Die Rolle der Kernkraft wird in Deutschland immer intensiver diskutiert. Obwohl sie schon immer Teil des weltweiten Klimadiskurses ist, wird auch 2026 noch von einigen versucht, sie aus der Klimabewegung auszuschließen, „um Eskalationen zu vermeiden”. Der Bericht von der Klimademo in Berlin zeigt, wie offen viele Menschen heute für eine Neubewertung der Kernkraft sind. Das Zusammentreffen mit Kernkraft-Aktivisten auf der Energiewende-Demo verläuft harmonisch. rbb-TV filmte und interviewte Nuklearia-Vorständin Jenny Dujeux.
Kernkraft auf der Klimademo in Berlin
Am 18. April 2026 nahm Nuklearia an der Energiewende-Demonstration in Berlin teil – wenn auch gegen den Willen der Veranstalter. Rund 20 Mitglieder von Nuklearia und der Partei der Humanisten waren vor Ort und gut sichtbar. Sie führten viele gute Gespräche und warben für eine gemeinsame Perspektive: Klimaschutz mit sauberer und verlässlicher Energie.
Nuklearia sorgte für Wohlfühlatmosphäre mit Bob-Marley-Legalize-it-Musik, Pappschildern mit gemeinsamkeitsbetonenden Botschaften, einem rollerskatenden Eisbär „Melty” und sehr sympathischen Protagonisten. Dies erzeugte eine gute Stimmung, um mit vielen Teilnehmern in einen konstruktiven Dialog zu treten.


Warum der Dialog funktioniert hat
Viele Menschen sind bereit, ihre Meinung zur Kernkraft zu ändern, wenn sie die richtigen Denkanstöße durch neue Informationen erhalten.
Die Bilder und Videos vom Tag zeigen, dass ein friedliches Miteinander möglich ist. Dennoch hatte man Nuklearia im Vorfeld von der Teilnahme ausgeschlossen. Fridays for Future verwies auf einen Klimastreik von 2021, bei dem Pro-Kernkraft-Demonstranten gewaltsam von der Demo entfernt worden waren. Hier zeigte sich auf der Straße jedoch ein anderes Bild:


Warum sich die Debatte verändert
Immer mehr Menschen erkennen, dass Klimaschutz, eine stabile Energieversorgung und die Wirtschaft zusammen gedacht werden müssen.
Steigende Energiepreise, strukturelle Probleme mit dem System der erneuerbaren Energien und wirtschaftliche Unsicherheiten verändern den Fokus der Diskussion. Das aktuelle System ist nicht mehr kompatibel mit noch mehr Sonne und Wind, denn es fehlt eine stabile saubere Basisversorgung.
Kernkraft ist genau der fehlende Baustein, der von immer mehr Menschen neu betrachtet wird – sogar von Menschen, die früher dagegen protestierten.


Ein Stimmungswandel wird sichtbar
Auch die Teilnehmerzahlen zeigen eine Veränderung: Während in den vergangenen Jahren noch deutlich größere Menschenmengen für Klimaschutz mobilisiert wurden, war die Resonanz diesmal spürbar geringer. Beim Klimastreik in Berlin 2021 kamen an die Hunderttausend Menschen, während es dieses Jahr nur noch einige Tausend waren. Bei einer Folge-Aktion von Fridays for Future nahmen sogar nochmal deutlich weniger Menschen teil.
Dies deutet darauf hin, dass sich die Prioritäten verschieben. Selbst auf einer Demonstration, bei der die Veranstalter behaupten, sie fordere ausschließlich erneuerbare Energien, haben viele Teilnehmer Gesprächsbedarf über weitere Alternativen zur dreckigen Energieversorgung mit Kohle, Gas und Öl.
Fazit: Gespräch statt Ausgrenzung
Die Klimademo in Berlin hat gezeigt: Die Debatte über Kernkraft ist auch in Bereichen im Gange, von denen einige Gatekeeper behaupten, dass man sie gar nicht brauche, da es eine Alternative gäbe.
Wo früher klare Fronten waren, entstehen heute neue Gespräche. Genau darin liegt die Chance, Klimaschutz, Versorgungssicherheit, Wirtschaft und politische Unabhängigkeit gemeinsam zu denken.


Mehr erfahren und mitdiskutieren
Wer sich näher mit den Argumenten für Kernkraft und Klimaschutz beschäftigen möchte, findet hier weitere Informationen und Mitmachangebote:
Ein Kommentar
Wer Elektrifizierung sät wird Kernkraftwerke ernten. Vor allem im Wärmesektor können die erneuerbaren Energien aber auch alleine 100% saubere Wärme liefern. Für die Nutzbarmachung von Solarthermie, Geothermie, Umwelt- und Abwärme ist nur ein kleiner Anteil elektrischer Energie nötig. Dabei macht der Wärmesektor die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs aus.