Rund 2,5 Cent pro Kilowattstunde kostete deutscher Atomstrom nach der Rechnung von Gerhard Hottenrott, dem früheren Leiter des Kernbrennstoffkreislaufs beim Energieversorger RWE. Darin stecken unter anderem Abschreibungen, Betrieb, Brennstoff und Entsorgung, aber auch Steuern, Versicherungen und der Zukauf von Strom während der Wartungszeiten.
Karl-Ludwig Kley, früherer Aufsichtsratsvorsitzender von E.ON, nennt für die bestehenden Kernkraftwerke sogar knapp unter zwei Cent pro Kilowattstunde. Damit kommen zwei Fachleute aus unterschiedlichen Betreiberunternehmen auf ähnlich niedrige Kosten. Hottenrott rechnet dabei ausdrücklich mehr Kostenbestandteile ein als Kley.
Keine Subventionen für die kommerzielle Stromerzeugung
2002 fragte der CDU-Abgeordnete Dr. Paul Laufs die Bundesregierung nach direkten und indirekten Subventionen für die Stromerzeugung aus Kernenergie. Für die rot-grüne Bundesregierung antwortete der Parlamentarische Staatssekretär Siegmar Mosdorf:
„Subventionen für die kommerzielle Stromerzeugung aus Kernenergie gab es nicht.“
Die Antwort bezog sich auf Subventionen aus öffentlichen Haushalten für die kommerzielle Stromerzeugung. Die Kraftwerksbetreiber finanzierten ihre Anlagen über Jahrzehnte aus dem Verkauf ihres Stroms. Auch an der Strombörse wurde Strom damals für wenige Cent gehandelt: 2003 lag der Jahresdurchschnitt bei rund 2,95 Cent pro Kilowattstunde, 2004 bei rund 2,85 Cent.
Der Staat kassierte sogar eine zusätzliche Steuer auf Kernbrennstoff: Über sechs Milliarden Euro zahlten die Betreiber dafür. 2017 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Steuer rückwirkend für nichtig. Der Staat hat also das Gegenteil von Subventionen versucht, nämlich verfassungswidrig zu profitieren, obwohl die gesamte Verantwortung bei den privaten Betreibern liegt.
Warum Kernkraft so günstig ist: viel Strom aus wenig Uran
Die hohe Energiedichte von Uran ist ein entscheidender Grund für die niedrigen Kosten: Schon kleine Mengen Brennstoff liefern enorme Mengen Strom. Uran, Konversion, Anreicherung und die Herstellung der Brennelemente kosteten nach Hottenrotts Angaben zusammen nur einen Bruchteil eines Cents pro Kilowattstunde. Diese Kosten blieben über Jahrzehnte weitgehend stabil.
Die deutschen Kernkraftwerke nutzten ihren Brennstoff bei hoher Auslastung und produzierten über Jahrzehnte Milliarden Kilowattstunden pro Anlage und Jahr. Auf diese große Strommenge verteilten sich auch die Baukosten. So ließ sich eine Milliardeninvestition mit einem kleinen Betrag je Kilowattstunde finanzieren. Nach der Abschreibung wurde die Stromproduktion noch günstiger.
Aktuell eine Milliarde Euro Ertrag pro Jahr aus dem Entsorgungsfond
Auch nach der Abschaltung arbeiten die Gewinne der Kernkraftwerke weiter und erzielen derzeit im Durchschnitt rund eine Milliarde Euro Ertrag pro Jahr: Während des Betriebs legten die Betreiber aus ihren Einnahmen Geld für Rückbau und Entsorgung zurück. Einen Teil davon zahlten sie in den KENFO – Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung ein.
Der Fonds finanziert er die Zwischen- und Endlagerung, einschließlich der Endlagersuche. Wie das funktioniert und wie sich das Vermögen entwickelt, erklärt die Website des KENFO anschaulich. Stilllegung, Rückbau und die fachgerechte Verpackung der Abfälle bezahlen die Betreiber darüber hinaus weiterhin selbst. Auch Hottenrott berücksichtigt die Entsorgung in seiner Kostenrechnung, etwa die Kosten für Castorbehälter.
