Der ausgeblendete Sachverstand

WDR-Beitrag über belgisches Kernkraftwerk Tihange keine Sternstunde des Journalismus

Das Kernkraftwerk im belgischen Tihange sei für Nordrhein-Westfalen »Die ausgeblendete Gefahr«, behauptet Autorin Silvia Andler in ihrem gleichnamigen Beitrag, der heute beim WDR erschien. Das Machwerk strotzt allerdings vor sachlichen Fehlern, die sich auch durch mangelnde journalistische Seriosität nicht ausbügeln lassen.

Historikerin und Nuklearia-Mitglied Dr. Anna Veronika Wendland zerlegt Andlers Beitrag in ihrem Kommentar:

Knapp jenseits der Grenze

Quellen


Über die Nuklearia

Nuklearia

Der Nuklearia e.V. ist ein gemeinnütziger und parteiunabhängiger Verein zur Förderung der Kernenergie. Wir sehen in der Kernenergie eine wesentliche Säule der Energieversorgung. Fortschrittliche Reaktoren arbeiten sicher, sauber und nachhaltig. Atommüll lässt sich in Schnellen Reaktoren als Brennstoff nutzen.

Anders als erneuerbare Energien steht Kernenergie jederzeit in ausreichender Menge zur Verfügung und verbraucht keine großen Landflächen. Im Unterschied zu Kohle oder Gas ist Kernenergie CO2-arm und vermeidet Luftverschmutzung.

Kenntnisse über Kernenergie sind in Deutschland rar geworden. Das wollen wir ändern.

Knapp jenseits der Grenze

Kommentar von Dr. Anna Veronika Wendland

Nichts ist schlimmer für die Deutschen als ein Kernkraftwerk jenseits der Grenze, das man nicht abschalten kann, auch wenn es von Zeit zu Zeit gegen eigene Netzinstabilitäten aushilft. Und deswegen holt der sogenannt »linke« WDR mit dem Beitrag »Die ausgeblendete Gefahr« der Autorin Silvia Andler den ökonationalistischen Knüppel raus.

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Experte: Fundamentaler Fehler in Strahlungsstudie

Selbst niedrig dosierte Strahlung, die über einen längeren Zeitraum einwirke, führe zu einem erhöhten Leukämierisiko, behauptet eine kürzlich erschienene Studie. Dem widerspricht der Niedrigstrahlungsexperte Mohan Doss: Die Studie enthalte einen fundamentalen Fehler, die Schlußfolgerungen seien daher ungültig.

Lang anhaltende Niedrigstrahlung vermindere zwar das Risiko, an chronischer lymphatischer Leukämie zu sterben, erhöhe aber das Sterberisiko für andere Leukämieformen, ist das Ergebnis der INWORKS-Studie, die das medizinische Fachmagazin »The Lancet« am 21. Juni 2015 veröffentlichte. Die Wissenschaftler um Dr. Klervi Leuraud hatten die Todesursachen von Kerntechnikmitarbeitern verschiedener Länder aus dem Zeitraum 1944 bis 2005 mit deren beruflich bedingten Strahlendosen in Beziehung gesetzt. Das Ergebnis der INWORKS-Studie steht im Widerspruch zu anderen Arbeiten. Beispielsweise zeigt die 15-Länder-Studie für die in der Nuklearindustrie Beschäftigten kein erhöhtes Risiko.

Auch Dr. Mohan Doss, Associate Professor am Fox Chase Cancer Center in Philadelphia und Experte für Niedrigstrahlung, widerspricht der INWORKS-Studie und wirft ihr einen gravierenden Fehler vor. Der Nuklearia gegenüber erläuterte er, die Autoren hätten nur die beruflich bedingten Strahlungsexpositionen der Mitarbeiter berücksichtigt, ihre medizinischen Strahlendosen aber außen vor gelassen. Doch auch Nuklearmitarbeiter nehmen Strahlendiagnostik und -therapie in Anspruch, zum Beispiel Röntgenuntersuchungen. »In der 1960er Jahren wäre es in Ordnung gewesen, die medizinischen Strahlendosen zu ignorieren, weil sie in jener Zeit gegenüber den beruflich bedingten Dosen gering waren«, erläutert Doss. Rund 0,25 Millisievert (mSv) pro Jahr seien damals im Schnitt durch die Medizin auf jeden Einwohner entfallen. 1980 waren es bereits 0,5 mSv und 2006 sogar 3,0 mSv pro Kopf und Jahr.

