»Warum pro Kernenergie?« – Eine etwas andere Fragestellung

Gastbeitrag von Rainer A. Stawarz

Beloyarsk_NNP3

Kernkraftwerk Belojarsk (Белоярская АЭС).
Der Reaktorblock 4 ist ausgestattet mit einem schnellen Brutreaktor vom Typ BN-800, der nicht-spaltbare Nuklide aus Kernwaffen bzw. aus Abfall herkömmlicher Reaktoren verbrennt.
Quelle © Nucleopedia

Genauso wie wohl jeder Befürworter friedlicher Nutzung von Kernenergie werde ich häufig gefragt, wie ich denn »für die Atomkraft« sein kann und das angesichts von Fukushima, Tschernobyl etc. Meine Geduld reicht im Normalfall durchaus dafür aus, auf diese »Argumente« – so platt sie im Einzelnen sein mögen – peu à peu und sehr differenziert einzugehen. Weiterlesen

Nachgerechnet: Ist der Super-GAU bezahlbar?

Bis zu 430 Mrd. Euro kostet ein Super-GAU laut FÖS-Studie.

Ein Super-GAU koste bis zu 430 Milliarden Euro und sei durch die bestehende Haftungs- und Deckungsvorsorge nicht abgedeckt, sagt eine kürzlich erschienene Studie. Selbst wenn die Summe stimmen sollte: Ist so etwas überhaupt bezahlbar? Eine Überschlagsrechnung zeigt: Ja, kein Problem. Weiterlesen

Die Atomkatze

Wie jedermann weiß, sind Katzen eng mit Radioaktivität verbunden: Im Schrödingerschen Gedankenexperiment werden sie, indem man ihr Überleben oder Sterben an das Stattfinden eines Zerfallsereignisses koppelt, zu einem großen miauenden Quantensystem, das zwischen Sein und Nichtsein schwebt, bis jemand durch Nach-der-Katze-Sehen die Gewissheit der klassischen Physik wiederherstellt.

Dies brachte zwei Philosophen auf den Gedanken, Katzen zu Dosimetern umzufunktionieren; ein Vorschlag, von dem ich übrigens zum ersten Mal in dem (mäßig kreativen) Theaterstück »Fall Out Girl« von Niklaus Helbling erfuhr. Die Idee besteht darin, Katzen genetisch so zu verändern, dass sie, wenn sie ionisierender Strahlung ausgesetzt sind, ihre Fellfarbe ändern; solcherart sollen zukünftige Generationen vor Endlagern für radioaktive Stoffe gewarnt werden. Tobias Cronert schrieb auf ScienceBlogs einen Artikel über diesen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag; in den Kommentaren entspann sich eine lebhafte Diskussion, an der ich mich beteiligte.

Folgender Text beruht auf meinen Kommentaren zu Tobias Cronerts Artikel, wobei ich Kürzungen vorgenommen und Überleitungen hinzugefügt habe.
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Atomhörnchen liest „Die Wolke“ – offener Brief an Gudrun Pausewang

„Were you forced to read ‚Die Wolke‘ in school?“ – dies fragte ein britischer Twitter-User und Kernenergiefreund einmal besorgt einen Deutschen.

Das Buch „Die Wolke“ von Gudrun Pausewang scheint in Pro-Kernenergie-Kreisen als eine Art Monster angesehen zu werden: „Da gibt es doch dieses schreckliche Buch aus Deutschland…“; „…dieses entsetzliche Buch, das Kinder verstört und fanatisiert!“ – solche Aussagen bekommt man zuweilen zu hören. Es entsteht mithin der Eindruck, dass es sich um eine Art „Grünes Necronomicon“ handeln müsse.

Ich musste die „Wolke“ nicht in der Schule lesen, aber ein Klassenkamerad von mir stellte das Buch in der achten Klasse im Deutschunterricht vor. Der Lehrer bemerkte, dass das Thema – ein Reaktorunfall in Deutschland mit katastrophalen Auswirkungen – ihm Angst einflöße.

