Atomhörnchen liest „Die Wolke“ – offener Brief an Gudrun Pausewang

„Were you forced to read ‚Die Wolke‘ in school?“ – dies fragte ein britischer Twitter-User und Kernenergiefreund einmal besorgt einen Deutschen.

Das Buch „Die Wolke“ von Gudrun Pausewang scheint in Pro-Kernenergie-Kreisen als eine Art Monster angesehen zu werden: „Da gibt es doch dieses schreckliche Buch aus Deutschland…“; „…dieses entsetzliche Buch, das Kinder verstört und fanatisiert!“ – solche Aussagen bekommt man zuweilen zu hören. Es entsteht mithin der Eindruck, dass es sich um eine Art „Grünes Necronomicon“ handeln müsse.

Ich musste die „Wolke“ nicht in der Schule lesen, aber ein Klassenkamerad von mir stellte das Buch in der achten Klasse im Deutschunterricht vor. Der Lehrer bemerkte, dass das Thema – ein Reaktorunfall in Deutschland mit katastrophalen Auswirkungen – ihm Angst einflöße.

Was mochte das nur für ein seltsames Buch sein, das die Emotionen der Menschen derart in Wallung versetzte?! Ich beschloss, den Dingen auf den Grund zu gehen: Ich entlieh „Die Wolke“ aus der Bibliothek, las es… und schrieb eine Rezension – oder vielmehr einen offenen Brief – oder endlich eine Rezension in Briefform!

 


 

Liebe Frau Pausewang,

wir sind uns nie begegnet. Wir gehören völlig unterschiedlichen Generationen an: Als ich geboren wurde, waren Sie bereits über 50 und eine etablierte Schriftstellerin. Vielleicht haben wir dennoch ein wenig gemeinsam: Wir sind beide Schriftsteller und schreiben Geschichten über Jugendliche und über die Zukunft.

Noch ist mein erstes Buch nicht vollendet, ich gehöre wohl zu der Art von Autoren, die in langsamem Tempo „Riesenromane“ verfassen. Doch da der Rohtext sich allmählich der Fertigstellung nähert, nehme ich mir den kleinen Höhenflug – vielleicht auch eine Prise Vermessenheit? – heraus und rechne mich zu Ihrer Gilde. Schriftsteller können und sollten sich über Bücher austauschen, deshalb möchte ich Ihnen einigen Gedanken zu Ihrer „Wolke“ mitteilen. Dieses Buch hat mich in gewisser Hinsicht schon seit langer Zeit verfolgt, gelesen habe ich es allerdings erst heute – erlauben Sie, dass ich das näher erkläre.

Zum ersten Mal hörte ich den Titel in der achten Klasse des Gymnasiums. Damals sollten wir Bücher vorstellen – ich wählte Stevensons „Schatzinsel“, da der Deutschlehrer meinen Vorschlag „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ von Jaroslav Hašek nicht hinreichend „jugendbuchartig“ fand; ein Klassenkamerad entschied sich für Ihre „Wolke“. Bezüglich seiner Buchvorstellung erinnere ich mich vor allem an die Reaktion des Lehrers, er sagte, dass der Inhalt ihm Angst bereite und fragte uns, ob es uns auch so gehe. „Merkwürdig“, dachte ich damals, „dass es Menschen gibt, die sich vor den Ereignissen in einem Buch fürchten! Bücher liest man doch zum Spaß, nicht, um Angst zu empfinden.“ Nun las ich zwar Bücher über den Ersten Weltkrieg, doch einen Krieg habe ich nie erlebt, weswegen solche Geschichten mir wie ein Blick in eine weitentfernte, fast irreale Welt schienen. Einen Nuklearunfall habe ich allerdings in gewisser Hinsicht erlebt – Tschernobyl im Jahr 1986. Damals – ich war sechs Jahre alt – wohnte ich mit meinen Eltern in Köln, in der Wohnung unter uns lebte ein Biologieprofessor, den meine Eltern aus irgendwelchen Gründen nicht mochten – meine Mutter erzählte mir jedoch eines Tages, der Professor habe sich einen Geigerzähler gekauft, der zum Messen von Radioaktivität diene (ich wusste, dass es sich dabei um irgendetwas Gefährliches handelte), er halte ihn nun an alles Mögliche, vor allem aber an die Lebensmittel, die er sich kaufe. „Hat er ihn auch an den Rhein gehalten?“ fragte ich interessiert. Das wusste meine Mutter nicht. Sie hatte auch kein Strahlenmessgerät. In diesem Jahr versuchten viele Eltern, ihre Kinder so gut wie möglich daran zu hindern, ins Freie zu gehen; meine taten das nicht. Ich spielte nach wie vor im Sandkasten, auf der Wiese, am Aachener Weiher. Dies mag einer der Gründe sein, weswegen ich später die Angst des Deutschlehrers nicht nachvollziehen konnte. Ein anderer liegt vielleicht darin, dass ich schon sehr früh mit Technologie auf eine Weise in Kontakt kam, die sie mir freundlich und nicht bedrohlich erscheinen ließ: Lange vor 1986, als Kleinkind fast noch, hatten meine Eltern mich in Paris in den Palais de la Découverte mitgenommen, wo ich unter anderem erfuhr, dass es etwas gab, was sich „Kernreaktor“ nannte, man hatte dort ein großes Modell eines Kernkraftwerks und ein mit vielen Lämpchen und beweglichen Teilen versehenes Diagramm einer Uranaufarbeitungsanlage, das mich außerordentlich faszinierte – eine Zeitlang zeichnete ich dauernd davon inspirierte Konstruktionen mit Buntstiften. Als Kind liebte ich Eisenbahnzüge und Flugzeuge (mit denen wir oft unterwegs waren), mit neun bekam ich meinen ersten Computer geschenkt, einen Atari ST, mit dem ich programmieren lernte: So kam es, dass für mich Technik stets etwas verspieltes, anheimelndes war, nichts, vor dem man sich zu fürchten brauchte.

