Entsorgung radioaktiver Abfälle

Gastbeitrag von Dr. Hermann Hinsch

Um die Zusammenarbeit von Endlager-Kommission und Öffentlichkeit bei der Endlagersuche ging es am vergangenen Wochenende bei einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum. Dr. Hermann Hinsch war dabei und kommentiert die Tagung in diesem Gastbeitrag. Weiterlesen

Buchrezension: “Thorium – Energy Cheaper than Coal” von Robert Hargraves

Flüssiges FLiBe-Salz
Wikipedia – Public Domain.

“Du hast sicher einen Computer zuhause! Die fügen den Jugendlichen heutzutage viel Schaden zu!” knurrte der Erdkundelehrer, um seinem Unmut über die Tatsache, dass ich die Hausaufgaben nicht gemacht hatte, Ausdruck zu verleihen. Die Lehrer des Gymnasiums, auf dem ich Mitte der 1990er Jahre die Schulbank drückte, schienen sich den Anbruch des digitalen Zeitalters mehrheitlich so vorzustellen, dass demnächst dies hier ans Schultor klopfen würde.

Der ungewöhnlich mürrische Erdkundelehrer, den wir in der achten Klasse bekommen hatten, und selten versäumte, darauf hinzuweisen, wie ungewöhnlich verkommen, ungebildet und kulturlos Jugendliche der modernen Ära seien, hatte mit dem ersten Teil seiner Aussage recht: Schon zu meinem neunten Geburtstag hatte mich ein Atari 1040 STF begrüßt, den ich sofort ins Herz geschlossen hatte. Mitte der 90er war dieser Computer bereits ein Oldtimer, jedoch wie eh und je dazu geeignet, meiner BASIC-Programmierleidenschaft Vorschub zu leisten und Hausaufgaben unter die mentale Wahrnehmungsgrenze rutschen zu lassen.
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Die memetische Wolke

Wilhelm Gause: Hofball in Wien (1900)
Wikipedia – Public Domain.

Vor einiger Zeit traf ich mich mit Mitgliedern des SDS in einer Kneipe. Sie tranken Bier und Mate, ich Kaffee, wir unterhielten uns über dies und das und den Akademikerball in Wien: Dieser war meinen sozialistischen Freunden ein Dorn im Auge, denn es handelt sich dabei um ein internationales Burschenschaftstreffen, und Burschenschaftler werden von SDS’lern als typische Repräsentanten des Kapitalismus und des Patriarchats angesehen, was eventuell nicht völlig falsch ist.
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BN-800 wird erstmals kritisch

Die Inbetriebnahme eines neuen Kernreaktors ist für die deutschen Medien offenbar kein Thema. Na gut, ich schreibe ja normalerweise auch nichts darüber, wenn in China mal wieder ein neuer Reaktor ans Netz geht – oder höchstens auf Twitter und Facebook. Aber der Reaktor, um den es hier geht, ist etwas Besonderes.   Der BN-800 im russischen Kernkraftwerk Beloyarsk ist nämlich ein sogenannter natriumgekühlter Schneller Reaktor, und er wurde am letzten Freitag (2014-06-27) erstmals kritisch, wie Russia Today meldet. »Kritisch« ist in diesem Zusammenhang etwas Gutes und bedeutet, daß der Reaktor eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion erreicht hat.

Plutoniumfresser

Die sonst üblichen Leichtwasserreaktoren nutzen nur ein bis zwei Prozent ihres Kernbrennstoffs, der BN-800 aber rund 50 mal soviel. Das, was bei Leichtwasserreaktoren zu »Atommüll« wird, ist für den BN-800 Brennstoff. Beim BN-800 im KKW Beloyarsk kommt noch eine Spezialität hinzu:  Sein Brennstoff besteht neben Uran auch aus Plutonium aus russischen Kernwaffen. Auf diese Weise wird das Waffenplutonium abgebaut, wie es von den USA und Rußland vereinbart wurde. Eine ausführliche Vorstellung des BN-800 haben Dominic Wipplinger und ich Ende 2013 auf der Nuklearia-Website veröffentlicht:

Leistungssteigerung

Im Moment läuft der BN-800 noch auf einem minimalen Leistungsniveau. In der nächsten Zeit werden Tests durchgeführt, und die Leistung wird nach und nach angehoben, bis sie voraussichtlich im Oktober ihr Maximum erreicht. Laut NucNet soll der Reaktor im nächsten Jahr den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Mit seinen 789 Megawatt (MW) ist der BN-800 der leistungsstärkste in Rußland gebaute Schnellreaktor. Das wird er allerdings nicht lange bleiben. Der erste BN-800 wird auch der letzte BN-800 in Rußland sein. Denn sowohl für das Kernkraftwerk Beloyarsk als auch für weitere russische Standorte sind bereits BN-1200-Reaktoren geplant, die mit jeweils 1.200 MW nochmals deutlich mehr Leistung bringen und das Niveau des Superphénix (Frankreich 1985 – 1998) erreichen.

