Gastbeitrag von Inge Hüsgen. Dieser Beitrag erschien zuerst bei GWUP.net.
Am 11. März 2021, jährte sich zum zehnten Mal ein Unglück, das die Welt erschütterte: Der Reaktorunfall von Fukushima, verursacht durch einen verheerenden Tsunami nach einem Erdbeben, gilt in der deutschen Öffentlichkeit als Jahrhundertkatastrophe mit unzähligen Toten und erhöhten Krebsraten in der Region. Vergessen wird dabei, dass die Todesopfer auf die Überflutung und die anschließenden Evakuierungsmaßnahmen zurückgehen.
Im neuen SKEPTIKER 1/2021 werfen Amardeo Sarma und Dr. Anna Veronika Wendland einen genaueren Blick auf die Falschbehauptungen über Fukushima und stellen ihnen die Fakten entgegen.
Gewiss, es war eine Katastrophe, was sich vor zehn Jahren in Japan ereignete. Die Rede ist vom größten Erdbeben seit Beginn der historischen Aufzeichnungen, „mit dem nachfolgenden Tsunami kostete es zwischen 15 000 und 20 000 Menschenleben“, schreiben die Autoren. Eine halbe Million Menschen mussten flüchten, viele lebten in Notunterkünften unter schwierigen Bedingungen. Posttraumatische Belastungsstörungen und eine erhöhte Suizidrate waren die Folge, hinzu kommt die soziale Stigmatisierung der Evakuierten.
Und die Reaktorkatastrophe? Dazu Sarma und Wendland:
Bis heute gibt es eine gerichtlich als Arbeitserkrankung anerkannte Krebserkrankung mit Todesfolge, die aber vermutlich nicht auf den Unfall selbst zurückgeht. (GRS 2016, 28, 39-40; 50-61)
Weiter:
Der Atomunfall selbst hat also keine direkten Todesopfer gefordert.
Das United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR) schätzte die erwartbare Anzahl vorzeitiger Todesfälle durch Krebserkrankungen unter den Atomarbeitern als so klein ein, dass sie statistisch nicht ins Gewicht falle; unter der zeitig evakuierten Zivilbevölkerung seien keine Opfer zu erwarten.
Auch Befürchtungen über steigende Krebsraten nach dem Unfall haben sich zum Glück nicht bestätigt. Dazu zitieren die AutorInnen die WHO:
Außerhalb der von der Strahlung betroffenen geografischen Gebiete, selbst in Gegenden innerhalb der Fukushima-Präfektur, bleiben die Risiken gering, und wir erwarten keine beobachtbare Erhöhung der Krebsinzidenz oberhalbder der natürlichen Grundlinie. (WHO: Health risk assessment from the nuclear accident after the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami based on a preliminary dose estimation, 2013, ISBN 978 92 4 150513 0).
Weiter greift der Beitrag die Debatte um das radioaktiv belastete Wasser in den Tanks der Kraftwerksruine auf. Während Experten eine Ableitung ins Meer empfehlen, befürchten Fischer in der Region Einkommenseinbußen, wenn ihre Fische als „verstrahlt“ gelten.
Doch wie begründet ist diese Sorge wirklich? Legt man die aktuellen Grenzwerte zugrunde, so
dürfte man in Australien Wasser mit der Fukushima-Konzentration von Tritium als Trinkwasser anbieten. Im Meer würde das Wasser innerhalb kürzester Zeit milliardenfach verdünnt und stellt somit weder für Fische noch für das Ökosystem eine Gefahr dar.
Das Fazit von Amardeo Sarma und Anna Veronika Wendland fällt denn auch differenziert aus:
Wir ordnen den Fukushima-Unfall als einen schweren Industrieunfall ein, dessen tatsächliche Folgen jedoch vor dem Hintergrund der gravierenderen Zerstörungen und Opferzahlen der Naturkatastrophe verblassen. „Fukushima“ war nicht die Weltkatastrophe, für die es in Deutschland gehalten wird. Aber Tohoku war eine der schwersten nationalen Katastrophen der jüngeren Geschichte für Japan.
Titelfoto: Fukushima Daichi Nuclear Power Station. (Foto: Tokyo Electric Power Co., TEPCO, Wikimedia Commons, Creative Commons Attribution)