Sehr viel später: Das Jahr war 2011, es war kurz nach dem Reaktorunfall in Fukushima und ich schnupperte in der Piratenpartei Deutschlands herum – „Ihr seid die einzige Partei, in der futuristisches Denken einen Platz hat!“ sagte ich optimistisch zu einigen Piraten, doch diese Positiveinschätzung sollte bald einen Dämpfer bekommen. Die Piraten veranstalteten zu dieser Zeit viele Kundgebungen gegen Kernkraft, ich beteiligte mich auch an einer. Wozu die alten Leichtwasserreaktoren nutzen – Designs aus den 1960ern – wenn es auch viel moderneres zur Energieerzeugung gab? Solarenergie beispielsweise! Oder Thoriumreaktoren: Auf der Webseite eines Schweizer Wissenschaftlers hatte ich gelesen, man könne Kernkraftwerke ganz anders bauen, als allgemein üblich: Mit Thorium als Brennstoff, so werde nur ein Bruchteil des radioaktiven Abfalls erzeugt, und ohne die Möglichkeit, wie die Maschine in Fukushima durch Überhitzung zu schmelzen – da sie innerlich bereits flüssig seien, und diese Flüssigkeit, eine Salzschmelze, würde im Falle eines unerlaubten Temperaturanstiegs automatisch einen festen Sicherheitsstopfen aus Salz auflösen und in ein unterkritisches Auffangbecken fließen. Doch die einzige Partei, in der ich „futuristisches Denken“ vermutet hatte, bot diesem doch nicht ganz soviel Platz: Man schimpfte, man schrie, man drohte mir beinahe – wie ich soetwas Schreckliches wie Kernkraft unterstützen könne, gerade angesichts Fukushima! Aber die Thorium-Technik sei anders, die Unterschiede bestünden in… man wollte mir nicht zuhören. Man machte sich über mich lustig. Man mobbte und beleidigte mich. Dennoch beschloss ich, nicht so leicht aufzugeben: Ich fand in der Partei einige, die an meinen Vorschlägen Interesse hatten und ähnliche Gedanken hegten, wir gründeten die „AG Nuklearia“, eine Arbeitsgemeinschaft von „Piraten für Kernenergie“. Die Piraten wurden indes nicht müde, auf eine Art, die uns unangemessen schien, gegen uns Stimmung zu machen – bald darauf begingen sie allerdings ohnehin kollektiv politischen Selbstmord. Wir entdeckten jedoch, dass wir mit unseren Ideen doch nicht so alleine dastanden, wie wir befürchtet hatten, denn viele Menschen, die mit der Partei nichts am Hut hatten, sich aber für Kerntechnik interessierten, wurden auf uns aufmerksam. Mit ihnen zusammen gründeten wir den parteiunabhängigen Verein „Nuklearia e. V.“.

Außerdem gelang es uns, mithilfe des Internet Kontakte zu ähnlich denkenden Personen und Organisationen im Ausland zu knüpfen. Ich staunte, wieviele Menschen außerhalb Deutschlands auf unserer Seite standen: Ein Klimatologie-Professor Barry Brook in Australien. Ein Umweltschützer namens Mark Lynas in Großbritannien. Der Erfinder Kirk Sorensen aus den Vereinigten Staaten… es entstand ein regelrechtes Netzwerk, was den Vorteil hatte, dass wir nicht mehr alleine waren, aber natürlich auch den Nachteil brachte, dass eine gewisse Abschottung nach außen entstand – doch das ist wohl immer der Fall, wenn Menschen mit gemeinsamen Ideen sich zusammenschließen.

Sie werden nun denken: Was für ein schrecklicher Mensch! Er ignoriert das Elend der Ukrainer, der Japaner, und gründet auch noch einen Club, der die Technologie fördern will, die soviel Grauen gebracht hat!

Sie fragen sich vielleicht, ob Sie diesen Brief überhaupt weiter lesen sollten. Er kann nur von einem bösen oder wahnsinnigen oder äußerst verblendeten Menschen stammen.

Doch ich bitte Sie, lesen Sie noch ein wenig weiter. Denn auch wenn ich böse oder verrückt oder verblendet sein sollte, enthält mein Text vielleicht dennoch etwas, was interessant sein könnte. Vielleicht etwas, was Sie zu einem neuen Buch inspiriert…

Um die Zeit der Nuklearia-Gründung herum, Anfang 2012 genau gesagt, begann ich ernsthaft, an einem eigenen Roman zu arbeiten (kleinere Schreibexperimente hatte ich schon früher unternommen). Das Kernkraft-Thema fand auch seinen Weg in meine Geschichte, ebenso wie es in Ihrer „Wolke“ vorkommt, wenngleich auf andere Art.

„Die Wolke“ hatte bei uns – ich meine das digitale Kernkraft-Netzwerk, zu dem die Nuklearia gehörte – in gewisser Hinsicht den Ruf eines „Buhmanns“. „Dieses schreckliche Buch aus Deutschland“ nannten es einige. Das war zu der Zeit, als Sie eine Fortsetzung dazu schrieben, und von der Zeichnerin Anike Hage sogar eine Manga-Adaption kreiert wurde. Ich kümmerte mich zunächst nicht groß darum. „Da gibt es eben so ein Anti-Kernkraft-Buch, na und?“ sagte ich mir. Ich erfuhr, dass es in Deutschland oft im Schulunterricht gelesen werde – da fand ich es natürlich schade, dass es kein entsprechendes Buch „von unserer Seite“ gab, als Gegengewicht. An einem warmen Augusttag im Jahr 2016 kam ich jedoch auf die Idee, Ihre „Wolke“ zu lesen. Anstatt immer nur mitzubekommen, wie andere Menschen darauf schimpften, wollte ich mir selbst ein Bild machen. Ich marschierte in die Universitätsbibliothek, entlieh es. „Jetzt werden wir nicht mehr sagen, wir hätten von nichts gewußt“, verhieß der Untertitel – jetzt würde ich nicht mehr sagen, ich hätte von dem Buch nichts gewußt! Im Laufe des Nachmittags folgte ich, auf einer Bank vor der Bibliothek sitzend, den Erlebnissen von Janna-Berta, vom Aufheulen des Katastrophenalarms in der Schule bis zum Abnehmen der Mütze im Beisein ihrer Großeltern.

Sie erläuterten einmal in einem Spiegel-Interview, dass Ihres Erachtens nach Kinder- und Jugendliteratur sich vom „Grimms-Märchen-Schema“ – das Gute besiegt das Böse, am Schluss ist alles in Butter – lösen müsse (dem stimme ich übrigens vollauf zu), es sei Ihnen vielmehr wichtig, junge Menschen mit Geschichten zu konfrontieren, in denen das Böse übermächtig, angsteinflößend, unbezwingbar erscheine. Dies bringen Sie auch in der „Wolke“ zum Ausdruck: [Oma Berta] war wie die Omas, die in Janna-Bertas Kinderbüchern vorkamen… sie wusste viele alte Lieder und Geschichten… Bei Oma Berta war man sicher, da konnte einem nichts geschehen, und das Gute war deutlich sichtbar und siegte, und das Böse war noch deutlicher sichtbar und wurde besiegt. Doch so ist die Realität nicht, wie Janna im Laufe der Handlung überdeutlich spürt.

Dennoch hat die Geschichte etwas Märchenhaftes – zumindest empfinde ich es so –; der erste Teil erinnert ein wenig an Hänsel und Gretel, mit Janna als Gretel und ihrem jüngeren Bruder Uli als Hänsel: Sie werden aus ihrem sicheren Heim in der Ortschaft Schlitz, aus der Geborgenheit vertrieben, müssen hinaus in den dunklen Wald, wo entsetzliche Gefahren lauern – in diesem Fall keine Hexe, sondern die Folgen eines Reaktorunfalls mit starker Radiotoxinfreisetzung im Kraftwerk Grafenrheinfeld, der die Bundesrepublik (im Buch noch ohne neue Bundesländer) ins Chaos gestürzt hat. Ihre Eltern sind in Schweinfurt, in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks, die übrigen Erwachsenen sind nutzlos, denn sie fürchten sich selber und flüchten mit ihren Autos, ohne die Kinder mitzunehmen; diese müssen mit ihren Fahrrädern aufbrechen. Sie versuchen, sich nach Bad Hersfeld durchzuschlagen, um von dort mit dem Zug nach Hamburg zu Verwandten zu fahren.

