Kurz und knapp: 17 Pro-Atom-Argumente

1. Hohe Flächenleistungsdichte – niedriger Platzbedarf

Besonders in dicht besiedelten Industrieländern wie Deutschland ist es wichtig, dass Energiequellen nicht übermäßig viel Platz verbrauchen. Ein 1 GW-Kernkraftwerk benötigt mit allen Gebäuden und Anlagen ca. 1 Quadratkilometer: Dies entspricht einer Flusddichte von 1000 W pro Quadratmeter. Die sonstigen postfossilen Energiequellen erreichen diesbezüglich kaum mehr als einstellige Werte.

 

2. Sehr hohe Energiedichte pro Rohstoffmasse

Ein Konverter (Leichtwasserreaktor) benötigt zwischen 100 und 200 t Uran pro Gigawattjahr. Ein Schneller Reaktor mit komplettem Aktinidenrecycling benötigt ca. 1 t pro Gigawattjahr.

Zum Vergleich: Ein 1 GW-Kohlekraftwerk verbrennt über 20.000 t Kohle pro Tag!

 

3. Keine Schadstoffemissionen, exzellente Klimabilanz

Alle Abfallprodukte des Energieerzeugungsprozesses im Kraftwerk bleiben eingeschlossen. Es wird keinerlei Kohlendioxid freigesetzt. Auch wenn man die diversen Prozesse außen herum (Bau des Kraftwerks, Uranförderung, -anreicherung usw.) miteinbezieht, ist die Klimabilanz der Kernkraft vergleichbar mit der der klassischen Erneuerbaren.

Sobald auch die externen industriellen Prozesse ihre Energie aus postfossilen Quellen beziehen (mit anderen Worten – die gesamte Wirtschaft dekarbonisiert ist), ist die Kernkraft vollständig klimaneutral.

 

4. Zuverlässig

Viele postfossile Energiequellen (insbesondere Wind und Solar) unterliegen unberechenbaren Schwankungen. Die Kernkraft dagegen steht 24/7 zur Verfügung. Flüssigsalzreaktoren können dank ihrer raschen Steuerbarkeit sogar Leistungsspitzen abfahren.

 

5. Hohe Sicherheit

Die bisherige Sicherheitsbilanz von Kernkraftwerken ist herausragend: Es gab nur einen einzigen größeren Unfall mit Todesfolgen (Chernobyl), und dieser wurde durch einen außerhalb der ehemaligen Ostblockstaaten nicht zulässigen Reaktortyp (positiver Temperaturkoeffizient) ohne Containment ausgelöst.

Bezüglich der pro erzeugter Energiemenge hervorgerufenen Schäden an Mensch und Umwelt ist Kernkraft eine der sichersten Energiequellen, und durch aktuelle Reaktordesigns mit inhärenter Sicherheit (unkontrollierte Energiefreisetzung physikalisch bedingt nicht möglich) wird diese Bilanz nochmal stark verbessert werden.

 

6. Prozesswärme für die Industrie

Insbesondere in der Metall- und Chemieindustrie, zur Produktion von Treibstoffen (Wasserstoff, Syngas, synthetisches Öl aus Wasser und Kohlendioxid) sowie zum Entsalzen von Meerwasser. Aufgrund des klimawandelbedingten Gletscherschwundes wird in naher Zukunft weltweit viel Süßwasser aus Meerwasser erzeugt werden müssen. Die benötigten riesigen Mengen erfordern den Einsatz von Kernreaktoren.

Natürlich wird das Trinkwasser oft nicht direkt an der Küste sondern im Inland benötigt…

 

7. Wassertransport

Aufgrund seiner verhältnismäßig hohen Dichte ist es sehr energieaufwändig, Wasser bergauf zu pumpen – dies sieht man daran, wieviel Energie in einem Pumpspeicherwerk deponiert werden kann. Auch hier können Kernkraftwerke die benötigte Leistung liefern.

 

8. So gut wie unbegrenzte Ressourcen

Der Einsatz fortgeschrittener Brennstoffzyklen – und zukünftig Fusionsreaktoren – erlaubt es, die riesigen Mengen an Kernbrennstoffen in Ozean und Erdkruste zu erschließen: Energie bis in die fernste Zukunft.

 

9. Erzeugung neuer Nuklide und Materialien durch Neutronenbestrahlung

Für Industrie, Medizin und Forschung.

 

10. Recycling von bestehenden Reaktorabfällen durch Aktiniden-Transmutation

Weltweit sind rund 300.000 t Spent Fuel vorhanden (aus ca. 9000 Gigawattjahren Stromproduktion), und die verschwinden nicht einfach so, egal ob mit oder ohne Kernkraftwerke. Da niemand die Sicherheit eines geologischen Lagers für Jahrhunderttausende garantieren kann, benötigen wir Kernreaktoren der IV. Generation, die die langlebigen Komponenten des Abfalls (die Transurane) recyceln und spalten. Erfreulicherweise gewinnen wir hierbei gewaltige Mengen an klimaneutraler Energie: Spent Fuel und abgereichertes Uran zusammen (ca. 1.5 Mio t) vermögen den Weltstrombedarf 500 Jahre lang zu speisen.

 

11. Behandlung von Nahrungsmitteln

Bestrahlung von Nahrungsmitteln mit energiereichen Teilchen tötet Krankheitserreger und Schädlinge, wodurch sie haltbarer werden. Dies ist besonders in wärmeren Ländern nützlich!

 

12. Antrieb von Ozeanschiffen

Wenn man ein großes Handels- oder Passagierschiff postfossil antreiben möchte, wird man auf Kernreaktoren nicht verzichten können! Um ein mehrere (zehn)tausend Tonnen schweres Schiff in Fahrt zu bringen, sind Motoren mit Leistungen im Zehn-Megawattbereich nötig. Dies vermögen Schwerdiesel, Gasturbinen – oder eben als postfossile Option Kernreaktoren.

 

13. Industrialisierung Afrikas, Südamerikas und Südasiens

Auch die bisher ärmsten Regionen der Erde sollen endlich einen menschenwürdigen Lebensstandard und Wohlstand genießen können. Dazu genügt es nicht, diesen Ländern dann und wann Almosen zu schicken – sie müssen vielmehr im Stil des Marshallplans Hilfe zur Industrialisierung erhalten. Industrie benötigt viel Energie. Nur Erneuerbare alleine werden den Aufbau Afrikas nicht unterstützen können. Auf der Erde sind immer noch eine Milliarde Menschen ohne Elektrizität. Das bedeutet, dass mindestens 1000 GW an Leistung fehlen. Die erforderlichen Mengen an Solarzellen, Windrädern etc. zu installieren ist in überschaubarer Zeit und mit vertretbarem Platz- und Materialaufwand nicht möglich – es werden serienproduzierte, modulare Kernreaktoren benötigt.