Was mochte das nur für ein seltsames Buch sein, das die Emotionen der Menschen derart in Wallung versetzte?! Ich beschloss, den Dingen auf den Grund zu gehen: Ich entlieh „Die Wolke“ aus der Bibliothek, las es… und schrieb eine Rezension – oder vielmehr einen offenen Brief – oder endlich eine Rezension in Briefform!

 

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Tschernobyl-Panikalarm

Von Dr. Florian Aigner

Im April ist es dreißig Jahre her, dass einer der vier Reaktoren im Kernkraftwerk Tschernobyl explodierte und große Menge radioaktiver Substanzen freisetzte. Passend zu diesem Termin erschien im März eine Studie, die schreckliche Folgen der Reaktorkatastrophe skizziert. Was ist davon zu halten? Florian Aigner erläutert dies im folgenden Gastbeitrag, der zuerst auf Naklar.at erschien. Wir danken dem Autor und ScienceBlogs für die freundliche Genehmigung, den Beitrag hier wiederzugeben.

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Endlagerung radioaktiver Abfälle

Gastbeitrag von Dr. Hermann Hinsch

Das Schlimmste an der Kerntechnik sei die ungelöste Endlagerfrage, hört man oft. Der Atommüll »stellt für die heutige und zukünftige Gesellschaften eine existenzielle Bedrohung dar«, sagte Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen. (Loccumer Protokoll 25/12)

Da denkt man an Dagobert Duck, der sich trotz seines Milliardenvermögens über ein paar verlorene Kreuzer so aufregt, als sei das sein Ruin. Man muss über ihn lachen, weil er die Dinge nicht im Ganzen sehen kann.

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Hochradioaktive Abfälle – will man wirklich ein Endlager?

Gastbeitrag von Dr. Hermann Hinsch

Hochradioaktive Abfälle – will man wirklich ein Endlager? Doch, sagen die Politiker, und in 160 (in Worten: einhundertundsechzig) Jahren werden alle heute vorhandenen Abfälle unter der Erde sein. Aber ist ein solcher Zeitplan nicht gleichbedeutend mit der Aussage: Wir wollen kein Endlager! Nun gibt es auch die Ansicht, es könnte etwas schneller gehen, 160 Jahre wären zu pessimistisch. Aber das würde nichts daran ändern, dass heute Geborene das Ende nicht mehr erleben. Weiterlesen

Und ewig strahlen die Wälder?

Gastbeitrag von Dr. Hermann Hinsch

Wildschweine (Quelle: Wikimedia Commons)

Zweifellos, sie strahlen, die Wälder, vor allem die bayrischen. Zunächst enthält jeder Mineralboden radioaktives Kalium, Uran, Thorium, Radium und noch einige andere Isotope mit einer gesamten Aktivität um 800 Becquerel pro kg. Im Humus ist es weniger.

1986 geschah das Reaktorunglück von Tschernobyl, und seither ist in manchen Gegenden Bayerns die Radioaktivität der obersten 10 cm von Waldböden um die Hälfte höher (40.000 Bq/m2), allerdings nicht für ewig. Schuld ist Caesium 137 mit 30 Jahren Halbwertszeit. Im Gegensatz zu Feldern und Wiesen hält sich das Caesium im Waldboden hartnäckig in den obersten 10 cm. Weiterlesen

Strahlenangst mit Fakten bekämpfen

Die gesellschaftliche Diskussion über Atommüll, Kernenergie oder Nuklearmedizin erfordert einen sachorientierten Umgang mit dem Thema Strahlung, meint der Nuklearia e.V. Den weitverbreiteten Ängsten vor Strahlung stellt der kernkraftfreundliche Verein in einem jetzt erschienenen Faltblatt Fakten entgegen. Sie zeigen: Niedrigstrahlung ist unbedenklich.

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Entsorgung radioaktiver Abfälle

Gastbeitrag von Dr. Hermann Hinsch

Um die Zusammenarbeit von Endlager-Kommission und Öffentlichkeit bei der Endlagersuche ging es am vergangenen Wochenende bei einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum. Dr. Hermann Hinsch war dabei und kommentiert die Tagung in diesem Gastbeitrag. Weiterlesen