Das ist ein sehr mächtiges Bild. Für ein Kind kann es entsetzlich sein, zum ersten Mal mit der Situation konfrontiert zu werden, dass die Erwachsenen hilflos sind und keine Lösung für eine bedrohliche Situation kennen, und, schlimmer noch, lieber sich selbst in Sicherheit bringen als die Kinder zu schützen. Die Märchenwelt zerbirst, als Uli im Gegensatz zu Hänsel nicht gerettet wird, sondern von einem Auto erfasst auf der Flucht zu Tode kommt. Ein Mann trägt den toten Jungen einige Meter in ein blühendes Rapsfeld, wo er ihn niederlegt. Das leuchtend gelbe Feld wird zu einem wiederkehrenden Motiv im Buch. Janna wird von einer fremden Familie mitgenommen – keinesfalls nur aus altruistischen Motiven, man hofft, mit einem zusätzlichen Kind bei der Evakuierung bevorzugt behandelt zu werden – gemeinsam gelangt man zum Bahnhof Bad Hersfeld, wo mörderisches Chaos herrscht. Polizei und Bundesgrenzschutz sind hilflos, als Menschen panisch zu den Zügen stürmen, sich gegenseitig überrennen und zu Tode treten. In der wohl grauenhaftesten Szene im Buch werden die Kinder der fremden Familie, die Janna kurzzeitig anvertraut wurden, von den Menschenmassen überrollt und getötet. Man merkt, dass Sie hier Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg haben einfließen lassen. Zugleich bricht ein Gewitter los, von dem man vermutet, dass es einen substantiellen Anteil des radioaktiven Fallouts mit sich führt. Damit wird das Motiv „Wolke“, das bislang unsichtbar blieb – in Form der geahnten, aber nicht wahrnehmbaren Wolke von Radionukliden aus dem zerstörten Kraftwerk –, konkret, als sich bedrohlich donnernd heranwälzender Cumulonimbus. Im strömenden Regen irrt Janna die Strecke zurück, die sie gekommen ist, um ihren Bruder – den sie verzweifelt noch am Leben wähnt – aus dem Rapsfeld zu holen, in einer Halluzination schwebt das gelbe Feld deutlich sichtbar vor ihren Augen, während sie sich am Straßenrand entlang schleppt. Schließlich bricht sie erschöpft zusammen und wird von einer Gruppe freundlicher Hippies, die mit ihrem bunt bemalten Bus in Richtung DDR auf der Flucht sind, gerettet und mitgenommen.

Ich hatte an dieser Stelle gehofft, Janna würde bei den Hippies bleiben und von ihrer Gesellschaft getröstet und beschützt werden. Es mag seltsam klingen: Ich selbst wurde einmal von zwei Hippies, einer Mutter und ihrer Tochter, in einem bunten Kastenwagen mitgenommen. Zwar schwebte ich keinesfalls in Lebensgefahr, doch es fühlte sich dennoch als Erlösung an. Das kam so: Im Jahr 2013 veröffentliche der Regisseur Robert Stone seinen Dokumentarfilm „Pandora’s Promise“. Dies ist ein Film, der die Kerntechnik in einem positiven Licht darstellt, es geht auch um Weiterentwicklungen von Kernkraftwerken ähnlich den weiter oben erwähnten Thoriumreaktoren. In Deutschland wurde der Film kaum beachtet, es kam nur zu einer einzigen Aufführung in einem großen Kino, der Premiere in Berlin, die ich besuchte. Von meinem Wohnort fuhr ich mit einer Mitfahrgelegenheit dorthin. Man fragte mich unterwegs – außer mir waren der Fahrer, sein Sohn und eine junge Frau im Wagen – was ich in Berlin vorhabe, ich erklärte vorsichtig, zu einer Filmpremiere zu wollen. Welcher Film? Ich wurde noch vorsichtiger, denn ich wollte keinen Streit auslösen, aber entschloss mich schließlich, es zu riskieren, und erklärte, worum es in „Pandora’s Promise“ ging. Das war eine üble Entscheidung gewesen. Ich wurde von dem Fahrer sofort angeschnauzt (und von der jungen Frau unwillig angestarrt), wie man so etwas Entsetzliches wie einen Film, der Kernkraft positiv darstelle, sehen können wolle. Es folgte eine mißmutige, schweigsame Fahrt hinauf nach Berlin. Ich glaube, der Fahrer hätte mich am liebsten aus dem Wagen geworfen, aber das ging auf der Autobahn nicht gut. Ich war froh, als ich endlich in der Hauptstadt ankam und die düstere Atmosphäre, die im Auto herrschte, hinter mir zurücklassen konnte. In Berlin besuchte ich die Filmpremiere, diskutierte hinterher mit Robert Stone und einigen anderen Leuten – es waren allerlei Wissenschaftler, Umweltschützer, Politiker anwesend (allerdings keine wirklich einflußreichen und bekannten). Robert Stone vertraute mir an: „I have never seen a country which is as rabidly anti-nuclear as Germany.“ Dies konnte ich nach meinem Autofahrt-Erlebnis bestätigen!

Ich vermute übrigens, dass Kernkraftgegner in den 1970ern und 80ern, bevor ihre Bewegung den Umschwung und die personelle Stärke erlangte, die sie heute aufweist, oft ähnlichen Aggressionen ausgesetzt waren. So beschreiben Sie im Buch in Retrospektive, wie eine Antiatomdemonstration, an der sich Jannas Eltern beteiligen, von Anwohnern aus den Fenstern heraus beschimpft wird.

Mit leichtem Magengrimmen trat ich die Heimreise an. Wer würde diesmal im Auto sitzen? Wäre es am Ende besser, mir irgendeine Phantasiegeschichte bezüglich meines Aufenthalts in Berlin auszudenken? Ich könnte ja behaupten, meine Oma besucht zu haben oder so… aber ich flunkere ungern. Das Auto, das zum Treffpunkt vor dem Theater am Schiffbauerdamm rollte, war ein buntbemalter Kastenwagen, am Steuer saß die schon erwähnte Hippie-Frau mit ihrer ukuleleklimpernden Tochter auf dem Beifahrersitz. Ich erlebte nun eine sehr positive Überraschung: Als ich vorsichtig erklärte, was ich in Berlin getrieben habe und worum es in dem Film ging, reagierten die beiden etwas überrascht, aber sehr freundlich, in der Art: „Ach! Pro-Kernkraft-Filme! Dass es sowas auch gibt! Das ist interessant, das kannten wir noch nicht.“ Es wurde eine wunderschöne Heimfahrt mit interessanten, spannenden, lustigen Gesprächen.

Es mag daran liegen, dass Hippies mit einer friedlichen Grundeinstellung an Menschen herangehen, zunächsteinmal immer gute Absichten und eine freundliche Gesinnung vermuten. Daher hätte ich es gern gesehen, wenn Janna von den sechs Hippies im VW-Bus „adoptiert“ worden wäre.