 

14. Erzeugung von Neutrinos für Experimente

Neutrinos sind sehr massearme Teilchen, die mit gewöhnlicher Materie kaum wechselwirken. Sie bergen noch viele Geheimnisse. Um sie zur Erforschung künstlich zu erzeugen sind Kernreaktoren eine gute Option.

 

15. Plasmarecycling aller Abfälle

Das Material im Haushalts-, Landwirtschafts- oder Industrieabfall geht nicht verloren. Abgesehen von eventuellen Kernreaktionen ist jedes Atom, das in die Produktion hineinging, auch noch im Abfall enthalten. Steht genügend Energie zur Verfügung, können sämtliche Abfälle in ihre niedermolekularen oder elementaren Bestandteile zerlegt und in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden. Ein Verfahren hierfür, das heute schon zur Verfügung steht, ist das Plasmarecycling. Bei niedrig oxidierten Substanzen arbeitet es sogar als Energiequelle, bei hochoxidierten, insbesondere Metallen und Silikaten, muss Energie zugeführt werden, um die Molekülbindungen aufzubrechen. Diese Energie kann von Kernkraftwerken der IV. Generation kommen – insbesondere können diese das Verfahren noch durch Prozesswärme unterstützen.

Wenn alle Abfälle recycelt werden, existiert auf der Erde keine Rohstoffknappheit…

 

16. Keine Grenzen des Wachstums

…und deshalb gibt es auch keine „Grenzen des Wachstums“, solange genug Energie zur Rohstoffgewinnung und zum Recycling zur Verfügung steht. Kernenergie kann es allen Menschen auf der Erde ermöglichen, auf europäischem Niveau zu leben.

 

17. Raumfahrt

Wir stehen gerade an der Schwelle zur raumfahrenden Zivilisation: Die Öffnung des ganzen Sonnensystems – und in kommenden Jahrtausenden der Galaxis – für menschliche Aktivitäten ist der Beginn eines neuen Zeitalters, einer kosmischen Renaissance, die die Menschheit auf ein völlig neues philosophisches, wissenschaftliches und künstlerisches Niveau heben wird – das Niveau einer Spezies, die die gravitativen Fesseln ihres Heimatplaneten überwunden hat und andere Himmelskörper erforscht.

Um leistungsstarke Raumschiffe anzutreiben, ist viel Energie nötig: Kernenergie – das Tor zum Weltraum

35 Gedanken zu „Kurz und knapp: 17 Pro-Atom-Argumente

  1. Pingback: Die AG Nuklearia stellt sich vor | Flaschenpost

  2. Ich finde die Kernenergie eine phantastische Energiequelle. Die Risiken müssen minimiert, die Endlagerung geklärt und die endzulagernden Mengen reduziert werden. Ich bin ein Liebhaber der Raumfahrt und auch hier sehe ich ohne Kernenergie keinen
    Fortschritt. Ich habe mich noch nie dem Mainstream unterworfen und immer auf eine unabhängige Meinung Wert gelegt.

    Gruss
    Rainer Livschütz

  3. Ich finde Atomstrom ist in einer Welt dessen Ressourcen, wie fossile Brennstoffe immer ausgebeutet werden, eine notwendige Form der Energiegewinnung.

    Aber Schiffe oder gar Flugobjekte damit zu betreiben ist ein wenig wahnsinnig.

    Außerdem können auch mit den modernsten Reaktoren tödliche Unfälle geschehen. Tödliche Unfälle können jedoch Brötchen kaufen geschehen und diese Gefahr ist um ein vielfaches höher als bei einem Atomunglück ums Leben zu kommen.

    • Flugzeuge damit anzutreiben wäre wohl in der Tat nicht so prima, es sei denn es gelingt den Reaktor in der Art des Flugschreibers hermetisch einzuschweißen. Besser ist es aber wohl das Flugzeug „indirekt“ mit Kernenergie zu betreiben, indem ein am Boden stehender Kernreaktor mit hoher Betriebstemperatur zur Erzeugung von synthetischem Flugtreibstoff genutzt wird!

      Für Ozeanschiffe sehe ich dagegen Kernreaktoren als guten Antrieb an – schließlich bewegt ein Schiff sich verhältnismäßig langsam und der Reaktor hat eine riesige Pufferzone außen um sich herum. Auch für Raumschiffe scheint die Kernenergie mir geeignet zu sein (und notwendig um über die winzigen chemisch angetriebenen „Raketchen“ hinauszukommen!) – nuklear angetriebene Raketen können entweder weitab von allen Ansiedlungen gestartet werden, z. B. von einer Schwimmplattform mitten im Pazifik, oder aber man nutzt sie nur für Orbit-to-Orbit Schiffe und für den Aufstieg vom Boden in die Umlaufbahn kommt eine völlig andersartige Technologie zum Einsatz (z. B. die sog. Lofstrom Launch Loop http://www.launchloop.com). Himmelsmechanisch macht letztere Lösung ohnehin mehr Sinn!

      Was die Unfälle anbelangt – ja, ich würde auch sagen dass das größte Risiko für Menschen zur Zeit von Kraftfahrzeugen ausgeht. Dass ich auf dem Weg zum Bäcker von einem Bus überfahren werde ist vermutlich um mehrere Größenordnungen wahrscheinlicher als dass ich durch Radionuklide zu Schaden komme, auch bei einer stark erhöhten Anzahl von Kernkraftwerken.

    • Wegen der Brötchen: Wenn Sie Brötchen holen gehen und umgefahren werden(, warum nicht?!) sterben wahrscheinlich nicht mehr als drei Personen. Wenn ein tödlicher Unfall mit einem Reaktor passiert, sind sicher mehr als drei Personen betroffen….

