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Kernenergie bekommt eine Stimme: Nuklearia im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Nuklearia-Vorständin Jenny Dujeux im rbb-Beitrag über Kernenergie

Bildzitat aus dem rbb-Beitrag „Nuklearia wirbt für Rückkehr der Atomkraft“, ausgestrahlt am 20. Mai 2026 in „DER TAG in Berlin & Brandenburg“. Der Screenshot zeigt, wie der rbb Nuklearia-Vorständin Jenny Dujeux als Pro-Atomkraft-Aktivistin vorstellt. Quelle: rbb

Kernenergie kommt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk meist dann vor, wenn es Probleme zu melden gibt. Selbst dabei ist die Darstellung oft fehlerhaft. Über ihre Vorteile für Klimaschutz und Versorgungssicherheit wird deutlich seltener gesprochen. Noch seltener kommen Menschen ausführlich zu Wort, die sich für Kernenergie einsetzen.

Diese Schieflage war der Anlass für die Gründung der Nuklearia. Nach Fukushima verbreiteten Medien zahlreiche falsche oder irreführende Vorstellungen. Tatsächlich starb niemand durch akute Strahlenexposition. Auch unter den Bewohnern wurden keine darauf zurückzuführenden Gesundheitsschäden nachgewiesen. Rainer Klute, Gründer und langjähriger Vorsitzender der Nuklearia, bezeichnete die damalige Berichterstattung deshalb als „Medien-GAU“.

Schon nach Tschernobyl hatte die Berichterstattung Ängste geprägt, die später kaum noch eingeordnet wurden. Bis heute erinnern sich viele Menschen daran, dass sie als Kinder wegen „der radioaktiven Wolke“ nicht draußen spielen und keine frischen Lebensmittel essen durften. Viele dieser pauschalen Vorsichtsmaßnahmen waren rückblickend unnötig. Trotzdem gelten sie bis heute als Beleg dafür, wie gefährlich die Situation angeblich gewesen sei. Eine breite journalistische Aufarbeitung fand nie statt.

Umso wichtiger sind die Ausnahmen. Einige Redaktionen haben Nuklearia inzwischen begleitet, unseren Mitgliedern zugehört und unsere Positionen fair wiedergegeben. Sie zeigen, wie leicht eine ausgewogenere Berichterstattung wäre: Wir sind im öffentlichen Raum präsent, stellen uns kritischen Fragen und können unsere Argumente fundiert erklären.

Die hier versammelten Beiträge sind deshalb keine Bilanz, sondern ein Anfang. Sie zeigen, dass Kernenergie auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sachlich, offen und ohne die gewohnten Rollenbilder behandelt werden kann.

Inhalt

Der rbb begleitet die Berliner Nuklearia

Für die Wochenserie „Energie ohne (W)Ende“ begleitete der rbb die Berliner Nuklearia mehrere Tage lang. Die Dokumentation zeigt unsere Teilnahme an der Energiewende-Demonstration am 18. April 2026 und einen Besuch unseres Stammtischs.

Auf der Klimademonstration suchen unsere Mitglieder mit selbstgebastelten Schildern und Reggaemusik das Gespräch über Kernenergie, Klimaschutz und die Probleme der deutschen Energiepolitik.

Der rbb lässt dabei unsere Mitglieder ihre Position selbst erklären. Jenny Dujeux begründet, warum Kernenergie aus ihrer Sicht zu den sichersten, CO₂-ärmsten und flächensparendsten Energiequellen gehört. Niels Harksen wendet sich gegen den deutschen Kulturkampf zwischen Kernenergie und erneuerbaren Energien: Beide könnten gemeinsam helfen, Kohle und Gas zu ersetzen.

Videozitat, gekürzter Zusammenschnitt aus: „Nuklearia wirbt für Rückkehr der Atomkraft“, Wochenserie „Energie ohne (W)Ende“, DER TAG in Berlin & Brandenburg, Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), 20. Mai 2026. Bericht: Martina Hiller von Gaertringen; Kamera: H. Leikauf-Dürheim und M. Hiller von Gaertringen; Schnitt: Dieter Jaufmann. Zusammenstellung und Kürzung: Nuklearia e. V. Vollständigen Beitrag beim rbb ansehen.

So kann Berichterstattung aussehen, wenn Kernkraftbefürworter nicht als kuriose Randerscheinung behandelt werden. Der rbb stellt unsere Positionen verständlich dar und überlässt es dem Publikum, sich selbst ein Urteil zu bilden.