Doch dazu kommt es nicht. Während sie ohnmächtig ist, ziehen sie ihr neue Kleidung an – da die alte vermutlich mit Radiotoxinen kontaminiert ist – und fahren mit ihr bis zur DDR-Grenze, die aber von den Grenztruppen inzwischen gesperrt wurde. Janna verabschiedet sich von den Hippies, bevor sie sie überhaupt richtig kennengelernt hat – bedenkt man ihren seelischen Zustand, ist das nur verständlich – und will sich auf eigene Faust weiter nach Norden durchschlagen. In Dörfern bittet sie um Wasser – vergebens, sie wird fortgejagt. Auch hier spürt man Erinnerungen an Flüchtlingserlebnisse am Ende des Zweiten Weltkriegs heraus. Schließlich bricht sie, ermattet und strahlenkrank, am Rande eines Flusses, in dessen Mitte die innerdeutsche Grenze verläuft, zusammen, und erwacht erst wieder in einem Notkrankenhaus für Kinder, das in einem Schulgebäude eingerichtet wurde.

Den im Buch beschriebenen Symptomen (Erbrechen ca. sechs Stunden, Folgesymptome – Haarausfall, Diarrhoe, Immunschwäche, Fieber – sieben bis 14 Tage nach Exposition) zufolge war Janna einer Stahlendosis zwischen zwei und drei Gray ausgesetzt, das ist eine massive Dosis, wie sie die Liquidatoren in Tschernobyl erhielten, die in unmittelbarer Nähe des zerstörten Krafwerks arbeiteten, oder Opfer einer Kernexplosion. Es wird erwähnt, dass der Unfall in Grafenrheinfeld das Neunfache der Radiotoxizität von Tschernobyl freisetzte; man könnte sich vorstellen, dass im Kraftwerk etwas geschah, was den gesamten Reaktor pulverisierte oder verdampfen ließ (einschließlich der bestrahlten Brennelemente im Abklingbecken?) – die dazu notwendige massive Wärmeentwicklung könnte das Gewitter ausgelöst haben, das einen Großteil der freigewordenen Radionuklide in sich aufnahm und diese konzentriert in der Umgebung von Bad Hersfeld – und damit auf Janna – niederregnen ließ. Es scheint mir allerdings schwierig, mir einen Unfall bei einem Leichtwasserreaktor vorzustellen, der zur kompletten Verdampfung führt, da der Brennstoff für soetwas einfach nicht stark genug angereichert ist – selbst beim schnellen Reaktor, der höhere Anreichungsgrade benötigt, erfolgt, wenn das gesamte Inventar auf einen Haufen fallen würde, maximal eine nukleare Verpuffung.

Doch kehren wir zurück zu Janna. Im notdürftig eingerichteten Krankenhaus herrscht Elend. Kinder weinen, sterben; Bettzeug, Medikamente, Wasser, Kleidung – es mangelt am Nötigsten. Sie findet jedoch eine Freundin, ein türkisches Mädchen namens Ayse, und es zeigt sich ein Schimmer von romantischem Interesse von Seiten des Zivildienstleistenden Tünnes.

Eine besondere Rolle spielen Steinfiguren, die die Kinder in der Schule, in der das Spital eingerichtet wurde, im Unterricht herstellten: Vertraute, rundliche, tröstliche Gestalten wie Obelix oder Rübezahl – die jedoch keinen Trost mehr zu spenden vermögen, sie sind ein fremdartig erscheinendes Relikt aus der verlorenen Welt vor der Katastrophe. Als der Bundesinnenminister das Spital besucht, schleudert Janna eine der Figuren nach ihm – doch er hat die Tür bereits hinter sich geschlossen, sie prallt gegen das Holz. Der Minister wird, trotz mitgebrachter Sicherheitsleute, von den Patienten angeschrien und bedroht. Er ist hilflos, lässt jedoch frische Bettwäsche und sonstigen Bedarf schicken.

Für Janna und Ayse ist es ein schrecklicher Schock, als bei ihnen der Haarausfall einsetzt – besonders für das türkische Mädchen. Kahlköpfigkeit, als äußerlich deutlich sichtbares Anzeichen, zu den Überlebenden der Katastrophe zu gehören, wird von da an zum zentralen Symbol – für die Katastrophe, aber vor allem auch für die Kälte, mit der Nichtbetroffene den Überlebenden oft begegnen. Ayses Zustand verschlechtert sich rapide – sie stirbt –, und Janna bekommt heraus, obwohl Tünnes ihr das zu verschweigen versuchte, dass ihre Eltern tot sind, möglicherweise sogar von Soldaten erschossen, die die Menschen an der Flucht aus der am stärksten verseuchten Region zu hindern versuchten.

Schließlich taucht Jannas Tante Helga aus Hamburg auf und nimmt sie mit zu sich. Dies ist ein Wendepunkt in der Geschichte: Nun sind wir nicht mehr inmitten einer akut verlaufenden Katastrophe, sondern erreichen das Alltagsleben danach, das für die Betroffenen jedoch düster ist. Helga ist eine sehr korrekte, recht gefühlskalte Lehrerin, die zwei weitere Flüchtlinge in ihrer Wohnung beherbergt und krampfhaft bemüht ist, den Schein von Normalität zu wahren oder wiederherzustellen. Es erfüllt sie mit Befremden und Widerwillen, dass Janna keine Mütze aufsetzen möchte, um ihre Glatze zu verbergen; doch Janna möchte, dass die Menschen sehen und begreifen, wo sie herkommt und was sie durchgemacht hat.

Die Flüchtlinge aus den verseuchten Gebieten sind anhand ihres ausgemergelten Zustands und vor allem am Haarausfall leicht zu erkennen. Vom Rest der Bevölkerung werden sie abweisend, oft sogar mit Hass betrachtet – wieder eine Anspielung auf Flüchtlingsschicksale im Zweiten Weltkrieg. Man fürchtet die Überlebenden, da man sie für radioaktiv, und daher für andere gefährlich hält (in Wirklichkeit ist nach der Dekontamination die vom Opfer einer Strahlenvergiftung ausgehende Radioaktivität vernachlässigbar, da die Radiotoxine ja, bis auf eventuell im Körper eingelagerte, entfernt wurden – doch Menschen sind in der Tat kaum je rational, wenn sie sich fürchten). Der Mann des bei Tante Helga untergekommene Ehepaars weist auch darauf hin, dass bei ihnen Erbschäden aufgetreten sein könnten, er fürchtet, es könne daher zu einem Massenmord an Katastrophenopfern kommen, wie das Naziregime es an erblich Behinderten verübte. Tante Helga indessen folgt nur eisern ihrem Willen, Normalität zu wahren, den vertrauten, harmlosen Alltag wieder einziehen zu lassen. Dies geht so weit, dass sie Jannas Großeltern, die die ganze Katastrophe über auf Mallorca weilten, verschweigt, dass Jannas Eltern gestorben sind, sie erfindet eine Geschichte, derzufolge sie sich in einem Spezialsanatorium erholen würden.

