Suche

Kernenergie in Italien: Verlorene und potenzielle Rolle bei der Decarbonisierung der Stromversorgung

Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl beschloss Italien im Dezember 1988 als Ergebnis einer Volksbefragung den Ausstieg aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Im selben Jahr wurde der Bau des Kernkraftwerks Montalto di Castro eingestellt, 1990 wurde der Atomausstieg mit der Stilllegung der Kernkraftwerke Trino Vercellese und Caorso abgeschlossen. Italien war damit als erstes Land und bis heute als einzige größere Industrienation aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie ausgestiegen.

Die Physiker Paolo Errani, Pierluigi Totaro und Enrico Brandmayr von der pro-nuklearen italienischen Organisation Nucleare e Ragione haben sich – analog zur Energie-Agenda der Nuklearia – die Frage gestellt, wie sich eine fortgesetzte Nutzung der Kernenergie auf die Energiewirtschaft Italiens und insbesondere auf die Klimaschutzbemühungen ausgewirkt hätte. Die drei Wissenschaftler haben dazu verschiedene Szenarien betrachtet.

Einleitung

Die CO2-Emissionen Italiens konnten zwischen 1990 und 2015 um etwa 26% auf 93,4 Millionen Tonnen reduziert werden, gleichzeitig ist der CO2-Ausstoßvon 584g/kWh auf 331g/kWh gesunken. Verantwortlich dafür ist – wie in vielen Ländern – vor allem, dass Kohle und Erdöl in vielen Bereichen durch Erdgas als Energielieferant verdrängt wurden. Auch Wind und Solarenergie wurden ausgebaut – beide Entwicklungen stoßen aber an ihre Grenzen. So basiert nach wie vor mehr als 60% der Stromproduktion auf der Verbrennung fossiler Brennstoffe, die zumeist importiert werden. Die Studie soll aufzeigen, welche Rolle die Kernenergie bei einer von der EU geforderten Absenkung der CO2-Emissionen um 40% gegenüber dem Niveau von 1990 bis 2030 und um 80% gegenüber dem Niveau von 1990 bis 2050 haben könnte.

Verglichen werden dabei für den Zeitraum 1990-2016 die reale Entwicklung des Strommixes mit einem Szenario, in dem auf einen Atomausstieg verzichtet worden wäre, aber ohne Neubauten (“No Nuclear Phaseout NNPO-Szenario”). Für den Zeitraum 2016 bis 2050 werden drei Szenarien betrachtet:

  • Ein Szenario geht davon aus, dass die bestehenden italienischen Kernkraftwerke erst am Ende ihrer technischen Lebensdauer stillgelegt worden wären, und dass weitere Kernkraftwerke die italienischen Kohlekraftwerke ersetzt hätten.
  • Ein weiteres Szenario berücksichtigt die Möglichkeit eines weitergehenden Ausbaus der Kernenergie.
  • Als Vergleichsbasis dient ein Referenzszenario der EU für die zukünftige Entwicklung des Strommixes in Italien (EURef2016).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Newsletter

Ja, ich will … Infos über Aktionen und Neues rund um die beste Energiequelle direkt in mein Postfach.