BN-800 wird erstmals kritisch

Die Inbetriebnahme eines neuen Kernreaktors ist für die deutschen Medien offenbar kein Thema. Na gut, ich schreibe ja normalerweise auch nichts darüber, wenn in China mal wieder ein neuer Reaktor ans Netz geht – oder höchstens auf Twitter und Facebook. Aber der Reaktor, um den es hier geht, ist etwas Besonderes.   Der BN-800 im russischen Kernkraftwerk Beloyarsk ist nämlich ein sogenannter natriumgekühlter Schneller Reaktor, und er wurde am letzten Freitag (2014-06-27) erstmals kritisch, wie Russia Today meldet. »Kritisch« ist in diesem Zusammenhang etwas Gutes und bedeutet, daß der Reaktor eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion erreicht hat.

Plutoniumfresser

Die sonst üblichen Leichtwasserreaktoren nutzen nur ein bis zwei Prozent ihres Kernbrennstoffs, der BN-800 aber rund 50 mal soviel. Das, was bei Leichtwasserreaktoren zu »Atommüll« wird, ist für den BN-800 Brennstoff. Beim BN-800 im KKW Beloyarsk kommt noch eine Spezialität hinzu:  Sein Brennstoff besteht neben Uran auch aus Plutonium aus russischen Kernwaffen. Auf diese Weise wird das Waffenplutonium abgebaut, wie es von den USA und Rußland vereinbart wurde. Eine ausführliche Vorstellung des BN-800 haben Dominic Wipplinger und ich Ende 2013 auf der Nuklearia-Website veröffentlicht:

Leistungssteigerung

Im Moment läuft der BN-800 noch auf einem minimalen Leistungsniveau. In der nächsten Zeit werden Tests durchgeführt, und die Leistung wird nach und nach angehoben, bis sie voraussichtlich im Oktober ihr Maximum erreicht. Laut NucNet soll der Reaktor im nächsten Jahr den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Mit seinen 789 Megawatt (MW) ist der BN-800 der leistungsstärkste in Rußland gebaute Schnellreaktor. Das wird er allerdings nicht lange bleiben. Der erste BN-800 wird auch der letzte BN-800 in Rußland sein. Denn sowohl für das Kernkraftwerk Beloyarsk als auch für weitere russische Standorte sind bereits BN-1200-Reaktoren geplant, die mit jeweils 1.200 MW nochmals deutlich mehr Leistung bringen und das Niveau des Superphénix (Frankreich 1985 – 1998) erreichen.

Atommüll

Vielleicht schreiben deutsche Medien ja doch noch etwas zum BN-800. Obwohl: Können sie ihren Lesern wirklich die Tatsache zumuten, daß man Atommüll nicht für Jahrhunderttausende endlagern muß, sondern ihn in Schnellen Reaktoren zur Energieerzeugung nutzen kann? Daß man aus langlebigem Atommüll kurzlebigen machen kann? So etwas ist doch in Deutschland ein Tabu. Oder nicht?

Uran ist alle? Ach wo!

Dendriten aus metallischem Uran (Quelle: Argonne National Laboratory)

»Uran ist alle«, behauptet Guido Körber (aka @TheBug0815) in einem Blogbeitrag vom 2014-01-03 und beruft sich dabei auf eine IAEA-Studie von 2001. Er wundert sich, wie man angesichts der Gefährdung von Versorgungssicherheit und Preisstablität noch Kernkraftneubauten angehen könne.

Körber irrt gleich in mehrfacher Hinsicht. Weiterlesen

Reaktor BN-800 soll Plutonium vernichten

Blick in den Reaktorbehälter des BN-800 (Quelle: Atom Info)

Im russischen Kernkraftwerk Beloyarsk wird jetzt erstmals der Schnelle Reaktor BN-800 angefahren – ein Vorgang, der sich über längere Zeit hinziehen wird. Der BN-800 ist als Schneller Brenner ausgeführt und soll Plutonium aus russischen Kernwaffen vernichten.