Janna besucht die Schule in Hamburg, dort trifft sie einige Klassenkameraden wieder – alle erkennbar an ausgefallenen Haaren – unter ihnen Elmar, den sie als Klassenbesten, einen munteren, katholischen Jungen, in Erinnerung hat. Er ist völlig verändert: Atheist, düster, lebensunmutig, ohne Interesse an der Schule und daher bald versetzungsgefährdet. Janna und Elmar verbringen ein wenig Zeit miteinander, er hält dabei oft weitausgreifende, pessimistische Vorträge – und nimmt sich schließlich das Leben.

Kurz vor ihrem fünfzehnten Geburtstag reißt Janna aus und schlägt sich zu ihrer Tante Almut in Wiesbaden durch, die mit ihrem Lebensgefährten und einer Gruppe von Erwachsenen und Kindern in einem winzigen Kellergelass im Haus einer mürrischen alten Frau lebt, die dazu gezwungen werden musste, ihre Räumlichkeiten für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Trotz der widrigen Bedingungen ist Almuts Gruppe von Verwandten und Wahlverwandten wohlauf: Man hält zusammen, nimmt gemeinsam das Leben in Angriff, wenn auch nicht ohne gelegentliche Anfälle von Verzweiflung. Janna hat wieder ein Zuhause.

Bis zu dieser Stelle konnte ich mich in das Mädchen sehr gut hineinversetzen: Ich trauerte, fürchtete mich, verzweifelte und schöpfte Hoffnung mit ihr. Alles, was Janna erlebte, ging mir nah. Gegen Ende des Buches jedoch, nach dem Eintreffen in Wiesbaden, begann die Protagonistin mir fremd zu werden. Warum?

Es mag daran liegen, dass ich die Situation, mit einer großen Gruppe von Erwachsenen und Kindern unter einem Dach zusammenzuleben, nicht kenne, ich kann sie nicht nachfühlen, ich weiß nicht, was für Erlebnisse sich damit verbinden. Extremsituationen kann dagegen so gut wie jeder Mensch nachvollziehen, denn der Kampf/Flucht-Instinkt ist tief in uns eingegraben, es ist einer der ältesten, überlebensnotwendigen Instinkte aus der Urzeit. Doch es gibt, scheint mir, noch einen anderen Grund.

Janna und ihre neuen Gefährten sehen sich quasi vor dem Nichts stehen. Das ist, angesichts des Elends und der Verwüstung, begreiflich, ich meine jedoch noch eine andere Art des Nichts: Im Sinne einer Endstimmung, des Gefühls, dass nun nichts mehr zählt, außer das Überleben zu sichern. Als Tante Helga – steif und korrekt wie immer – Janna in Wiesbaden besucht („Warum hast du mir nicht gesagt, dass du zu Almut willst?“ […] „Weil ich Angst hatte, du könntest mich überreden, dazubleiben… du hast immer gleich so vernünftige Argumente.“), reagiert diese verstört auf Jannas Bemerkung, keine Schule mehr besuchen zu wollen: „Wie stellst du dir eine Zukunft ohne Schulbildung vor?“ „Zukunft“, sagte Janna-Berta finster. „Weißt du, ob ich eine hab? Ich weiß es nicht. Aber das bißchen Leben, das mir vielleicht bleibt, will ich so leben, wie ich will. Als ob’s für unsereinen nichts Wichtigeres gäbe als die Schule!“

Was ich völlig verstehen kann, ist, dass Janna sich Tante Helgas Zugriff entzieht, durchbrennt – ich hätte es bei dieser peniblen, überkorrekten Frau wohl keine Woche ausgehalten. Jedoch die Haltung: „Es gibt nur noch das reine Leben, bzw. Überleben; Wissen, Bildung, Entwicklung sind nun irrelevant“ – finde ich befremdlich, wenn auch wohl aus anderen Gründen als Tante Helga.

Im Zweiten Weltkrieg gab es Soldaten inmitten des Horrors der Schlachtfelder, Zivilisten in grauenhaften Bombennächten, die sich festklammerten – an ein Buch! Ein Buch war für manche das einzige, was ihnen noch Hoffnung, Halt, Überlebenswillen gab. Ein Buch vermittelte das letzte Restchen Geborgenheit, das es für sie auf der Welt noch gab. Denn ein Buch deutet über die nackte, biologische Existenz hinaus, wie ein Lichtstrahl, der in eine Welt des Erzählens, des Wissens, der Weltzusammenhänge weist. Habe ich nur noch mich, das heißt meinen verletzlichen, geschwächten Körper, dann bin ich beinahe schon tot. Habe ich mich und ein Buch, dann kann ich mich an etwas klammern, nach etwas strecken, was außerhalb meiner selbst liegt, und dadurch Mut gewinnen. Janna verzichtet auf das Buch. Es kommt ihr nur noch auf das reine Weiterexistieren an. An dieser Stelle kann ich mich nicht mehr mit der Figur identifizieren.

Man könnte einwenden, dass sie außer sich selbst ja noch ihre neue Familie, andere Menschen hat, darunter viele Kinder. Können andere Menschen denn nicht auch den benötigten Hoffnungsstrahl spenden? – ließe sich fragen. Aber wenn viele Menschen beisammen sind, von denen jeder nur noch die Sehnsucht nach körperlicher Weiterexistenz hat, dann haben sie alle zusammen nichts. Hat auch nur einer von ihnen ein Buch dabei, dann haben sie etwas, etwas gemeinsames sogar, denn ein Buch kann man sich gegenseitig vorlesen, wenn die Apokalypse wütet. Dies gilt besonders für Kinder: Man sagt, Kinder brauchen Märchen – das bedeutet, allgemeiner gesprochen: Geschichten, Erzählungen – eben Bücher!

Tante Almut zieht mit Janna und ihren anderen Gefährten in ein leerstehendes, heruntergekommenes Haus mit einem Kamin als einziger Heizmöglichkeit – es erscheint ihnen jedoch, nach dem Aufenthalt im Keller der mürrischen alten Frau, geradezu luxuriös, auch als der Platz nach Aufnahme zweier weiterer Kinder knapp zu werden beginnt. Sie gründet einen Zusammenschluss aller Hibakusha – so nennen sich, in Anlehnung an die japanischen Kernbombenopfer, die Überlebenden der Katastrophe. Dieser Begriff ist freilich nicht ganz korrekt, da sich „Hibakusha“ von Genbaku (Kernbombe – wörtlich: „Materiebombe“) herleitet; sie sind jedoch von einem Reaktorunfall betroffen, und Kernkraftwerk heißt auf Japanisch Genshiryokuhatsudenjo. Angesichts der Tatsache, dass sie sich, wie die Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki, am ausgefallenen Haar erkennen können, ist die Benennung jedoch einleuchtend. Auch werden Kernkraftwerke und Kernbomben von der aus der Friedensbewegung der 70er hervorgegangen Antiatombewegung oft als zwei Aspekte derselben Sache gesehen, was im Falle der sowjetischen RBMK-Reaktoren nicht ganz falsch ist, da sie als „dual purpose“-Maschinen zugleich zur Strom- und Waffenplutoniumproduktion genutzt werden können, bei westlichen Leichtwasserreaktoren ist dies allerdings nicht ohne weiteres möglich.