      • „tödlicher Unfall mit einem Reaktor“.
        Bedeutet definitionsgemäß: Reaktorunfall, bei dem irgendwelche Menschen zu Tode kamen. Three Miles Island und Fukushima zählen also schon mal nicht dazu (beide 0 Tote). Bleibt Tschernobyl (70 Tote) und kleinere Unfälle (Lehrling fasst unaufmerksamerweise an die Hochspannungsleitung, jemand läuft auf dem Parkplatz vors Auto…) mit entsprechend geringeren Anzahlen an Toten.
        Unter allen Industriezweigen hat Kernkraft die höchsten Sicherheitsstandards, und die geringste Wahrscheinlichkeit, dass jemand zu Schaden kommt. Das liegt schon alleine daran, dass in einem Kernkraftwerk jeder kleinste Zwischenfall beinahe bis hinunter zum verstopften Klo meldepflichtig ist

        • Bei Kernkraftwerken hat man ja nicht mehr nur Angst vor dem GAU (größten anzunehmenden Unfall) – der allerdings noch nie eintrat. Selbst in Tschernobyl wurden die Horrorsznarien mancher Unfallprojektionen nicht erreicht. Ein Staudam-Bruch fordert in der Regel wesentlich mehr Opfer.

          Nein, man befürchtet den Super-GAU, also das, was die schlimmsten Vorstellungen noch überschreitet.

  4. In Deutschland gibt es weltweit die sichersten Kernkraftwerke.Die neuen Generationen die jetzt gebaut werden sind so sicher,dass große Unfälle auszuschließen sind.Auch ist es schade,dass Deutschland aus der Nutzung aussteigt.Die anderen Länder auf der Erde sehen es anders Die Nutzung der Kernenergie bietet die Möglichkeit Co2 neutral das Klimaproblem abzuschwächen
    Denn alle fossilen Energien,ob Erdgas Erdöl oder Erdöl tragen wesentlich zur Aufheizung der Erde bei.Dabei ist der Schaden noch größer,der durch Naturkatastrophen Aufheizung der Atmosphäre Hungersnöte sowie die daraus folgenden Zerstörung stabiler menschlicher Gemeinschaften entsteht.Denn Energie muss auch bezahlbar sein, auch in den Entwicklungs und Schwellenländern.

  5. Atomkraft ist grundsätzlich zu kritisieren. Die Endlagerfrage kann nicht geklärt werden, es sei denn, man schießt den radioaktiven Müll auf die Sonne. Zahlen sollen die entsprechenden Raumfahrt-Programme aber bitteschön die AKW-Betreiber. Der Uranabbau in Afrika und an anderen Orten findet unter unmenschlichen Bedingungen statt. Der gesamte Gewinn in der Nuklearwirtschaft fließt in die Kassen einiger weniger Großkonzerne (RWE, eon, EnBW und Vattenfall) und die Masse der Bevölkerung bekommt davon nichts zu sehen. Dafür sind die Verluste sehr praktisch verteilt, die Rechnung für Endlager etc. dürfen nämlich wir Steuerzahler bezahlen. Die erneuerbaren Energien haben den Marktvorteil, dass sie nicht Monopolbesitz einer einzigen Gruppe von Leuten sind. Das wird langfristig, nämlich nach dem Ausbau der Netzwerke, auch die Preise drücken. Und damit ist wohl auch allen gedient, ohne sich dem Risiko der nuklearen Technik auszusetzen. Krebsforschung übrigens nehme ich davon aus, ebenso wie die Röntgentechnologie im Krankenhaus, hier wird aber auch mit ganz anderen Maßstäben gearbeitet.

  6. Hallo, zu 3. (Klimaschutz) hab ich gerade ein Argument gelesen, das zwar klassisch nach Verschwörungstheorie klingt (à la Der Klimawandel verstößt gegen die Thermodynamik), das ich aber auch durch Nachdenken und Googlen nicht qualitativ widerlegen konnte.
    Hier kommts: Bei allen thermischen Kraftwerken (also Wärmekraftwerke allgemein, nicht das Gegenteil von schnellen AKWs) wird die Differenz zwischen P_th und P_el in die Atmosphäre freigesetzt (Kühltürme, Flusskühlung). Trägt dieser Wärmeeintrag zum Klimawandel bei?
    Ist das ein Denkfehler meinerseits oder einfach nur quantitativ vernächlässigbar?
    Vielen Dank im voraus!

  7. Ich bin der Atomenergie sehr zugeneigt, ermöglicht sie doch, die Energie, und damit auch den Wohlstand generell, allen gleichmäßiger zur Verfügung zu stellen.

    Als demokratischer und liberaler Kommunist ist es meine Aufgabe, für den Ausgleich durch Recht, Gerechtigkeit und technischen Fortschritt einzutreten. Verantwortungsvolle Atomkraft gehört dazu.

    Die typisch deutsche Angst vorm Strahlentod indes gründet auf physikalischem Unverständnis einerseits und, schlimmer, auf der Historie von Hiroshima, Nagasaki, deutscher Teilung und der (glücklicherweise) verheerenden Niederlage der deutschen Weltmachtfantasie.

    Die deutsche Öffentlichkeit wird hier von antiamerikanischem Ressentiment und ihrem eigenen unaufgeklärten Schuldkomplex behindert, was die Grüne Bewegung manchmal in einem seltsam braunen Licht erscheinen lässt. Bei aller Sympathie für die Liebe zur Natur. Eben deshalb: Pro Atom!

  8. Ich bin dafür, dass an der Atomkraft weiter geforscht wird, damit wir den hohen Energiebedarf decken können. Das es unbegrenztes Wachstum durch die Kernenergie geben soll und sie einen Aufschwung für Drittländer bedeuten wird, stelle ich in Frage.
    1. Braucht es weit mehr als nur Energie, um den Lebensstandard der 3. Länder anzuheben. Dazu müsste man überhaupt einmal klären, was als Lebensstandard angesehen wird. Ist es die Versorgung mit gesunden Grundnahrungsmitteln, oder eher dass ich mir 5 mal im Jahr ein neues Handy kaufen kann?
    2. Gibt es gar nicht so viele Ressourcen, damit alle Menschen auf einem deutschen „Standard“ leben könnten. Deswegen gibt es ja die Ausbeutung. Es kann einer bestimmten Schicht nur solange sehr gut gehen, wie es vielen anderen sehr schlecht geht. An diesem System wird sich nichts ändern, da es schon seit Anbeginn der Menschheit so besteht.

    Sichere Kernenergie kann viele Probleme unserer heutigen Industriestaaten lösen, trägt jedoch nicht dazu bei, dass die Menschen ihre Denkweise vom Konsum verändern. Ich denke nicht, dass die Kernkraft dazu beitragen wird, aus uns bessere Menschen zu machen, die bewusster Leben, eher das Gegenteil wird meiner Meinung nach eintreten. Das einzig gute wäre, dass unser verschwenderische Lebensstil nicht mehr eine so hohe Auswirkung auf unsere Umwelt hat, energietechnisch gesehen.

