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Geht den Kernkraftwerken an der Donau das Kühlwasser aus? Eine Root-Cause-Analyse

Diesen Eindruck vermitteln derzeit viele Berichte über die Abschaltungen und Leistungsreduzierungen an der Donau.

Unsere Analyse zeigt jedoch: Die Reaktoren wurden vorsorglich innerhalb ihrer konservativen Betriebsgrenzen vom Netz genommen – nicht, weil ihnen plötzlich das Kühlwasser ausgegangen wäre oder ihre Sicherheit gefährdet wäre. Auch hohe Flusstemperaturen sind bei den aktuellen Abschaltungen nicht der begrenzende Faktor. Die Herausforderungen durch Niedrigwasser betreffen zudem nicht nur Kernkraftwerke, sondern alle thermischen Kraftwerke sowie Wasserkraftwerke.

Eine Root-cause-Analyse der Nuklearia über die aktuelle Situation

🇭🇺 Kernkraftwerk Paks (Ungarn)

Die Donau führt hier 1,25 m Niedrigwasser unter Normal. Der Wasserstand lag zunächst noch oberhalb des Grenzwertes für den Leistungsbetrieb, inzwischen sind jedoch alle Blöcke vom Netz. Langfristig bereitet Paks den Umbau der Kühlwasserpumpen vor, um die Wasserentnahme auch bei künftig niedrigeren Wasserständen sicherzustellen.

🇧🇬 Kernkraftwerk Kosloduj (Bulgarien)

Die Donau führt hier 2,03 m Niedrigwasser unter Normal. Die Pumpstation wurde für ein 100-jähriges Niedrigwasser ausgelegt. Der niedrigste jemals gemessene Wasserstand lag sogar noch oberhalb des Auslegungswertes. Für den Wasserstand selbst bestehen daher derzeit keine betrieblichen Einschränkungen. Eine Leistungsreduzierung wäre erst erforderlich, wenn die Erwärmung der Donau nach der Wiedereinleitung des Kühlwassers nach Durchmischung 3 °C oder mehr beträgt.

🇷🇴 Kernkraftwerk Cernavodă (Rumänien)

Die Donau führt hier 2,05 m Niedrigwasser unter Normal. Unterhalb eines Pegels von 1,9 mMB muss ein Block vom Netz genommen werden. Inzwischen sind beide Blöcke abgeschaltet. Die Nachwärmeabfuhr bleibt jedoch bis 1,21 mMB über die Donau gewährleistet. Bei weiter sinkendem Wasserstand stehen zusätzlich alternative Wasserquellen, darunter kraftwerkseigene Brunnen, zur Verfügung.

Fazit

Die Pegelstände entlang der Donau entwickeln sich regional unterschiedlich. Während sie an einzelnen Messstellen – etwa bei Kosloduj – bereits wieder steigen, bleiben die Wasserstände an anderen Standorten kritisch. Aktuell sind die Kernkraftwerke Paks und Cernavodă vollständig vom Netz, während Kosloduj aufgrund seiner Auslegung weiterhin sicher betrieben werden kann.

Die aktuelle Situation zeigt vor allem eines: Der Klimawandel stellt die gesamte wasserabhängige Energieversorgung vor neue Herausforderungen. Wasserkraftwerke sind von anhaltendem Niedrigwasser sogar noch unmittelbarer betroffen, da sinkende Flusspegel ihre Stromerzeugung direkt verringern. Gleichzeitig führen häufigere Dürreperioden und der Rückgang der Gletscher dazu, dass natürliche Wasserspeicher ihre ausgleichende Wirkung zunehmend verlieren.

Die Betreiber von Kernkraftwerken reagieren bereits mit technischen Anpassungen ihrer Kühlsysteme und Wasserentnahme. Weitere Maßnahmen werden folgen müssen – nicht nur in der Kernenergie, sondern ebenso bei anderen thermischen Kraftwerken sowie in der Wasserwirtschaft. Gleichzeitig fehlen auf liberalisierten Strommärkten häufig wirtschaftliche Anreize für Investitionen, die nur in seltenen Extremsituationen benötigt werden, für die Versorgungssicherheit aber von großer Bedeutung sind.

Die Anpassung der Energie- und Wasserinfrastruktur an den Klimawandel ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es ist sinnvoll zu diskutieren, wie notwendige Investitionen in die Klimaanpassung der kritischen Infrastruktur künftig finanziert werden können – unabhängig davon, welche Form der Stromerzeugung betroffen ist.

Quellen und Bildquelle:

 

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