Es fällt nebenbei bemerkt auf, dass sich durch das Buch versteckte Japanismen ziehen, so die wiederholt auftauchende Bezugnahme auf die Kirschblüte. Die Umsetzung des Romans als Manga scheint somit kein Missgriff.

Mit ihrem fünfzehnten Geburtstag beginnen Jannas Haare ganz langsam wieder nachzuwachsen.

Die Hibakusha-Bewegung solidarisiert und formiert sich, man schließt sich mit der französischen Anti-Kernkraft-Bewegung zusammen und demonstriert mit ihr gegen die dortigen Kraftwerke. Bei einer Versammlung erfährt Janna von einem ehemaligen Schulkameraden, dass in Schlitz alles verwildert und ausgestorben sei, ein Niemandsland. Sie beschließt, ihren ehemaligen Wohnort aufzusuchen. Ein Student nimmt sie in seinem Auto bis kurz hinter Bad Hersfeld mit, wo sie aussteigt, um ein bestimmtes leuchtend gelbes Rapsfeld zu suchen…

Sie findet Ulis Leiche, sogar seinen Teddybären und ihr eigenes, verrostetes Fahrrad, das sie dort auf der Flucht zurückgelassen hat. Sie beerdigt ihren Bruder im Rapsfeld und fährt dann, auf dem rostigen, quietschenden Fahrrad, in Richtung Schlitz.

Tatsächlich ist die Gegend verwildert, verlassen, Autowracks zerfallen am Straßenrand. Einige Bauern sind bereits zurückgekehrt, sie fürchten um ihren Besitz, ihre Ernte. Einer von ihnen deutet die Katastrophe als neue Sintflut, die Gott geschickt habe, da die Menschheit wieder zu hochmütig geworden sei. Endlich kommt Janna in Schlitz an. Ihr Haus scheint verlassen, wildwachsende Pflanzen umwuchern es. Mit dem Schlüssel, den sie bei der Leiche ihres Bruders gefunden hat, öffnet sie die Tür – Kuchenduft schlägt ihr entgegen! Ihre Großeltern, die während der Katastrophe auf Mallorca weilten, sind bereits zurückgekehrt. Sie empfangen sie freudestrahlend, laden sie zu Kaffee und Kuchen auf dem Balkon ein. Beide sind in dem Glauben, dass, wie Tante Helga log, Jannas Eltern leben und sich in einem Spezialsanatorium erholen.

Der Großvater findet die Reaktion der Deutschen auf den Reaktorunfall übertrieben: Es sei doch nicht wirklich etwas Schlimmes passiert, der größte Schaden sei durch die Panik entstanden, man solle solche Zwischenfälle lieber geheim halten, der Mann auf der Straße brauche nichts zu wissen, was ihm nur Angst einjage und er nicht verstehen könne. In einer ordentlichen Diktatur sei das kein Problem, da lasse die Regierung den Pöbel nicht an interne Probleme heran. Man beklagt lauthals, dass der Wellensittich nicht auf die Flucht mitgenommen worden sei – alleine im Käfig ist er verhungert. (Im Manga entlässt Janna das Tierchen übrigens in die Freiheit, mit der Bemerkung – eventuell um Uli zu trösten – Tiere wüssten sich vor Gefahren zu schützen. Bei Wellensittichen stimmt das in Deutschland – auch ohne erhöhte Radioaktivität – leider nicht, sie sind zu klein, zu bunt und zu empfindlich, um lange in Freiheit zu überleben.)

Noch haben die Großeltern Jannas (immer noch spärlich behaarten) Kopf nicht gesehen – denn diesmal trägt sie eine Mütze.

Da zog Janna-Berta die Mütze vom Kopf und begann zu sprechen.

Zwei Dinge fielen mir beim Lesen Ihres Romans auf.

Zum einen: Das Erzähltempo verhält sich genau wie die Abklingkurve eines radioaktiven Nuklids (haben Sie das absichtlich so gemacht?). Der Roman beginnt mit enormer Intensität, der Katastrophenalarm heult, die Kinder flüchten ins Unbekannte, Gefahrvolle; Panik und Chaos brechen aus, Tod, Grauen, Entsetzen. In späteren Kapiteln sinkt das Tempo allmählich: Die Fahrt mit den Hippies in Richtung DDR. Der Aufenthalt im Notspital. Tante Helga in Hamburg – und dann Wiesbaden bei Tante Almut (man kann die Worte „Almosen“ und „Mut“ in ihrem Namen entdecken, auch „All-Mut“). Das Erzähltempo tendiert gegen Null, schwingt exponentiell sinkend darauf zu, ohne ganz zum Erliegen zu kommen. Zum Schluss: Zeitlose, todesahnende Fast-Idylle. Rund um Schlitz ist das Land leer, still, es liegt Nebel über den Feldern, als Janna auf ihren ehemaligen Wohnort zuradelt. Die Welt hat aufgehört, sich zu entwickeln. Es ist nahezu kompletter Stillstand eingetreten. Die Menschen hoffen nur noch darauf, zu überleben. Erst als Janna ihr ehemaliges Haus betritt, weicht die Erzähltempokurve vom abklingenden Exponentialgesetz ab: Der Roman endet mit einem dröhnenden Schlag, personifiziert durch die beiden lauten, zugleich unzufriedenen und aufgeräumten Großeltern, die polternd darauf bestehen, dass alles völlig übertrieben sei und aufgebauscht worden wäre. Janna zieht ihre Mütze vom Kopf…

Zum anderen – auf gewisse Weise mit dem ersten Punkt zusammenhängend: Nirgendwo taucht im Buch ein einziger Geigerzähler oder ein Dosimeter auf. Die Strahlung bleibt unbekannt, ungesehen, unenthüllt. Mir ist klar, warum das für die Dramatik der Handlung wichtig ist. Dennoch sind Geigerzähler recht häufige Instrumente, vor allem nach Tschernobyl wurden sie vermehrt auch von Privatpersonen angeschafft (wie von dem eingangs erwähnten Biologen – nach Fukushima waren die Geräte übrigens bei Conrad Electronic ausverkauft, obwohl selbst das empfindlichste nicht vermocht hätte, die Strahlung aus dem japanischen Kraftwerk in Deutschland nachzuweisen). Jede Schule, jede Universität mit naturwissenschaftlicher Fakultät hat mehrere vorrätig, ganz zu schweigen von Polizei, Militär, Katastrophenschutz, Feuerwehr. Dass niemals irgendjemand ein solches Instrument zückt, um einen gewissen Aufschluss über Intensität und Verteilung der Strahlenbelastung zu erhalten, wirkt zumindest recht überraschend. Mehrfach wird erwähnt, dass man nicht wissen könne, ob eine bestimmte Speise, ein bestimmtes Getränk belastet sei. Mit einem Zählrohr ließe sich hier rasch Klarheit schaffen. Mindestens die Ärzte in dem Notspital wären mit ihnen ausgestattet, schon alleine, um zu prüfen, um die Kleidung der eingelieferten Patienten kontaminiert ist oder nicht. Wie schon gesagt – dramaturgisch gesehen ist einleuchtend, weshalb die Strahlung immer im Dunkeln bleibt, nie ins Licht der menschlichen Erkenntnisfähigkeit gezogen wird; aber mir scheint, dass Sie an dieser Stelle in etwas zu hohem Maße die Plausibilität der Dramaturgie geopfert haben.