Atommüll

Vielleicht schreiben deutsche Medien ja doch noch etwas zum BN-800. Obwohl: Können sie ihren Lesern wirklich die Tatsache zumuten, daß man Atommüll nicht für Jahrhunderttausende endlagern muß, sondern ihn in Schnellen Reaktoren zur Energieerzeugung nutzen kann? Daß man aus langlebigem Atommüll kurzlebigen machen kann? So etwas ist doch in Deutschland ein Tabu. Oder nicht?

Zentral, dezentral, egal? Lokalisierte und verteilte Energieversorgung

Highway 401 in Toronto bei Nacht, Quelle Wikipedia – CC-BY 2.0.

Energieflussdichtenvisualisierung: Wohngebiete kühlblau bei zehn, zwanzig, fünfzig Watt pro Quadratmeter. Transportnetze, Straßen, Bahnhöfe, stilleilige Maglevmodule in Röhren, Flughäfen: Tausend, zweitausend, zehntausend Watt pro Quadratmeter. Industriewerke, Stahlküchen, Walzwerke, kristallhelle Plasmabögen, Rohre und kühlstille Tanks turmhoch in der Nacht voller Synfuel, kosmisch heiße Laser, Pulvermetallurgie, Roboter – insektoide Titanen in menschenleeren Fabriken: hundert fünfhundert tausend Kilowatt, und höher hinauf: multimegawattlodernder Maschinenfeueratem zersetzt die Materie und fügt sie neu, zu Flugzeugen, Raumschiffen, Lokomotiven, Computern, Schreibtischlampen, Marmeladengläsern. Die Entropie flüchtet tief in den interstellaren Raum, Carmen und Alexa haben sie fortgetanzt.
— Fabian Herrmann: “Projekt Kardaschow”
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Über den Wolken

Überschall-Verkehrsflugzeug Concorde (via Wikipedia)

Anfang der 1980er Jahre fragte ein kleiner Junge in der Transitlounge des New Yorker Kennedy-Airports seine Mutter, wo denn bei den Flugzeugen, die die Nachtbeleuchtung des Rollfelds in fremdartige kolossale Märchenfiguren verwandelte, vorne und hinten sei?
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Exkursionen zur Endlagerung

Erkundungsbergwerk Gorleben aus der Luft (Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe)

Am 1. Januar 1960 trat die erste Fassung des Atomgesetzes (AtG) in Kraft, das die Bundesrepublik Deutschland dazu verpflichtet, Anlagen zur Sicherstellung und Endlagerung radioaktiver Abfälle einzurichten. Auch nach über 50 Jahren stehen diese Anlagen noch nicht zur Verfügung. Politische Blockaden führten stattdessen zu erheblichen finanziellen Aufwendungen, für die letztlich die Stromkunden aufkommen müssen.
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Die Bundeskernenergiebehörde

Kühltürme des Kernkraftwerks Watts Bar der Tennessee Valley Authority. Es ist bemerkenswert, dass die nach eigenem Verständnis rein kapitalistischen USA einige ihrer größten Erfolge mittels sozialistischer Organisationsformen erzielten. Bildquelle: Wikipedia – CC-BY 2.0.

When contemplating an entirely new energy structure not only for the United States but for the entire world, it would be foolish beyond measure to discard the possibility of publicly owned and operated systems. Indeed, there are almost irresistibly compelling reasons to consider public ownership as being far preferable to private ownership, not the least of which is the fact that the energy revolution proposed herein is based primarily on nuclear power.
Tom Blees: “Prescription for the Planet”, Chapter 9: “Cui Bono?”

Im Mai 2014 unternahmen die drei deutschen Energiekonzerne (E.on, RWE und EnBW) einen Vorstoß bezüglich der Übernahme ihrer Kernkraftwerke durch eine öffentlich-rechtliche Stiftung.
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