„Nuklearia wirbt für Rückkehr der Atomkraft“, DER TAG in Berlin & Brandenburg, rbb, 20. Mai 2026. Mit einem Klick auf das Bild öffnet sich der vollständige Beitrag beim rbb.

Mehr über unsere Aktion auf der Berliner Klimademonstration steht in unserem Bericht mit eigenem Video:

Nuklearia beim letzten CASTOR-Transport nach Brokdorf

Im Juni 2026 wurden die letzten sieben CASTOR-Behälter aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland zum Zwischenlager am Kernkraftwerk Brokdorf gebracht.

CASTOR-Transporte waren früher mit Massendemonstrationen, Ausschreitungen und großen Polizeieinsätzen verbunden. Diesmal reichte die Mobilisierung gegen den Transport zu einer kleinen Mahnwache vor dem Kernkraftwerk am Vorabend – ein Kontrast, den der NDR in seiner Berichterstattung deutlich hervorhob und dabei vor Ort auch der Gegenposition von Nuklearia Raum gab.

Neben der Handvoll Kernkraftgegner waren Nuklearia-Mitglied Lizzet und Vorstandsmitglied David Gramatzki nach Brokdorf gekommen, um den CASTOR zu begrüßen. Gegenüber dem NDR erklärten sie, dass durch die Wiederaufarbeitung im Ausland verwertbare Kernbrennstoffe von den wenigen verbleibenden Reststoffen getrennt werden und nun nur diese Reststoffe zurückkehren, was die Menge des Atommülls insgesamt erheblich reduziert. Dennoch ist dieses Recycling heute in Deutschland verboten.

NDR: „Kein Vergleich zu früheren CASTOR-Protesten“ – heute „sogar“ Kernkraftbefürworter vor Ort

NDR Info stellt den Wandel rund um die CASTOR-Transporte besonders pointiert dar. Der Beitrag spricht zunächst von einer „Handvoll Demonstrierender“ und stellt dieser kleinen Mahnwache Archivbilder früherer Ausschreitungen gegenüber: „Kein Vergleich zu früheren CASTOR-Protesten.“

Dann wechselt der NDR die Perspektive. David Gramatzki und Lizzet werden als Kernkraftbefürworter vorgestellt, anschließend erklärt David, warum Nuklearia die Rückführung der Abfälle unterstützt.

Videozitat, gekürzter Ausschnitt aus: „Der letzte CASTOR-Transport auf dem Weg nach Brokdorf“, NDR Info 21:45, Norddeutscher Rundfunk (NDR), 16. Juni 2026. Auswahl und Kürzung: Nuklearia e. V. Vollständigen Beitrag beim NDR ansehen.

Das Wort „sogar“ verrät noch, wie ungewöhnlich Kernkraftbefürworter bei einem CASTOR-Transport für die Redaktion offenbar sind. Trotzdem zeigt der Beitrag einen Wandel: Vor Ort stehen nicht mehr selbstverständlich nur Gegner der Kernenergie. Auch unsere Sicht auf den Transport gehört inzwischen zur Berichterstattung.

Auch das Schleswig-Holstein Magazin berichtete über die Ankunft der Behälter in Brunsbüttel und den Weitertransport zum Zwischenlager Brokdorf. Dieser Beitrag thematisierte ebenfalls die geringe Protestmobilisierung und zeigte auch unsere Gegenposition vor Ort.

Den vollständigen Beitrag im Schleswig-Holstein Magazin ansehen

Mehr zu unserer eigenen Einordnung des CASTOR-Transports und den politischen Schlussfolgerungen daraus steht in unserer Pressemitteilung:

Mit Nuklearia auf den Spuren der deutschen Atomdebatte

Für die Y-Kollektiv-Dokumentation „Y-History: Atomkraft – wieder ans Netz?!“ begleitete Reporter Nico Schmolke Mitglieder der Nuklearia nach Glückstadt. Niels Harksen spricht im Interview unter anderem über unsere Forderung, das Kernkraftwerk Brokdorf wieder in Betrieb zu nehmen. Der Film zeigt außerdem unseren Informationsstand in Glückstadt und den zweiten Teil der Aktion am Deich mit Blick auf Brokdorf.

Zu Wort kommt auch Nuklearia-Mitglied Uwe Reimann, der früher selbst gegen Brokdorf demonstriert hatte. Heute hält er seinen damaligen Protest für einen Fehler und setzt sich gemeinsam mit Nuklearia für die Rückkehr zur Kernenergie ein. Der Beitrag zeichnet den Wandel der deutschen Atomdebatte über mehrere Jahrzehnte nach und fragt, warum sich heute wieder mehr Menschen für Kernkraft aussprechen.