    • Ob man 5mal jährlich ein neues Phone braucht ist diskutabel 😉 Wenn ich „Steigerung des Lebensstandard“ sage, dann beziehe ich mich zunächst einmal auf Trinkwasser, Nahrungsmittel, Wohnungen, Bildung, Mobilität, Medizin u.ä. und nicht auf Statussymbole wie das momentan brandaktuelle IPhone.

      Die Ressourcenmenge auf der Erde sehe ich allerdings nicht als begrenzt an: Denn wenn man das Recycling perfektioniert, geht keinerlei Material verloren – was bislang auf der Müllkippe landet, kann man mittels Plasmarecycling wieder vorne in die Wertschöpfungskette hineinfüttern. Solcherart arbeitet die Zivilisation dann in einem geschlossenen Stoffkreislauf, in dem keine Flaschenhälse durch begrenzte Rohstoffvorkommen auftreten.
      Lies hierzu wenn du magst mal ein wenig in dem Buch „Prescription for the Planet“ von Tom Blees – sehr interessant!
      Und dann haben wir ja nicht nur die Rohstoffe auf der Erde, sondern wenn wir erst die Raumfahrt ordentlich in Gang gebracht haben, steht uns das ganze Sonnensystem (und später vielleicht sogar die Galaxis!) offen.

      Wo ich dir jedoch voll zustimme, ist, dass Technologie alleine noch nicht reicht um die Situation der Menschen zu bessern. Sie ist eine sehr wichtige Hilfe, man kann sagen: eine notwendige Bedingung für zivilisatorischen Fortschritt – aber eben keine hinreichende! Es sind auch neue philosophische, politische, vielleicht sogar künstlerische Konzepte nötig… mit solchen könnten Probleme, die seit Anbeginn der Zivilisation existieren, bald nicht mehr wie unvermeidliche Fußfesseln sondern wie behandelbare Kinderkrankheiten der Menschheit wirken 😉

  9. Klasse Ausspruch von Atomhörnchen:

    „Es sind auch neue philosophische, politische, vielleicht sogar künstlerische Konzepte nötig… mit solchen könnten Probleme, die seit Anbeginn der Zivilisation existieren, bald nicht mehr wie unvermeidliche Fußfesseln sondern wie behandelbare Kinderkrankheiten der Menschheit wirken “

    Volle Zustimmung, diese Aspekte kommen in einer von Technikern, oder wahlweise Ideologen, dominierten Diskussion zu kurz.

  10. Ich denke das größte Problem was wir lösen sollten sind wir selbst…jeder von uns ist nicht in der Lage die Problematik zu über schauen, folglich sollten wir ein System des überschaubaren, von vielen Menschen getragenen Wissens schaffen…dazu gehört für mich in erster Linie das der Kampf mit uns selbst aufhört und wir so in die Lage versetzt werden unserer Fähigkeiten so zu bündeln das wir im Kollektiv erkennen das wir nur überleben können wenn wir unsere Erde als Lebensraum schützen. Wenn der Überlebenskampf des einzelnen nicht mehr die Triebfeder ist sonder erkannt wird das wir nur zusammen die Herrauforderungen der Zukunft stemmen können. Wir müssen die Vergangenheit über winden. Das Grundeinkommen für alle Menschen ist ein erster Schritt die Menschheit zu befreunden und ist nur ein Gedanken Konstrukt. Es würde sich vieles von selbst erledigen, was heute noch den Anschein hat unüberwindbar zu sein. Eine Kernenergie die nachhaltig gedacht wird, wäre dann möglich, aber eben auch alle anderen Energieformen sind dann Bestandteil unseres Denkens. Es fehlt die Erkenntnis das wir eben Schöpfung sind ….

  11. Kaum eines der oben aufgeführten Argumente vermag mich wirklich zu überzeugen. Viele andere stellen einen ungedeckten Scheck auf die Zukunft aus, in der naiven Hoffnung, ihn irgendwann einmal einlösen zu können.

    Mindestens ein Argument scheint mir absolut falsch, was ich wie folgt belegen möchte:

    „Auf der Erde sind immer noch eine Milliarde Menschen ohne Elektrizität. Das bedeutet, dass mindestens 1000 GW an Leistung fehlen. Die erforderlichen Mengen an Solarzellen, Windrädern etc. zu installieren ist in überschaubarer Zeit und mit vertretbarem Platz- und Materialaufwand nicht möglich.“

    Die Widerlegung: Es ist nicht möglich, in überschaubarer Zeit, 1000 GW an Kernkraft zu installieren, schon gar nicht mit der herkömmlichen Generation III, weil man gar nicht so viel Uran ohne gigantische Umweltzerstörung beschaffen könnte. Ob und wann aber Generation IV-Reaktoren, bzw. andere Konzepte, die zuverlässig und sicher arbeiten, zur Verfügung stehen könnten, lässt sich seriös überhaupt nicht beantworten.

    Solartechnik hingegen wird zurzeit schon in Größenordnung von 40 – 50 GW/a produziert, diese Produktion innerhalb kurzer Zeit zu vervielfachen, ist leicht möglich. (Entsprechendes gilt übrigens für die Windkraft. Sie wird sich allein bis 2020 von heute noch unter 300 GW auf mehr als 1000 GW entwickeln. In absehbarer Zeit (z. B. bis 2050) mehrere 1000 GW zu erreichen, ist also kein Problem.)

    Die angeblich geringe Energiedichte ist auch nur ein Scheinproblem, denn wo steht geschrieben, dass Strom aus einem bestimmten Volumen oder einer bestimmten Fläche stammen muss? Wir haben in Deutschland bereits mehr überbaute Fläche als man jemals benötigen könnte, um darauf Solarstrom zu gewinnen. Auch hier gilt für Windstrom entsprechendes, wenn man die Rechnungen von x Quadratkilometern pro Anlage einmal hinterfragt. Selbst mit Zuwegung sind es nicht mehr als ein paar hundert QuadratMETER!

    Wenn von Reichweiten gesprochen wird, sind die Erneuerbaren nicht zu schlagen, denn die beträgt Milliarden Jahre.

    Mir scheint daher, dass diese Argumente für die Kernenergie nicht stichhaltig sind, da sich mit den Erneuerbaren das Gleiche viel einfacher und praktikabler erreichen lässt.