Wenn die Studie die gestiegenen medizinisch bedingten Dosen ignoriere, sei das nicht in Ordnung, so Doss. Die beruflich bedingten Dosen seien im selben Zeitraum sogar deutlich zurückgegangen, wodurch der medizinische Anteil noch stärker ins Gewicht fällt. Mohan Doss: »Natürlich hängt der biologische Effekt (Leukämien) von der gesamten Strahlungsdosis ab, nicht nur von der beruflich bedingten Dosis. Daher ist die Analyse [der INWORKS-Studie] nicht stichhaltig und die Schlußfolgerung nichts wert. Diese Arbeit hätte überhaupt nicht veröffentlich werden dürfen.«

Quellen:

  1. Studie „Ionising radiation and risk of death from leukaemia and lymphoma in radiation-monitored workers (INWORKS): an international cohort study“, http://www.thelancet.com/journals/lanhae/article/PIIS2352-3026(15)00094-0/fulltext
  2. Profil von Dr. Mohan Doss am Fox Chase Cancer Center: http://www.fccc.edu/research/pid/doss/
  3. Stellungnahme von Dr. Mohan Doss zur INWORKS-Studie gegenüber der Nuklearia:

    Dear Rainer
    A major but simple error in the recent Lancet paper is that the authors did not take into consideration the increase in medical radiation dose that occurred during 1944-2005, the period of the study: Annual per capita medical radiation dose increased during this period as indicated below:
    1960s – 0.25 mSv
    1980 – 0.5 mSv
    2006 – 3.0 mSv
    Data for 1980 and 2006 are from (Mettler, 2009); 1960s data is a guesstimate.
    In the dose-response analysis of the Lancet paper, the authors completely ignored the medical radiation dose, which the nuclear workers would have received also. In the 1960s, it would be OK to ignore the medical radiation dose since it would be small compared to occupational doses in those years. But for 2005, their use of occupational dose alone in their dose-response analysis would be incorrect since they ignored the medical radiation dose, which would be larger than the occupational dose (or of similar magnitude). Occupational doses have become very low in recent years. Of course, the incremental biological effect (leukemias) depends on total radiation dose, not just the occupational dose. So, their analysis has no validity and their conclusion should be dismissed. This paper should never have been published.
    Mohan

  4. Das Wissenschaftsmagazin Nature hat einen Artikel über die INWORKS-Studie veröffentlicht. Die Diskussion in den Kommentaren ist lesenswert! „Researchers pin down risks of low-dose radiation“: http://www.nature.com/news/researchers-pin-down-risks-of-low-dose-radiation-1.17876

Über die Nuklearia

Nuklearia

Der Nuklearia e.V. ist ein gemeinnütziger und parteiunabhängiger Verein zur Förderung der Kernenergie. Wir sehen in der Kernenergie eine wesentliche Säule der Energieversorgung. Fortschrittliche Reaktoren arbeiten sicher, sauber und nachhaltig. Atommüll lässt sich in Schnellen Reaktoren als Brennstoff nutzen.

Anders als erneuerbare Energien steht Kernenergie jederzeit in ausreichender Menge zur Verfügung und verbraucht keine großen Landflächen. Im Unterschied zu Kohle oder Gas ist Kernenergie CO2-arm und vermeidet Luftverschmutzung.

Kenntnisse über Kernenergie sind in Deutschland rar geworden. Das wollen wir ändern.

Abschied vom Kernkraftwerk Grafenrheinfeld: Eine Außensicht

Gastbeitrag von Dr. Anna Veronika Wendland

Am 27. Juni ist es soweit. Das fränkische Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) geht nach einer längeren Phase des Streckbetriebs vom Netz, »das Feuer geht langsam aus«, wie die Lokalpresse kommentierte. Die Main-Post schaltet einen Countdown über die letzten Tage, in denen das Kraftwerk noch Strom produziert, und in Schweinfurt hat man das »Abschaltfest« bereits gefeiert, ohne aufs Abschalten gewartet zu haben. Eine Mischung aus Voyeurismus und Schadenfreude dominiert in der Öffentlichkeit, während mehrere schlichte Tatsachen nicht zur Sprache kommen: dass hier über 30 Jahre lang mit größtenteils phantastischen Verfügbarkeitsraten störfallfrei und klimafreundlich Strom produziert wurde, und dass an diesem Kernreaktor nicht nur Turbosatz, Maschinentrafos und Hochspannungsleitungen hängen, sondern auch Menschen, Biographien, Kreativität, harte Arbeit, und, ja, auch regionale Identitäten.