Die Dokumentation wurde vom Hessischen Rundfunk ausgestrahlt und ist noch bis zum 13. Juli 2028 in der ARD-Mediathek verfügbar.

Mit einem Klick auf das Bild öffnet sich die vollständige Dokumentation in der ARD-Mediathek.

„Y-History: Atomkraft – wieder ans Netz?!“, Y-Kollektiv/hr, verfügbar in der ARD-Mediathek bis 13. Juli 2028.

Als ZDFzoom Nuklearia zuhörte

Schon 2022 stellte eine öffentlich-rechtliche Dokumentation Nuklearia ungewöhnlich ausführlich und fair vor. Der Kontakt entstand durch ein virales Video von einer Klimademonstration, auf der Britta Augustins Schild „Kernkraft gegen Klimawandel“ zerstört worden war. Monate später traf sie das Produktionsteam bei einer Nuklearia-Aktion in Karlsruhe zum Interview. Banijay Productions produzierte die Dokumentation im Auftrag des ZDF.

Zu dieser Zeit hatte der russische Angriff auf die Ukraine die deutsche Energiepolitik erschüttert. Plötzlich wurde wieder über längere Laufzeiten gesprochen. Auch die Bedeutung der Kernenergie für den Klimaschutz rückte stärker ins Bewusstsein.

Die Dokumentation porträtiert Britta als Mathematik- und Informatiklehrerin und erzählt von den Wurzeln der Nuklearia in der Piratenpartei. Damit widerspricht sie zugleich dem verbreiteten Bild, Kernkraftbefürworter seien zwangsläufig politisch rechts. Bilder von unserem Informationsstand zeigen Nuklearia als aktive Organisation im Gespräch mit vielen Besuchern.

Aus der ersten Frage zum Vorfall auf der Demonstration entwickelt sich ein ausführliches Gespräch. Das Produktionsteam fragt nach und lässt Britta über Tschernobyl, Fukushima und die Rolle der Kernenergie in einem klimafreundlichen Stromsystem sprechen. Am Ende fasst der Produzent unser zentrales Argument selbst zusammen: Wind und Sonne liefern nur zeitweise Strom, Kernkraft dagegen kontinuierlich.

So viel Offenheit für eine pronukleare Perspektive war 2022 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen alles andere als selbstverständlich. Der Ausschnitt zeigt, wie einfach eine faire Darstellung sein kann, wenn eine Redaktion zuhört und unsere Argumente ernst nimmt.

Videozitat, gekürzter Zusammenschnitt aus mehreren Passagen von „Atomkraft – jein danke?“, ZDFzoom: Grauzone, ZDF, 29. Juni 2022. Film von Axel Berking, Melissa Holland-Moritz und Marc Schlömer; Produktion: Banijay Productions. Auswahl und Kürzung: Nuklearia e. V.

Die Sendung war anschließend zwei Jahre lang in der ZDF-Mediathek verfügbar. Erhalten geblieben sind die Ankündigung des ZDF und die Seite von Banijay Productions.

Beim Bayerischen Rundfunk in Landshut

Auch der Bayerische Rundfunk berichtete mehrfach über unsere Auftritte in Landshut und am Kernkraftwerk Isar. Dort trafen unsere Kundgebungen für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke regelmäßig auf Veranstaltungen der Atomkraftgegner. Der BR ließ dabei auch Befürworter der Kernenergie zu Wort kommen.

Es gibt noch viel zu erzählen

Diese Beiträge sind Ausnahmen. Kernenergie wird im öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiterhin häufig auf Risiken, Kosten und Abfall reduziert oder ganz ausgeblendet. Fehlerhafte Darstellungen zeigen, dass von einer ausgewogenen Berichterstattung noch keine Rede sein kann.

Zugleich beweisen ZDF, rbb, BR und NDR, dass es besser geht. Unsere Mitglieder sind öffentlich präsent, stellen sich kritischen Fragen und können ihre Positionen fundiert erklären. Wer mit uns spricht, bekommt keine Parolen, sondern nachvollziehbare Argumente.

Diese ersten Auftritte können deshalb nur ein Anfang sein. Jahrzehntealte Ängste vor Kernenergie wirken bis heute fort. Es gibt noch viel zu erzählen: über die tatsächlichen Folgen von Tschernobyl und Fukushima, über Strahlung, Abfälle und Sicherheit und über den Beitrag der Kernenergie zu Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kann dabei helfen, alte Vorstellungen endlich zu überprüfen, statt sie weiterzutragen.

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