    • „Selbst mit Zuwegung sind es nicht mehr als ein paar hundert QuadratMETER!“

      Du hast jetzt eine kleine Hausaufgabe. 😉

      Eruiere mal wo es in deiner Nähe einen Windpark gibt. Besuche ihn, schau dir die Anlagen aus der Nähe an. Sie sind durchaus eindrucksvoll, vor allem die größeren der 1.5…3 MW-Klasse.

      Versuche erst optisch abzuschätzen, wie groß die Gesamtfläche des Windparks sein könnte. Dann kontrolliere zuhause deine Abschätzung via Google Earth.

      Ich habe das hier mal gemacht, bei Windpark Coppanz. Dort sind 9 Anlagen der 1.5 MW Klasse auf etwa 0.75 Quadratkilometern verteilt (etwas weiter vorne steht noch eine 3 MW Anlage von einem anderen Betreiber).

      Bei einem Nutzungsgrad von 20% wird also folgende Flussdichte erzeugt:
      f = 0.2 * 9 * 1.5e6 W / 0.75e6 m^2 = 3.6 W/m^2

      Ein für Windparks typischer einstelliger Wert.

      Was die überbaute Fläche anbelangt – die ist in der Tat nicht gering, aber nicht jede versiegelte Stelle ist als Stellplatz für Solarpanels geeignet. Was dafür in Frage käme wären Dach- und eventuell Hausfrontflächen. Deren Gesamtgröße in Deutschland wurde abgeschätzt. Sie liegt bei 10…20 m^2 pro Mensch. Würde man sie komplett mit PV bedecken, käme eine ansehnliche Strommenge heraus… aber bei weitem weniger als der Gesamtbedarf an Energie. Hinzu kommt, dass dort, wo besonders viel Energie benötigt wird – nämlich in Großstädten – die Dachfläche pro Person besonders klein ist. In Dörfern kann mehr Energie pro Mensch via Solar auf Dächern gewonnen werden, aber dort ist der Bedarf auch viel geringer.

      Damit Wind- und Solarkraft wirklich sinnvoll genutzt werden können, sind zudem sehr große Zwischenspeicheranlagen nötig, für Windstille, für Nächte, und vor allem für windstille Nächte.

      Eine interessante Frage, die du aufgeworfen hast, ist die der Installationsgeschwindigkeit – welche Leistung pro Jahr realistisch installiert werden kann. Hier kommt wieder der Nutzungsgrad (engl. Capacity Factor) ins Spiel.

      Photovoltaik hat in Europa Nutzungsgrade um 11%, in sonnigeren Gefilden um 20%. Das meint dass 50 GW/a einer realen Installationsrate von 5…10 GW/a entsprechen. Man bräuchte damit also rund ein Jahrhundert, um in den Bereich 1000 GW reale Leistung zu kommen.

      Ähnlich entsprechen 1000 GW Windkraft onshore rund 200 GW realer Leistung, offshore 400 GW.

      Und wir dürfen wie schon gesagt nicht vergessen, dass ohne Speicherwerke Wind und Solar nur begrenzt Sinn machen. Damit sich damit zuverlässig on demand Strom erzeugen lässt, muss zu jedem Solar- bzw. Windpark auch irgendwo ein entsprechendes Speicherwerk entstehen – Akkus, Pumpspeicher, Windgas, oder sogar Druckluft.

      Du schreibst, 1000 GW Kernkraft (das sind ca. 2,5mal die heutige Weltkapazität) seien nicht ohne riesige Umweltschäden durch Uranabbau erzielbar. Es ließe sich der Spieß umdrehen, da bei der Herstellung von Windkraftmagneten ähnliche Umweltschäden durch Seltene-Erden-Abbau und -Verarbeitung auftreten – aber es macht nicht viel Sinn, den Schwarzen Peter hin- und herzuschieben (denn dann steht man vielleicht am Ende ohne Kernkraft UND ohne Windkraft da XD). Man sollte vielmehr werde auf die eine, noch auf die andere saubere Energiequelle aufgrund von Umweltproblemen bei Rohstoffbeschaffung verzichten, sondern darauf achten, dass sowohl Seltene Erden für WKA wie auch Uran unter Einhaltung von Umweltrichtlinien gewonnen werden. Im Rahmen hiervon könnte es beispielsweise empfehlenswert sein, SE nicht aus China sondern aus den USA anzuschaffen, Uran nicht aus Afrika sondern aus Kanada und Australien (diese beiden Länder haben die größten Vorkommen an hochwertigen Uranerzen). Es sei in diesem Zusammenhang angemerkt, dass der Uranpreis sich kaum auf den Strompreis auswirkt.

      Muss Energie nun aus einer bestimmten Fläche bzw. Volumen stammen? Damit die Menschheit sich weiterentwickeln kann muss sie sehr viel saubere Energie mit möglichst geringem Aufwand (an Material, Arbeitsstunden etc.) nutzbar machen. Menschen haben wichtigere Ziele (Heilmittel und Impfstoffe erforschen, Zukunftstechnologien entwickeln…) als Tag und Nacht Solarpanels zu montieren. Energie ist die Grundlage der Zivilisation, nicht ihr Ziel. Daher sollten wir auf die Naturkraft zurückgreifen, die ein möglichst kompaktes, wirtschaftliches Abgreifen großer Energiemengen ermöglicht – und das ist nun mal die Starke Kernkraft.

      Damit diese ihr volles Potential entfalten kann, ist natürlich der Schnelle Reaktor nötig. „Das ist reine Zukunftsmusik!“ sagen Kernkraftgegner. „Sdrastwuitje und Namaste!“ antworten Russen und Inder und bringen ihre Schnellen Reaktoren auf Kritikalität. Wenn jemand dir sagt, dass etwas unmöglich sei, dann hör ihm und seinen Begründungen gut zu und mach es dann einfach! 😉

      Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kernkraftgegner die Technologie und die Argumente für sie deshalb ablehnen, weil sie bösen Willens sind oder der Menschheit Zukunftschancen wegnehmen wollen. Viele dieser Leute haben einfach, scheint mir, ein wenig in die falsche Richtung gedacht. Gerade unter Kernkraftgegnern habe ich viele Menschen kennengelernt, für die Probleme wie die Bekämpfung der Armut oder die Beschaffung von Trinkwasser in ariden Regionen wichtige Ziele sind. Auch Zukunftspespektiven wie Raumfahrt erscheinen vielen interessant. Doch um große Ziele zu verwirklichen braucht es eben viel Kraft… Kraft, um die Welt zu verändern. Einige wenige Elektronenvolt pro Elementarteilchen sind dafür wohl nicht ausreichend. Daher sollten Energiequellen wie Solar-, Wind- und Wasserkraft, gegen die per se gar nichts einzuwenden ist, von der Starken Kraft ergänzt werden – und nicht zu knapp! 🙂