Doch Geigerzähler hin – für mich schwer nachfühlbarer Schluss her: An dem Nachmittag, an dem ich Ihre „Wolke“ las, habe ich Janna-Berta liebgewonnen. Ich habe mit ihr gezittert, geweint, Hoffnung geschöpft. Ich war mit ihr in der Hölle. Das Buch ist Ihnen geglückt. Durch Identifikation mit der Hauptfigur zieht es den Leser in seine Welt, durch emotionales Erleben nimmt es ihn mit. Ich hoffe, dass mir das auch bei meinen Büchern gelingt, wenigsten bei einem gewissen, vielleicht kleinen, Anteil der Leser.

Was bei mir vielleicht anders ist als bei vielen Lesern, ist meine Befindlichkeit nach Ende des Romans. Furcht oder große Sorge bezüglich Radioaktivität oder Kernkraft verspüre ich nun nicht, zumindest nicht in einem Maß, das hinausgeht über „Zonen mit über hundert Jahresmillisievert meiden“, „starke Strahlenexposition so kurz und gering wie möglich halten“ und „Energieerzeugung den Konzernen entreißen und staatlichen, nicht profitorientierten Organisationen unterstellen [in der Art der Tennessee Valley Authority in den USA]“, „engmaschige, unangekündigte Sicherheitskontrollen durch unabhängige Organe durchführen lassen“. Aber diese Dinge waren mir schon vorher geläufig…

Das wird Sie nicht überzeugen, Sie möchten gewiss lieber gestern als heute aus der Kernenergie aussteigen – das ist Ihr gutes Recht. Es ist kaum möglich, Menschen dazu zu bewegen, Überzeugungen, für die sie lange gekämpft haben, zu ändern – und warum auch? Die Welt lebt ja auch von der Vielfalt der Meinungen.

…ist ja gut, Annika. Hör auf, an meinem Ärmel zu ziehen!

Meine eigene Romanfigur, Annika Palmstroem, liegt mir schon die ganze Zeit in den Ohren: Ich möge doch bitte den Brief, den sie an Janna-Berta geschrieben hat, nicht vergessen! Das ist keine schlechte Idee: Brief im Brief! Hier ist er:

Liebe Janna,

wir sind uns nie begegnet, denn du lebst in einem Universum, das von meinem sehr weit entfernt ist – weiter noch vielleicht als das dieses Mannes, Fabian Herrmann, der behauptet, mein Erfinder oder Schöpfer – oder wie immer man es nennen möchte – zu sein. (Kawabata Yuta, mein Philosophielehrer, hat mir gesagt, dass ich, wenn es irgendwie möglich ist, versuchen solle, dann und wann nachts etwas über diesen Fabian Herrmann zu träumen: man wolle ja nicht, dass der arme Mensch sich in reines Nichts auflöst. Wer hier wohl wen schöpft?!)

Doch wenn man schon träumt, dann darf man auch fast unendlich weit entfernten Personen Briefe schreiben: Vielleicht trägt ja die ewige, sich beschleunigende kosmische Expansion meinen Gruß im Laufe der Jahrtrillionen zu dir. Denn schreiben möchte ich dir, es ist mir ein wichtiges Anliegen, vor allem in Hinblick darauf, wie deine Geschichte, so wie sie im Buch steht, endet.

Gegen Ende der Geschichte wünscht sich deine neue Wahlfamilie „den ganzen Hang, das ganze Tal voller Kinder – und Erwachsene bis zum Horizont“ – und die Zukunft soll sich darüber ausbreiten, „tiefblau und endlos, mit weißen Federwolken darin“. Das sind schöne Wünsche, die das titelgebende Motiv Wolke zum dritten Mal wiederholen und zum Abschluss bringen – die unsichtbare Radionuklidwolke des Anfangs wandelt sich erst zur bedrohlich sichtbaren Gewitterwolke, und zum Schluss zu einem Sommerhimmel voller freundlicher, schlohweißer Cirren – und ein wenig das Alte Testament, die Geschichte Abrahams, anklingen lassen: „Ich werde deine Nachkommen zahlreich wie die Sterne am Himmel, wie die Sandkörner in der Wüste machen.“ Das ist wichtig, vielleicht sogar das allerwichtigste: dass die Menschheit – die terragene Intelligenz kann man sie auch nennen – weiterlebt, gedeiht. Ich vertraue auf die Lebensfreude, den Witz, die Findigkeit der Nachkommen. Doch wir sollten ihnen auch ein Geschenk machen.

Unter dem blauen Himmel sitzen, inmitten schöner Blumen, die Wolken ziehen sehen, die Gärten bestellen – dieser Candidesche Schlusswunsch macht auf Dauer kein Kind froh. Es bleibt etwas übrig, ein Verlangen, eine Sehnsucht: Wissen, wie es jenseits der Berge, jenseits des Meeres, jenseits der Erde auf dem Mond und den Planeten aussieht. Kinder sind oft unbändige Streuner, richtige Entdecker. Sie lassen sich nicht mit faden Erwachsenenmeinungen abspeisen, sie möchten – obwohl sie sich fürchten – wissen, was sich im dunklen Wald verbirgt. Dunkler Wald: das klingt nach Märchen. Kinder brauchen Märchen, aber nicht jedes Kind mag jedes Märchen. Ich fand die Grimmschen Märchen nie besonders faszinierend – sie sind sprachlich krude, inhaltlich phantasielos, unnötig gewalttätig und teilen die Welt in aboslut Gut, absolut Böse ein. Die Welt besteht jedoch nie aus Schwarz und Weiß, sie ist ja kein Schachbrett.

Viel lieber habe ich die russischen Märchen gelesen. Kennst du sie auch, Janna? Die russische Hexe, die Babajaga, ist, im Gegensatz zur Grimmschen Knusperhäuschentante, eine interessante Person. Sie ist feuergefährlich, kann die Menschen verschlingen, wenn sie auf ihrem Mörser, hintendran der spurenverwischende Besen, mit huii durch den Wald geritten kommt. Aber zuweilen ist sie sehr hilfreich, oft kann der Held ohne ihre Künste seine Mission nicht erfüllen. Man kann die Babajaga nicht töten, sie ist mehr oder weniger unsterblich, denn sie ähnelt eher einer slawischen Naturgottheit als einer westeuropäischen Knusperhexe.

Im gleichen Universum, in dem dieser ominöse Fabian Herrmann lebt, soll es auch eine Dame geben, die behauptet, dich erschaffen, erdacht zu haben, sie heißt wohl Gudrun Pausewang. (Wenn es geht, träume doch bitte dann und wann von ihr: Wir wollen ja nicht, dass sie sich in Nichts auflöst.) Frau Pausewang sagte, man könne Kinder nicht länger mit simplen Geschichten abspeisen, in denen das absolut Gute das absolut Böse besiegt. Ich glaube, da hat sie recht. Leider ist sie sich beim Erzählen deiner Welt ein wenig selbst auf den Leim gegangen: Denn sie hat die Welt der Grimmschen Märchen wieder durch die Hintertür hereingeholt. In deiner Geschichte übernimmt die Kerntechnik die Rolle der bösen Hexe. Der Unterschied ist zwar, dass die Kinder die Hexe nicht besiegen können, sie stehen ihr hilflos gegenüber. Aber immer noch ist die Hexe vollständig böse, die Kinder – also auch du – verkörpern das Prinzip des Guten.