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Endlagerung radioaktiver Abfälle

Gastbeitrag von Dr. Hermann Hinsch

Das Schlimmste an der Kerntechnik sei die ungelöste Endlagerfrage, hört man oft. Der Atommüll »stellt für die heutige und zukünftige Gesellschaften eine existenzielle Bedrohung dar«, sagte Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen. (Loccumer Protokoll 25/12)

Da denkt man an Dagobert Duck, der sich trotz seines Milliardenvermögens über ein paar verlorene Kreuzer so aufregt, als sei das sein Ruin. Man muss über ihn lachen, weil er die Dinge nicht im Ganzen sehen kann.

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Hochradioaktive Abfälle – will man wirklich ein Endlager?

Gastbeitrag von Dr. Hermann Hinsch

Hochradioaktive Abfälle – will man wirklich ein Endlager? Doch, sagen die Politiker, und in 160 (in Worten: einhundertundsechzig) Jahren werden alle heute vorhandenen Abfälle unter der Erde sein. Aber ist ein solcher Zeitplan nicht gleichbedeutend mit der Aussage: Wir wollen kein Endlager! Nun gibt es auch die Ansicht, es könnte etwas schneller gehen, 160 Jahre wären zu pessimistisch. Aber das würde nichts daran ändern, dass heute Geborene das Ende nicht mehr erleben. Weiterlesen

AUS für Kernenergie?

Steht Australien vor dem Atomeinstieg und der Lösung des weltweiten Atommüllproblems? In Südaustralien analysiert eine Royal Commission die Möglichkeiten. Ein Senator präsentiert die Vision eines nuklearen, atommüllfinanzierten Wirtschaftsaufschwungs.

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Das Kostenproblem des Atomausstiegs

Anti-Atom-Aktivisten, Politiker und Medien klagen ja allenthalben über den teuren Atomausstieg und über die bösen Kernkraftwerksbetreiber, die das nötige Geld für Rückbau und Endlagerung gar nicht auf dem Konto hätten. Wie es dazu gekommen ist und wie es zu bewerten ist, bringt Johannes Nikolopoulos bei Facebook kurz, treffend und originellauf den Punkt:

  • Erst werden die Kraftwerksbetreiber verpflichtet, ihre Rückstellungen für den Abriss in »werthaltige Anlagen« zu stecken (damit nicht eventuell der Staat auf die Idee kommt, das Geld zur Sanierung der Rentenkassen zu verwenden).
  • Im nächsten Schritt werden diese »werthaltigen Anlagen« durch Atomausstieg und Erneuerbare-Energien-Gesetz entwertet. »Atomkonzerne entmachten«, »Demokratisierung der Energieerzeugung« oder wie auch immer heißt das dann.
  • Schließlich wird Empörung darüber geheuchelt, dass das Geld weg ist.

Das erinnert an die Frau, die ihren Ex-Mann erschießt und sich danach beschwert, dass »das Schwein keine Alimente bezahlt«.


Atommüll: Bürgergutachten fordert Offenheit gegenüber alternativen Entsorgungsoptionen

In einem Artikel mit dem Titel Bürgerforum »Wohin mit dem Atommüll?« berichtet Bloggerin Sylvia Bader-Giese über das gleichnamige Projekt. Per Zufallsprinzip wurden Bürger ausgewählt, um an drei Terminen im Februar und März in Lutherstadt Wittenberg unter professioneller Moderation ein Bürgergutachten zur Lagerung hochradioaktiver Abfälle zu erstellen. Das Ergebnis ist kein umfangreicher Wälzer, sondern ein gut lesbarer 24-Seiter. Das Projekt stellt auch nicht irgendeine Leutebespaßung dar, sondern ist hochoffizieller Teil der hochoffiziellen Bürgerbeteiligung bei der hochoffiziellen Endlagersuche. Weiterlesen