  12. „Ich habe das hier mal gemacht, bei Windpark Coppanz. Dort sind 9 Anlagen der 1.5 MW Klasse auf etwa 0.75 Quadratkilometern verteilt (etwas weiter vorne steht noch eine 3 MW Anlage von einem anderen Betreiber).“

    Du tust geradezu so, als wäre die Fläche zwischen den Anlagen nicht mehr zu nutzen. Das stimmt doch nicht. Da Windparks notwendigerweise in ländlichen Gegenden stehen, lässt sich die Fläche dazwischen weiterhin völlig problemlos landwirtschaftlich nutzen. Der Netto-Landverbrauch einer WKA beträgt tatsächlich nur wenige hundert Quadratmeter. Wer anderes behauptet, legt eine Milchmädchenrechnung auf. Warum wohl?

    „Menschen haben wichtigere Ziele (Heilmittel und Impfstoffe erforschen, Zukunftstechnologien entwickeln…) als Tag und Nacht Solarpanels zu montieren.“

    Sicherlich auch. Aber hier steckt ein Potential von vielen Millionen Arbeitsplätzen drin.

    „Photovoltaik hat in Europa Nutzungsgrade um 11%, in sonnigeren Gefilden um 20%. Das meint dass 50 GW/a einer realen Installationsrate von 5…10 GW/a entsprechen. Man bräuchte damit also rund ein Jahrhundert, um in den Bereich 1000 GW reale Leistung zu kommen.

    Ähnlich entsprechen 1000 GW Windkraft onshore rund 200 GW realer Leistung, offshore 400 GW.“

    Auch dieses Argument zieht nicht, da dank ihrer Denzentralität die Fertigungskapazität von Solarpanelen und WKAs in kürzester Zeit vervielfacht werden kann – und das ja auch tatsächlich stattfindet.

    „Damit diese ihr volles Potential entfalten kann, ist natürlich der Schnelle Reaktor nötig. “Das ist reine Zukunftsmusik!” sagen Kernkraftgegner. “Sdrastwuitje und Namaste!” antworten Russen und Inder und bringen ihre Schnellen Reaktoren auf Kritikalität. Wenn jemand dir sagt, dass etwas unmöglich sei, dann hör ihm und seinen Begründungen gut zu und mach es dann einfach!“

    Und warum tut man es denn nicht? Optimisten gehen davon aus, dass frühestens 2030-2040 Gen IV-Reaktoren kommerziell verfügbar sein werden. Zur CO2-Verminderung kommen sie also viel zu spät. Und wirtschaftlich konkurrenzfähig gegenüber den Erneuerbaren dürften sie dann auch nicht mehr sein, denn bis dahin wird Solarstrom voraussichtlich für 1 – 2 cent/kWh (nach heutigen Preisen) kosten, Windstrom auch nicht viel mehr, da es dann Massenfertigung von standardisierten Anlagen (vor. 2 – 5 MW) gibt. Wozu also noch Atom?

    „Gerade unter Kernkraftgegnern habe ich viele Menschen kennengelernt, für die Probleme wie die Bekämpfung der Armut oder die Beschaffung von Trinkwasser in ariden Regionen wichtige Ziele sind.“

    Eben! Diese Ziele sind realistisch nur durch den Einsatz der Erneuerbaren zu erreichen, denn für eine nukleare Lösung fehlt in diesen Gebieten die komplette Infrastruktur, das Know-How UND das Kapital. Ganz abgesehen davon, dass die nukleare Lösung überhaupt erst in vielen Jahrzehnten umsetzbar wäre. Solar und Wind geht sofort.

    „In Dörfern kann mehr Energie pro Mensch via Solar auf Dächern gewonnen werden, aber dort ist der Bedarf auch viel geringer.“

    Sorry, das ist ein Nicht-Argument oder hast du noch nie vom Strom-Verbund-Netz gehört?

    Die benötigte Fläche ist doch zig-fach vorhanden, denn genau wie bei Wind könnten – wohlgemerkt KÖNNTEN, ob es je notwendig sein wird, ist angesichts des riesigen Potentials fraglich – Solaranlagen auch auf Freiflächen errichtet werden, unter denen dann immer noch Land-bzw. Weidewirtschaft betrieben werden kann.

    Allgemein zur Energiedichte: Dem Nutzer ist es doch völlig egal, auf welcher Fläche/Volumen die elektrische Energie, die er benötigt, erzeugt wird. In der überwiegenden Zahl aller Anwendungen werden doch sowieso nur ein paar Watt benötigt und die werden in Zukunft in zunehmender Zahl direkt aus der Umgebung gewonnen werden – dank der Fortschritte bei der Entwicklung moderner, d. h., Erneuerbarer Energien. Die weitestgehende dezentrale Nutzung der Energie legt doch logischerweise auch eine dezentrale Erzeugung derselben nahe, wobei letzteres Argument inzwischen sogar von den Atombefürwortern gebraucht wird, wenn sie die Vorteile der modularen Reaktoren – die seit Jahren durch den Raum schweben, anscheinend ohne sich zu materialisieren – schildern wollen.

    Ich sehe die Entwicklung übrigens ganz gelassen. Die Kernenergie befindet sich seit Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts – sogar noch vor Tschernobyl – auf dem allmählichen Rückzug. Auch heute werden kommerziell nur Gen III-Reaktoren gebaut, die allein schon aus Gründen der Wirtschaftlichkeit gewaltig unter Druck geraten sind und nur noch mit enormen staatlichen Subventionen überhaupt in den Markt vordringen können. Trotzdem kann der geplante Zubau in den nächsten 10 bis 15 Jahren – und wahrscheinlich auch darüber hinaus – die Abschaltungen aus Altersgründen nicht einmal kompensieren. Atomstrom wird in diesem Zeitraum nicht nur prozentual sondern auch absolut rückläufig sein.

    Wer’s nicht glauben will, braucht sich nur die Alterkurve des Kraftwerkparks, veröffentlicht von der IAEA anzusehen:

    http://www.iaea.org/PRIS/WorldStatistics/OperationalByAge.aspx

    Über die letzten 20 Jahre gemittelt wurden durchschnittlich 3 – 4 Reaktoren pro Jahr neu in Betrieb genommen, man bräuchte also, falls die Ausbaurate nicht enorm ansteigt – was sich in keiner Weise abzeichnet – rund 100 Jahre, um die bestehende Flotte, die mit Sicherheit in diesem Zeitraum vom Netz geht zu ersetzen.

