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Leiter deutscher Kernkraftwerke: Reaktivierung möglich und sinnvoll

Nachdem über den Brief bereits in den Medien berichtet wurde, veröffentlichen wir den vollständigen Wortlaut.

Eine Gruppe ehemaliger Leiter deutscher Kernkraftwerke und weiterer kerntechnischer Experten hat sich mit einem gemeinsamen Schreiben an Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und den Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jens Spahn gewandt.

Die Unterzeichner verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in Planung, Bau, Betrieb und Sicherheit von Kernkraftwerken. Zu ihnen gehören ehemalige Leiter der Kernkraftwerke Emsland, Biblis, Philippsburg 2 und Leibstadt, erfahrene Ingenieure der Kerntechnik, Wissenschaftler sowie international tätige Experten.

Die Fachleute kommen zu einem klaren Ergebnis: Die Reaktivierung deutscher Kernkraftwerke ist aus technischer Sicht möglich und sinnvoll. Sie sehen darin eine Chance, Deutschland wieder mit wettbewerbsfähigen Industriestrompreisen zu versorgen, die Versorgungssicherheit zu stärken und gleichzeitig die Klimaziele zu unterstützen.

Als fachliche Grundlage verweisen die Unterzeichner auf den neuen Bericht der Radiant Energy Group zu möglichen Szenarien für die Reaktivierung deutscher Kernkraftwerke. Der Bericht wird am Montag, den 29. Juni 2026 veröffentlicht und untersucht Machbarkeit, Zeitplan und Wirtschaftlichkeit einer Wiederinbetriebnahme der zuletzt stillgelegten Anlagen.

Der Brief wurde den zuständigen Bundesministerien sowie weiteren politischen Entscheidungsträgern bereits übermittelt. Nachdem über das Schreiben inzwischen öffentlich berichtet wurde, dokumentieren wir nachfolgend den vollständigen Wortlaut.

Vollständiger Wortlaut des Schreibens


22.05.2026

An

Bundeskanzler Friedrich Merz

Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche

Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages Jens Spahn

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrte Frau Bundesministerin,
sehr geehrter Herr Fraktionsvorsitzender,

wir, ehemalige verantwortliche Leiter von Kernkraftwerken in Deutschland und kerntechnische Experten, akzeptieren die Ziele der Bundesregierung, eine Treibhausgasneutralität in Deutschland bis zum Jahr 2045 zu erreichen.

Die Bundeswirtschaftsministerin hat dabei, wie auch die Industrie, erkannt, dass trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien weiterhin gesicherte Kraftwerkskapazitäten für Deutschland notwendig sind, um einer Deindustrialisierung des Standortes Deutschland entgegenzuwirken.

Diese Kraftwerkskapazitäten können grundsätzlich durch Gas-, Kohle- oder Kernkraftwerke bereitgestellt werden. Die Kernkraftwerke haben dabei den mengen- und kostenmäßig geringsten Brennstoffbedarf und bieten damit auch die geringste Abhängigkeit von anderen Industriestaaten und liefern die Energie weitgehend CO₂-frei.

Wir weisen als kerntechnische Führungskräfte und Experten darauf hin, dass eine Reaktivierung der deutschen Kernkraft technisch eine mögliche und sinnvolle Option ist. Wir verweisen dazu auf den beigelegten Report der Radiant Energy Group, dem wir grundsätzlich inhaltlich zustimmen können.

Reaktivierte Kernkraftwerke sind eine Chance, in Deutschland mittelfristig zu wettbewerbsfähigen Industriestrompreisen inklusive Netzentgelten zurückzukehren und die deutsche Energieversorgung durch Diversifizierung abzusichern, ohne dabei in den Konflikt mit den europäischen Klimazielen zu geraten.

Die Instandsetzung und Reaktivierung bestehender Anlagen ist im Übrigen essentiell für den Kompetenzerhalt in Deutschland und damit die Anschlussfähigkeit bei zukünftigen Technologien wie Small Modular Reactors (SMR) und Kernfusion.

In Bezug auf die Bereitschaft der Industrie und des Personals ist festzustellen, dass im Ausland deutsche Anlagen (Spanien, Schweiz, Niederlande, Brasilien, Argentinien) und den deutschen Anlagen ähnliche Kernkraftwerke in Betrieb und im Bau sind. Trotz der Stilllegung der deutschen Anlagen existieren daher in der Industrie, Brennstoffbewirtschaftung und Ausbildung weiterhin Erfahrungen mit dem deutschen Anlagentyp. Noch sind Kompetenz, Standorte, Infrastruktur, Kraftwerksgebäude, Teile der Anlage und des Personalstamms auch in Deutschland verfügbar und können wieder ausgebaut werden.

Uns ist klar, dass dazu weitere Themen bearbeitet bzw. geklärt werden müssen:

  • ideologiefreie Bewertung der Erzeugungsoptionen durch eine unabhängige Einrichtung,
  • Aussetzung des Rückbaus geeigneter Standorte,
  • Änderung des Atomgesetzes und untergeordneter Verordnungen,
  • Entbürokratisierung atomrechtlicher Genehmigungen,
  • Erhalt des vorhandenen Know-hows in Industrie und Ausbildung,
  • Schaffung investitionsfreundlicher Rahmenbedingungen.

Die Rahmenbedingungen können Sie politisch beeinflussen. Wir können unsere technische Expertise einbringen.

Aus rein technischer Sicht können die zuletzt abgeschalteten Bestandsanlagen in Deutschland reaktiviert werden.

Wir bitten Sie, gemeinsam mit der Bundesregierung eine Reaktivierung der deutschen Kernkraftwerke zu unterstützen. Der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland war eine politische Fehlentscheidung, wie die jüngste globale Entwicklung eindrücklich zeigt und auch Sie mehrfach betont haben.

Für Ihre Fragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Hochachtungsvoll

Die Unterzeichner

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