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Nuklearia zeichnet Prof. Volker Quaschning mit der Silbernen Sumpfpumpe aus
Nuklearia zeichnet Prof. Volker Quaschning mit der Silbernen Sumpfpumpe aus
Veröffentlicht am 2023-01-01
Von Nuklearia
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Twitter-Abstimmung zur Silbernen Sumpfpumpe 2022
Twitter-Abstimmung zur Silbernen Sumpfpumpe 2022

Die Silberne Sumpfpumpe 2022 geht an Volker Quaschning, Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, bekannter Youtuber und Twitterer in Sachen Klima und Energie. In einer spannenden Twitter-Abstimmung konnte sich Quaschning knapp gegen den hohen Mitfavoriten Bundeskohle-, pardon, -wirtschaftsminister Robert Habeck durchsetzen. Der ebenfalls nominierte Verein Deutsche Umwelthilfe sowie Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie, landeten auf den Plätzen.

Quaschning wird für die besondere Leistung ausgezeichnet, Falsch- und Fehlaussagen über Kernkraftwerke in gleichbleibender Frequenz mit hoher Zuverlässigkeit und ohne wetterbedingte Unterbrechungen zu liefern. Es muss also gar kein Backup oder Speicher für Quaschningiaden angelegt werden – die Lieferung folgt on demand. Wir haben einige Höhepunkte gesammelt:

1: Lastfolge ist Super-GAU.

Anfang 2022 behauptete Quaschning im Gespräch mit Prof. Christian Rieck, Tschernobyl habe ja gezeigt, wie gefährlich Laständerungen für Kernkraftwerke seien. Quaschning wollte damit argumentieren, es sei sehr gefährlich, wenn Kernkraftwerke im Verbund mit erneuerbaren Energien Lastfolge führen. Die Wahrheit: Deutsche Kernkraftwerke wurden bereits von vornherein als lastfolgefähige Anlagen geplant und gebaut. Lastfolge ist ein ganz normaler Betriebszustand in Kernkraftwerken.

2: Zahlen lügen nicht. Nur ein bisschen.

Ebenfalls im Interview mit Rieck wird Quaschning mit der Aussage konfrontiert, die Kernenergie sei wegen ihrer CO₂-Armut eine Klimaschutztechnologie, rechnet der Professor ihren Anteil an unserem Energiesystem gerne klein. Damit die Prozentzahlen möglichst klein ausfallen, wählt er als Bezugsgröße Primär- oder Endenergie statt der Stromerzeugung, vergisst aber hinzuzufügen, dass dann auch die Anteile der Erneuerbaren sehr überschaubar ausfallen. Seine Schlussfolgerung: Da es ohnehin so wenig Kernstrom gebe, könne der auch weg.

Nun könnte man fragen, warum das nicht auch für die Photovoltaik gelte, deren Anteil an der deutschen Stromerzeugung 2021 nicht höher war als der der damals noch sechs Kernkraftwerke. Doch in diesem Fall argumentiert Quasching, dass die PV ausgebaut werden müsse, weil es zu wenig davon gebe – während die Kernkraft abgeschafft werden müsse, weil es zu wenig davon gebe. Logik für Studenten der Regenerativen Energiesysteme!

Preisträger Volker Quaschning mit der Silbernen Sumpfpumpe 2022 der Nuklearia
Preisträger Volker Quaschning mit der Silbernen Sumpfpumpe 2022 der Nuklearia

Was Quaschning verschweigt, ist der Hintergrund: Der kleine Anteil der Kernenergie in Deutschland ist kein Naturgesetz, das auf die Schwäche der Kernenergie verweist, sondern beruht auf politischen Entscheidungen, die reversibel sind.

Seine selektive und unwissenschaftliche Darstellung rundet Quaschning ab, indem er den wichtigsten Unterschied zwischen Kernenergie, PV und Windkraft stets unterschlägt: Kernenergie ist im Gegensatz zu den volatilen EE gesicherte und planbare Leistung. Das bedeutet, dass in Engpass-Situationen auch wenige Prozent Kernstrom im Netz den Unterschied zwischen Netzsicherheit und Netzzusammenbruch ausmachen können.

3: Jung und naiv.

Im September 2022 fragte Quaschning auf Twitter scheinbar naiv, wie denn Kernkraftwerke im Streckbetrieb zur Versorgungssicherheit beitragen könnten, wenn es so schwer sei, sie nach einem Stillstand mit einem Streckbetriebskern wieder anzufahren. Richtig, Herr Quaschning, aber auch das liegt nicht an einem inhärenten Mangel der Kerntechnik, sondern an der auch von Ihnen begrüßten Verhinderungspolitik der Bundesregierung, die eine Laufzeitverlängerung der letzten deutschen Anlagen mit frischem Kernbrennstoff, die uns all dieser Probleme enthoben hätte, verweigerte.

4: Schuld sind immer die Franzosen.

Zu Quaschnings weiteren Glanzlichtern des Jahres 2022 zählt seine Behauptung auf Twitter, die Verfügbarkeitsprobleme der französischen Kernenergie zeigten ja, dass es gut sei, dass die deutsche Stromversorgung nicht mehr von »überalterten Atomkraftwerken« abhinge. Zur Erinnerung: Die Verfügbarkeit der deutschen Kernkraftwerke betrug im Krisenjahr 2022 über 90 Prozent; die der französischen Kernkraftwerke rund 50 Prozent. Die Verfügbarkeit von Windkraft liegt durchschnittlich bei 25 Prozent, die von PV bei 12 Prozent. Während der langen Dunkelflaute im November und Dezember 2022 lagen die drei verbliebenen Kernkraftwerke daher unter den CO₂-armen Stromerzeugern nach der erzeugten Strommenge auf Platz 2 hinter der Windkraft an Land, siehe Energycharts für die Kalenderwochen 47, 48, 49 und 50.