Ich denke, ihr solltet Frau Pausewang beim Wort nehmen und ihren Plan zuende führen: Raus aus der einfältigen Grimmschen Welt, hinein in die kompliziertere, mystischere, aufregendere der russischen Märchen. Macht aus der garstigen Knusperhexe eine wilde, geheimnisvolle Babajaga. Denn wie die Babajaga ist die Kernenergie mächtig und gefährlich, aber für die Menschen oft auch hilfreich. Wir in Curiepolis – so heißt das Inselreich, in dem ich zur Zeit wohne – nutzen sie zu allem Möglichen: Trinkwasser aus Meerwasser herstellen (denn die Insel hat außen um sich herum ja nichts als Ozean), Abfälle in nützliche Stoffe umwandeln, Raketen antreiben. Dabei vergessen wir zum Glück nie, wie stark und zerstörerisch die Babajaga sein kann. Doch um die Geschichte glücklich zuende zu bringen, müssen wir uns auf den Weg zu ihrer einbeinigen Hütte machen.

Lies den Kindern, mit denen zusammen du bei Tante Almut wohnst, doch mal die russischen Märchen vor. Und vielleicht – vielleicht macht ihr euch wirklich einmal auf den Weg zu Babajagas Hütte, das heißt, zu einem der Kernkraftwerke: Und unterhaltet euch, wenn es geht, mit einigen der Leute, die dort arbeiten. Der wichtigste Blick für uns Menschen ist der Blick auf die andere Seite des Zaunes – doch das weißt du ja schon, du erinnerst dich – bitte entschuldige, falls das eine schlimme Erinnerung für dich ist – an den Fluss, in dessen Mitte die deutsch-deutsche Grenze verläuft – du hast hinübergesehen.

Alles Liebe,
Annika Palmstroem

Nach diesem von Annika gemachten Vermerke geht es zuende mit löblichem Werke! Ein wunderschöner Brief-im-Brief, finde ich. Dankeschön, Annika!

Jetzt sag ich Auf Wiedersehen. (…oder sagt man: „Auf Wiederlesen“?)

Viele Grüße, alles Gute wünscht Ihnen
Fabian Herrmann

PS. Und danke für das Buch! Es war eine wichtige, interessante Erfahrung für mich, „Die Wolke“ zu lesen!

5 Gedanken zu „Atomhörnchen liest „Die Wolke“ – offener Brief an Gudrun Pausewang

  1. „Energieerzeugung den Konzernen entreißen und staatlichen, nicht profitorientierten Organisationen unterstellen…“

    Also, wenn es eines gibt, was man aus Tschernobyl lernen kann, dann, daß man den Betrieb von Kernreaktoren keinesfalls staatlichen Behörden überlassen kann. Es braucht eine klare Trennung zwischen dem verantwortlichem Betreiber und Eigentümer einerseits, und der Aufsichtsbehörde, gegenüber der er sich verantworten muß, andererseits. Jede private Zentralheizung wird sicherer betrieben als irgendeine VEB-Maschinerie, die keinen verantwortlichen Eigentümer hat.

    Die Lösung, daß die Energieerzeugung bei einem Kartell aus wenigen Konzernen liegt, mag suboptimal sein. Das Kartell durch ein Monopol zu ersetzen, verschlimmert die Situation aber, statt sie zu verbessern.

    Ich würde lieber in einem Hochhaus leben, in dessen Heizungskeller ein Kernreaktor steht, der der Wohnungsbaugenossenschaft gehört, als im Umkreis von 20km neben einem staatlichen KKW.

  2. Danke für den Artikel. Sehr interessant aus Sicht eines Schriftstellers.
    Das technische Szenario der „Wolke“ hatten wir ja in Fukushima, da ist nicht mal ansatzweise das eingetreten, was Pausewang beschreibt. Keine Massenpanik, keine gesundheitsgefährdenden Verstrahlungen, keine bedeutsamen Langzeitschäden.
    Man ersetze Kernkraft durch Genetik und kann auch so einen apokalyptischen Roman konstruieren. Das ist mir literarisch zu billig. „Die Wolke“ ist nur so ein Splatter – B-Movie a la „Kettensägenmassaker“ oder „Freddy Krueger“ . Unterhaltung, wenns einem zum Gruseln zumute ist. Aber ohne jeden Anspruch auf Faktizität.

    • Erzählerisch ist das Buch kompetent gemacht. Ein technisches Szenario wird nicht entwickelt, es wird nicht gesagt, was eigentlich in Grafenrheinfeld passiert ist, ob es Folge einer Leistungsexkursion oder Zusammenbruch der Nachkühlung o.ä. war. Die beschriebenen Strahlenwirkungen in über 100 km Entfernung sind kernphysikalisch nicht plausibel.

      Das Problem aus schriftstellerischer Sicht ist nicht so sehr der Mangel an physikalischer Plausibilität (okay, das auch), sondern dass das Buch die Menschheit auf die alleinige Möglichkeit des Unglücks festnagelt. In Wirklichkeit ist jedoch auch das Glück möglich…

      • Es hätte auch ein Meteoriteneinschlag sein können. Mutierte Riesenameisen aus dem Inneren der Hohlwelt.
        Kleine pelzige Aldebaraner mit Psychostrahlen… Alles möglich.
        Man kann die Welt ja trotzdem auch faktisch korrekt in den Untergang treiben. 🙂
        Bin gespannt auf dein Buch und was sie dir ggf. antwortet.

      • Wenn man bedenkt, dass dieses Buch und der dazugehörende Film dazu benutzt werden, ganzen Generationen von Kindern die Gefahren der Kernenergie plastisch vor Augen zu führen und sie damit in ihrer Meinung festgelegt werden, ist die kernphysikalische Inplausibilität des Szenariums keine Kleinigkeit, sondern müsste – meiner Meinung nach – ein zentraler Kritikpunkt sein. Da ist es relativ egal, ob das Buch nun schriftstellerisch gut konstruiert, oder ein Trivialroman ist. Fatal ist seine Wirkung allemal.

        Wie du richtig geschrieben hast, hat Frau Pausenwang einfach ein bestimmtes Szenarium, die Ausweisung der Sudentendeutschen nach dem zweiten Weltkrieg – übernommen und in einen anderen Zusammenhang gestellt. Egal ob er passt oder nicht. Meine Mutter hat gerade ein anderes Buch dieser Frau gelesen. Dort beschreibt sie ihre Erlebnisse als Kind unter dem Faschismus. Unter anderem geht es darum, dass auf ihrem Bauernhof eine Zwangsarbeiterin aus der Sowjetunion beschäftigt wird, um den abwesenden Vater zu ersetzen. Sie beschreibt das ohne jede Kritik und sagt nur, sie sei froh gewesen, eine Deutsche zu sein. Das lässt tief blicken…

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