öko-Nihilisten in diesem Lande wird das nicht beeindrucken – hat doch Ihr Steckenpferd „Energiewende“ mittlerweile den Rang ein Säkularreligion gewonnen,
    Heilsbringer für die Menschheit ( und nebenbei für deren Portemonnaies, da doch die „Gewinne“, vulgo Subventionen in Milliardenhöhe, aus Windparkbesitzanteilen usw. nebenbei wie ein Füllhorn wirken).
    Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.
    Die Anderen alle doof, wir müssen denen das nur erklären, am Besten mit einem „teach-In“.

    Es ist zum verrückt werden.

    • Tatsächlich steht der Beweis noch aus, dass Kernkraft ohne massive staatliche Subvention bei Entwicklung, Betrieb und Entsorgung ökonomisch funktioniert. Keine andere Industrie kann in dieser Intensität und über solch lange Zeiträume entscheidende Kosten auf den Steuerzahler abwälzen. Klingt für mich nicht nach Religion.

      • Wenn man eine existierende Reaktortechnologie (wie den BN-800) kauft und aufbaut, dann kann man damit durchaus Geld verdienen. Vor allem wenn der Brennstoff frei Haus geliefert wird und man sogar noch Geld dafür bekommt, den zu „entsorgen“

        • Bullshit! Die Kernkraft hat ausgedient, und das bleibt auch so! Weil:
          1) Die Gefahr, dass irgendwo auf der Welt ein zweites Fukushima mit der BN-800-Technologie passieren kann, ist mit dieser Technologie auch nicht gebannt.
          2) wenn auch weniger, entsteht auch mit dieser Technologie Atommüll. 100 Jahre Halbwärtszeit, heißt, dass der Müll nach 100 Jahren nur noch halb so viel strahlt, d.h. immer noch stark radioaktiv ist. Wer zahlt die Endlagerung? Problem bleibt wie gehabt…
          3) eine Technologie, die nach knapp 70 Jahren immer noch nicht ohne Subventionen auskommt, hätte schon vor 50 Jahren aufgegeben werden müssen!
          4) Außerdem ist der Gedanke, zentral Energie zu erzeugen auch von gestern. Gerade in Zeiten von erhöhter Terrorgefahr…
          5) …ff.

          • Sebastian, ich könnte deine Argumente jetzt leicht Punkt für Punkt widerlegen – sie beruhen im wesentlichen auf mangelnden Kenntnissen der Materie –, beschränke mich aber aus Zeitgründen auf deinen ersten Punkt. Ein »zweites Fukushima« ist völlig ausgeschlossen, weil der BN-800 bei Normaldruck betrieben wird. Nicht einmal bei einem hypothetischen Unfall würde daher eine radioaktive Wolke entstehen. Vielmehr würde die Strahlung im Abstand von 3 km zum Reaktorgebäude 23 mSv pro Jahr nicht überschreiten. Das ist unbedenklich. Daher gibt es für den nahegelegenen Ort Zarechny auch keinen Evakuierungsplan. Er ist schlichtweg nicht notwendig.

            Außerdem sollten wir uns noch einmal die Anzahl der Strahlentoten durch das »erste Fukushima« vor Augen führen: null.

  5. Das Problem ist doch nicht der Bau dieses KKWs, sondern wie bringe ich den Strom möglichst Verlustfrei von A nach B. Ich sage einige wenige Kernkraftwerke die über ein Leitungsnetz mit Supraleiter den Strom verteilen und wir können den Windparks und den Solardächer den Kampfansagen. Die machen den Stroh sowieso nur teuerer.

    • Wenn das mit den Supraleitern so einfach wäre hätten wir kein Problem mit der Energie versorgung. Die Erneuerbaren Energien hätten auch fast keine Problem mit Supraleitern. Außerdem ist die Produktion von Erneuerbaren Energien sogar günstiger wie die Kerenkraf wenn am alle Kostenfaktoren berücksichtigt.

  6. Wann wird ein 1200MW AKW mit Schwerkraftkühlung in Deutschland gebaut und die PVs und WEAs verschrottet?
    MfG Hüne

  7. Finde ich genial. Deshalb nehme ich es hin, jetzt als Putin-Versteher geächtet zu werden oder als Nazi, weil ich Russen mag. 😛

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.