    Realistisch betrachtet hat die Kernenergie wohl eher keine Zukunft. Und das ist auch gut so!

    • „Du tust geradezu so, als wäre die Fläche zwischen den Anlagen nicht mehr zu nutzen.“

      Bitte unterlasse in Zukunft diesen passiv-aggressiven Tonfall. Er ist erwachsenen Menschen nicht angemessen.

      Einer der Vorteile der Windkraft ist in der Tat, dass sie mit der Landwirtschaft – und ggf. mit zwischen den WKA errichteten Solaranlagen – koexistieren können. Leider tut das der Tatsache keinen Abbruch, dass sie sehr groß sind und allmählich die zu Verfügung stehende Fläche aufbrauchen. Das sind man auch daran, dass der durchschnittliche Nutzungsgrad der Windkraft in Deutschland im Laufe der Zeit sinkt (er beträgt nur noch ca. 17%) – windreiche Gebiete werden aufgebraucht, so dass die WKA in windärmeren errichtet werden müssen.

      „Auch dieses Argument zieht nicht, da dank ihrer Denzentralität die Fertigungskapazität von Solarpanelen und WKAs in kürzester Zeit vervielfacht werden kann – und das ja auch tatsächlich stattfindet.“

      Der Nutzungsgrad von Solar und Wind hat nichts mit Zentralität oder Dezentralität zu tun. Mach dich doch mal schlau, was der Nutzungsgrad („Capacity Factor“) eigentlich genau ist 😉

      „Und warum tut man es denn nicht?“

      Russland und Indien (und China) sind in Sachen Kernenergie auf dem Weg nach vorne: Dieses Jahr gehen zwei neue schnelle Reaktoren in Betrieb. Weltweit sind allerdings Öl, Gas und Kohle die dominanten Energiequellen, da sie leider immer noch mit Abstand am wirtschaftlichsten sind.

      “ Solarstrom voraussichtlich für 1 – 2 cent/kWh (nach heutigen Preisen) kosten, Windstrom auch nicht viel mehr, da es dann Massenfertigung von standardisierten Anlagen (vor. 2 – 5 MW) gibt.“

      Oo Das ist eine seeehr mutige Prognose. Bislang gehören diese beiden Energiequellen immer noch zu den teuersten. Aber du hast mit folgendem recht: Durch Massenproduktion mit hohem Automatisierungsgrad lassen sich die Kosten eventuell stark verringern.

      „Diese Ziele sind realistisch nur durch den Einsatz der Erneuerbaren zu erreichen, denn für eine nukleare Lösung fehlt in diesen Gebieten die komplette Infrastruktur, das Know-How UND das Kapital. Ganz abgesehen davon, dass die nukleare Lösung überhaupt erst in vielen Jahrzehnten umsetzbar wäre. Solar und Wind geht sofort.“

      Das ist ein interessanter Einwurf: Kleinskalige Wind- oder Solarenergieprojekte sind in der Tat ohne viel neue Infrastruktur rasch realisierbatr, auch in abgelegenen Gegenden – ist ja nicht aufwändig, ein paar Solarpanels auf den Truck zu packen und zu einem Dorf zu fahren. Aber ob diese Energiequellen auf Dauer den Bedarf decken können – da bin ich eher skeptisch. Insbesondere zum Entsalzen und Pumpen von Wasser über Höhenunterschiede sind beträchtliche Energiemengen nötig… da scheinen mir Solar und Wind ungenügend.

      „Strom-Verbund-Netz?“

      Ja klar kann man Strom über das Netz verteilen. Aber das widerspricht dann natürlich der Vorstellung einer „dezentralen Erzeugung für den Verbrauch vor Ort“. Mit Kernreaktoren – insbesondere modularen Kleinreaktoren – lässt sich Energie dezentral auch für Ballungsregionen und Industriewerke mit sehr hohem Bedarf erzeugen.

      „Solaranlagen auch auf Freiflächen errichtet werden, unter denen dann immer noch Land-bzw. Weidewirtschaft“

      Hm, ich habe gewisse Mühe mir vorzustellen, wie jemand in den schmalen Zugangskorridoren zwischen den Solarpanelkolonnen Landwirtschaft betreibt… okay, vielleicht könnten da kleine Obstbäume oder so angepflanzt werden… aber das ist jetzt eher eine Detailfrage XD

      „Dem Nutzer ist es doch völlig egal, auf welcher Fläche/Volumen die elektrische Energie, die er benötigt, erzeugt wird.“

      Na klar, dem Nutzer schon! Der Gesellschaft+Wirtschaft aber eher nicht. Die Frage ist letztlich auch nicht so sehr Volumen/Fläche, sondern effiziente Nutzung der Arbeitskraft. Sollen viele Leute mit sehr vielen Arbeitsstunden vergleichsweise wenig Energie erzeugen, oder wenige mit wenigen Arbeitsstunden sehr viel?

      „weitestgehende dezentrale Nutzung der Energie legt doch logischerweise auch eine dezentrale Erzeugung derselben nahe“

      Wie willst du Großstädte und Industriewerke (Metallverarbeitung, Recycling, etc…) dezentral aus Erneuerbaren versorgen??
      Die Flächen auf Dächern und Hausfronten in Großstädten reichen dazu keinesfalls.

      „Realistisch betrachtet hat die Kernenergie wohl eher keine Zukunft.“

      Naja, die dominanten Energiequellen auf der Erde sind nach wie vor Öl, Gas und Kohle! Man sieht an der deutschen Energiewende, dass der Abbau von Kernkraft momentan eher zu einem Vorrücken der fossilen Energieerzeugung als zu einer Revolution mit Wind und Solar führt.

      Mir scheint, viele von euch sehen quasi die „Energievergangenheit“ als „Klotz“ aus Kernkraft und fossiler Energie, die nun der Zukunft in Form von Wind, Solar und anderen EE weichen. Habe ich früher auch so gesehen, und es wäre ja zweifellos schön wenn das so wäre. Es zeichnet sich aber, siehe Energiewende, eher ab, dass das wirkliche Spannungsfeld zwischen Kernkraft und fossiler Energie liegt.