5: Hilfe, Leck im AKW!

Quaschnings Einlassungen zum »Leck im AKW« Isar-2 im Herbst 2022 auf Twitter sorgten bei Fachleuten für Gelächter, da es sich in Wirklichkeit nicht um ein Leck handelte, sondern um eine technisch vorgesehene Leckagemenge von Vorsteuerventilen an Druckhalter-Sicherheitsventilen, die nur neu eingestellt werden musste. Gäbe es diesen erlaubten Massestrom nicht, könnte man den Druckhalter nicht entgasen und hätte dann andere Probleme, die Herr Quaschning dann wirklich in Wallung bringen würden. Hier halten wir dem Professor zwar zugute, dass andere Promis der grünen Szene, zum Beispiel unsere Bundesumweltministerin Steffi Lemke, sich auch nicht besser informiert zeigten, doch die ist auch keine gelernte Ingenieurin, die es besser wissen müsste.

6: Wenn es die Franzosen nicht sind, sind es die Russen.

Für Gelächter sorgte Quaschning auch mit seiner Forderung auf Twitter, der Stresstest des deutschen Stromsystems solle sich mal mit der Bedrohung befassen, dass der russische KGB deutsche Kernkraftwerke »in kritische Betriebszustände bringen« könne. Nein, kann er nicht, da es seit 1995 keinen KGB mehr gibt, wohl aber seinen Nachfolgerdienst FSB, dem es allerdings auch nicht gelingen würde, den Reaktorschutz unserer Anlagen zu knacken, denn der ist verbindungsprogrammiert und kann von außen nicht gehackt werden. Sehr wohl gehackt werden können allerdings die Steuerungen von Windkraftanlagen, was in einem größtenteils auf Windkraft aufbauenden System der Zukunft ein Problem werden könnte. Allerdings keins, mit dem sich Prof. Quaschning gerne befassen würde.

7: Wir werden alle verstrahlt!

Nach erfolgter Abstimmung zur Silbernen Sumpfpumpe 2022 präsentierte sich Volker Quaschning noch am letzten Tag des Jahres als würdiger Preisträger, indem er der staunenden Öffentlichkeit auf Twitter eine bislang völlig unterschätzte Bedrohung der Atomenergie offenbarte: Kernkraftwerke leiten radioaktive Gase aus einem »Schornstein« in die Umwelt ab! Vor dem inneren Auge erscheint sogleich Mr. Burns aus den »Simpsons«, der skrupellose Besitzer des Springfielder Atomkraftwerks, der hämisch grinsend die Ventile der Flaschen mit den radioaktiven Gasen aufdreht und den grüngiftig schimmernden Inhalt durch den Schornstein jagt.

In Wahrheit ist das fragliche Objekt der Fortluftkamin des Kontrollbereichs, also insbesondere des Reaktorgebäudes. Dort ist nicht auszuschließen, dass die Luft radioaktive Gase enthält oder an Schwebstoffe gebundene radioaktive Partikel. Damit diese nicht unkontrolliert entweichen, wird der Kontrollbereich unter leichtem Unterdruck gehalten, indem ständig Luft abgesaugt wird. Diese Abluft wird gefiltert, um etwaige radioaktive Substanzen zurückzuhalten. Die übrige Luft geht über den Fortluftkamin nach draußen.

Anders als Quaschning suggeriert, kontaminiert der Fortluftkamin also nicht die Umwelt, sondern verhindert zusammen mit dem übrigen Abluftsystem genau dies.

Video zur Preisverleihung

httpv://www.youtube.com/watch?v=nF5u_LfL6NM

Über die Silberne Sumpfpumpe

Silberne Sumpfpumpe 2022 der Nuklearia
Silberne Sumpfpumpe 2022 der Nuklearia

Die Nuklearia verleiht die Silberne Sumpfpumpe seit 2017 für den dümmsten Beitrag des Jahres zur Nutzung der Kernenergie. In Kernkraftwerken sind die Sumpfpumpen die Aggregate fürs Grobe. Sie sind zuständig fürs Wegschaffen von Abwässern aus der Anlagen- und Gebäudeentwässerung. Frühere Preisträger waren das tschechische Kernkraftwerk Temelín für die Schnapsidee, Kerntechnik-Werkspraktikantinnen per Miss-Wahl zu bestimmen, die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze für eine Reihe von – inzwischen korrigierten – Falschaussagen über die Klimabilanz der Kernenergie und der ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz für seine Twitter-Aussage, es sei Teil einer guten Klimaschutzstrategie, Atomkraftwerke zu verhindern.

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Kernenergie
Nuklearia
Willi Winzig sagt:

Ein wahrlich würdiger Preisträger. Auf welchem Platz folgt Claudia Kemfert?

Klaus Dänzer sagt:

….und solche QuaTschnings “beraten” auch noch die Bundesregierung, sie sollten sich nicht mehr als fachkompetent Wissenschaftler betätigen. Herzlichesn Glückwunsch zur Sumpfpumpe.