Versicherung ist in den Betriebskosten bereits enthalten
Die deutschen Kernkraftwerksbetreiber bezahlten ihren Versicherungsschutz als Teil ihrer Betriebskosten. Dafür bündelt die Deutsche Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft (DKVG) die Kapazitäten von Erst- und Rückversicherern und arbeitet mit einem internationalen Netzwerk von Versicherungspools zusammen.
Die rot-grüne Bundesregierung erhöhte die vorgeschriebene finanzielle Absicherung 2002 auf das Zehnfache: auf 2,5 Milliarden Euro. Dieser Betrag war eine mit Hilfe der Grünen, also der Atomkraftgegner, gesetzlich festgelegte Deckungssumme. Die Betreiber stellten die Absicherung durch Versicherungen und gegenseitige Garantien bereit. Auch mit dieser zusätzlichen Vorsorge blieb ihr Strom günstig.
Über Jahrzehnte lieferten die deutschen Kernkraftwerke große Mengen Strom, ohne das jemals ein Versicherungsfall eintrat. Die Auswirkungen der bekannten Unfälle werden häufig völlig überschätzt. Wie günstig die gesundheitliche Bilanz der Kernenergie ausfällt, erläutert unser Beitrag „Kernkraft schützt Leben“.
Auch die Gegner wussten, wie profitabel Kernkraft ist
Greenpeace bezeichnete die deutschen Kernkraftwerke selbst als „Gelddruckmaschinen“. Dass die Betreiber mit ihren Anlagen gutes Geld verdienten, stand für sie außer Frage.
Jürgen Trittin beschrieb im WELT-Interview sogar den politischen Versuch, „Atomkraftwerke unrentabel zu machen, indem man die Sicherheitsanforderungen hochschraubt“, doch auch mit den weltweit höchsten Standards waren die deutschen Kernkraftwerke effizient und hochprofitabel.
Günstiger Strom ist genau das, was uns heute fehlt
Deutschland hat sauberen Atomstrom für 2,5 ct/kWh rund um die Uhr selbst erzeugt. Wir haben noch die kerntechnische Branche, die Erfahrung, die Anlagen, das Wissen und das Personal. Nutzen wir es, um unsere Kernkraftwerke wieder aufzubauen.
Erfahrung aus RWE und E.ON
Gerhard Hottenrott ist Maschinenbau-, Kerntechnik- und Wirtschaftsingenieur. Er arbeitete in der Brennstoffbeschaffung und Entsorgungswirtschaft und war auch als technischer Geschäftsführer tätig. Seine Berechnung erläutert er im Buch „Atomkraft. Ja bitte, nein danke!“ Karl-Ludwig Kley äußerte sich in einem von vielen Zeitungen übernommenen Interview im Focus/Wirtschaftskurier in der Debatte um den Weiterbetrieb der deutschen Kernkraftwerke.
Der Energieversorger RWE betrieb selbst Kernkraftwerke in Deutschland. Als Leiter des Kernbrennstoffkreislaufs kannte Hottenrott die Brennstoff- und Entsorgungskosten aus dem eigenen Kraftwerksgeschäft.
Quellen
- Gerhard Hottenrott: Atomkraft. Ja bitte, nein danke! Die Geschichte der Kernenergie und des Stroms in Deutschland, Band I, S. 272–277.
- Karl-Ludwig Kley: Interview „Mit Verlaub, das ist Unsinn“, WirtschaftsKurier 02/2024, S. 10. Auch bei FOCUS online in Kooperation mit dem WirtschaftsKurier veröffentlicht.
- Deutscher Bundestag: Drucksache 14/8084, S. 16, Frage 27, Antwort vom 15. Januar 2002.
- BoD: Autorenbiografie von Gerhard Hottenrott.
- Chudoscnik Sunergia: Veranstaltungsankündigung „Die Unvollendete“ mit Angaben zu Hottenrotts Tätigkeit bei RWE.
- Bundeswirtschaftsministerium: Finanzierung des Kernenergieausstiegs.