      Ich habe nichts gegen erneuerbare Energiequellen, ich sehe bei denen durchaus Potential. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass in fernerer Zukunft, mit neuen Technologien, der Energiebedarf der Menschheit auf der Erde überwiegend aus Solar gestillt wird, Kernkraft dann eher für Spezialanwendungen wie Raumschiffantriebe zum Einsatz kommt. Aber kurz- und mittelfristig deutet nach meinen Überlegungen eher viel darauf hin, dass die Menschheit um Kernenergie nicht herum kommt, zumindest wenn sie eine weltweite Vollversorgung aus postfossilen Quellen auf europäischem Niveau errichten möchte.

      Ich würde mich freuen, wenn die Fans der Erneuerbaren auch die Kernkraft in ihr Portfolio aufnehmen würden, so wie es im angelsächsischen Raum viele schon getan haben. Solar und Wind und Wasser etc. sind gute Energiequellen. Kernenergie auch. Kohle, Öl und Gas sind sehr mächtig. Sollten sich Erneuerbare und Kernkraft nicht besser gegen sie vereinigen? Du wirst jetzt sicher sagen: „Nein, nein, es sollte 100% erneuerbar sein!“ Okay, aber ich bin da aus den verschiedenen angedeuteten Gründen skeptisch… 😉

  13. „Sollten sich Erneuerbare und Kernkraft nicht besser gegen sie vereinigen?“

    Möge der bessere gewinnen!

    Ich bin da ganz gelassen und denke, dass letzten Endes der Markt entscheiden wird. Kernenergie ist über mehr als 50 Jahre mit gigantischen Summen subventioniert worden und dies geschieht auch heute noch.

    Solar und Wind werden in wenigen Jahren (nach relativ kurzer Förderung) ohne Subventionen auskommen.

    Warten wir also ab, was sich durchsetzt und tragen wir argumentativ zu der von uns favorisierten Energieform bei. Bei mir ist dies jedenfalls nicht die Kernenergie.

  14. Das Problem der hochaktiven Abfälle ist kein Problem der Quantität, wie beim CO2, dessen Lagerung und Beseitigung nicht möglich ist, sondern es ist ein Problem der Qualität, das durch Zwischenlager, Endlager und/oder Mutation, also technische Verfahren, zu lösen ist.
    Bei allen Abfällen der Kerntechnik und der Nuklearmedizin (außer den Schwermetallen) wirkt der von der Natur gegebene radioaktive Zerfall hilfreich, um die Abfälle in den Biozyklus ohne Gefahr zurückzuführen. So wurde auch das Absaufen von Asse seinerzeit bei den Planungen in Kauf genommen, was heute niemand sich traut zu sagen.

    • Ja – die Menge radiotoxischer Abfälle aus Kernkraftwerken ist im Vergleich mit der sonstiger giftiger Industrieabfälle sehr sehr gering. Das ist der beträchtliche Unetrschied zwischen starker Kraft und elektromagnetischer Wechselwirkung! 😉

  15. Hilfe was für ein Quark!

    Schon das erste Argument stimmt auf spektakuläre Weise nicht – Platzbedarf von Atommüll und Verstrahlung vergessen, Platzbedarf der Uranförderung mit den Abrauhalden, Aufbereitung… und welchen Platz benötigen Solarmodule die auf vorhandenen Dächern montiert werden? Null. Windmühlen? Fast Null.

    Wenn die geneigten Leser fertig sind mit dem Lächeln über diese „Argumente“, können sie hier weiterlesen: http://100-gute-gruende.de/

    • „Platzbedarf von Atommüll und Verstrahlung vergessen“

      Radioaktive Abfälle haben zwei tolle Vorteile:
      1. Sie fallen pro umgesetzter Energieportion in Mengen an, die um den Faktor 10⁶ geringer sind als bei chemischen oder „erneuerbaren“ Energiequellen. Aktinide enthalten pro Masse eine Million mal mehr Energie als Öl, Gas oder Kohle, daher erzeugen sie auch eine Million mal weniger Abfall. Wenig rein, wenig raus.
      2. Ihre Toxizität nimmt im Laufe der Zeit ab. Darin unterscheiden sie sich z. B. von dem chemischen Giftmüll aus einer Solarzellenfabrik, der für immer und ewig schädlich bleibt. Wo kommt nur die Idee her, dass Solar und Wind besonders umweltfreundlich seien? Diese „sauberen“ Energiequellen erfordern massive Ressourcenextraktion und Verarbeitung hochtoxischer und hochkorrosiver Substanzen.
      http://www.bbc.com/future/story/20150402-the-worst-place-on-earth

      „welchen Platz benötigen Solarmodule die auf vorhandenen Dächern montiert werden“
      Die auf Dächern zur Verfügung stehende Fläche ist im Vergleich mit den Flächen, die benötigt würden, um einen substantiellen Anteil unseres Energiebedarfs aus Solarenergie zu decken, nahezu vernachlässigbar. Pro Person dürften ca. 10 m² Dachfläche zur Verfügung stehen — bei einem Nutzungsgrad von 11% (Europa) ergibt sich bei handelsüblichen Solarzellen ein Ertrag von:
      150 W/m² x 0.11 x 10 m² = 165 W.
      Jeder Deutsche verbraucht jedoch mehrere Kilowatt! Photovoltaik auf Dächern kann also maximal einige Prozent beitragen.

      „Windmühlen?“
      Sie selbst (d.h. ihre Pfeiler) verbrauchen in der Tat kaum Platz, dennoch können Windkraftanlagen praktisch nur mit einer bestimmten Geländeform koexistieren: Wiesen und Felder. Jede Art von Erhebung (Häuser, Bäume, Fabriken…) bremst den Wind ab. Hinzu kommt dass die Anlagen einen beträchtlichen Abstand zueinander einhalten müssen, da sie sich sonst gegenseitig aerodynamisch stören.
      Schon jetzt gehen Deutschland geeignete Stellflächen für Onshore-Windkraft aus — das sieht man daran, dass der mittlere Nutzungsgrad der Anlagen immer weiter sinkt (Im Jahr 2015 liegt er bei 16%), da immer windärmere Areale erschlossen werden müssen.

      http://100-gute-antworten.de/

  16. Erst jetzt gelesen … aber noch immer aktuell und gut. Ich meine, die Argumente pro Kernkraft sollten alle jenne überzeugen, die ideologisch nicht gebunden sind.

  17. Bitte zählt mich als Aachener Bewohner nicht zu denen, die gegen Tihange klagen.

    Ich habe jahrelang meist in dt. Druckwasser-KKW’s im Bereich Stahlenschutz gearbeitet und halte KKW’s nach wie vor für sicher, konstruktiv, am ergiebigsten und auf jeden Fall zukunftsorientiert.

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