Mehr zum BN-800 im Nuklearia-Blog in diesem Artikel von Dominic Wipplinger und mir:

Schneller Reaktor BN-800 wird erstmals angefahren

Schneller Reaktor BN-800 wird erstmals angefahren

Modell des BN-800-Reaktorbehälters (Quelle: Atom Info)

Von Rainer Klute und Dominic Wipplinger

Wie der russische Atomkonzern Rosatom per Facebook [1] und auf seiner Homepage [2] mitteilte, hat im Kernkraftwerk Beloyarsk der erste Anfahrvorgang des neuen Blocks 4 begonnen. Das Spannende daran: Beloyarsk 4 ist das erste Exemplar eines natriumgekühlten Schnellen Reaktors vom Typ BN-800. Zwei weitere Reaktoren dieses Typs sind für das KKW Sanming in China geplant. In Russland selbst wird es wohl bei diesem einen BN-800 bleiben. Dort setzt man bereits auf den Nachfolger, den weiterentwickelten BN-1200 [13].

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Darf Kernenergie umweltfreundlich sein?

»Darf Kernenergie umweltfreundlich sein?«, fragt die Deutsche Welle (DW)

Dual-Fluid-Reaktor

Der Beitrag der DW beantwortet die Frage nicht selbst, sondern überläßt die Antwort dem Leser. Der bekommt dazu gut recherchierte Informationen über den Dual-Fluid-Reaktor (DFR) an die Hand. Dieser Reaktor, der bislang erst auf dem Papier des Instituts für Festkörper-Kernphysik (IFK) existiert, entschärft langlebigen, hochradioaktiven Atommüll aus gebrauchten Brennelementen, indem er ihn als Brennstoff verwendet – Brennstoff, der nicht in Form fester Brennelemente vorliegt, sondern als geschmolzene Uran- oder Plutoniumchloridsalze beziehungsweise als Salze der übrigen Transurane. Diese Salzschmelze zirkuliert durch den Reaktorkern, wo die hitzeerzeugende Kettenreaktion stattfindet, und fließt dann durch eine interne Aufarbeitungsanlage, die kontinuierlich Spaltprodukte aus der Salzschmelze entfernt und frischen Brennstoff nachliefert. Weitere Informationen, etwa zur Kühlung oder zur Sicherheit des DFR, stehen im DW-Artikel und natürlich auf der DFR-Homepage. Letztere macht auch Aussagen zur Effizienz des DFR.

»Darf Kernenergie umweltfreundlich sein?« Natürlich nicht, sagen Marco Voigt und Sven Krüger

Den Initiatoren der GreenTec Awards ist Kernenergie im allgemeinen und der Dual-Fluid-Reaktor im besonderen ein Greuel. Da spielt es überhaupt keine Rolle, daß der DFR Atommüll vernichtet, die Radioaktivität auf der Erde vermindert, klimafreundlich und preiswert Strom und Sprit erzeugt, die Tür zur Hochtemperaturprozeßchemie öffnet und ganz neue Recycling- und Umweltverfahren erschließt. Nein, der DFR ist nuklear und damit per Definition und per Ideologie ungrün. Das reicht als Ausschlußkriterium von den GreenTec Awards. Was kümmern uns da die Fakten?

Allerdings hatten Krüger und Voigt bei der Bewerbung des DFR zu den diesjährigen GreenTec Awards zunächst übersehen, daß es sich um Nuklearkram handelt. Gut, das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wäre der Dual-Fluid-Reaktor unerkannt irgendwo in der anonymen Masse der rund 180 Bewerber geblieben. Aber das ignorante Internet-Volk mußte das Ding ja unbedingt per Online-Voting und mit überaus klarem Vorsprung in die Endrunde hieven! Das schmerzt wie ein Dorn im Fuß! Eine nachträgliche Regeländerung sollte den ungeliebten Bewerber aus dem Rennen werfen. Durch zwei Instanzen mußten die DFR-Macher gehen, um per einstweiliger Verfügung die Denominierung rückgängig zu machen und doch noch die Zulassung zur Endrunde zu erwirken.

Zuletzt jedoch der bittere Rückschlag für die Verfechter grüner Kernenergie: GreenTec gelang es, noch vor der Gala am heutigen 30. August einen Termin für eine mündliche Verhandlung in der Hauptsache am Landgericht Berlin zu bekommen. In dieser Verhandlung lehnte Einzelrichter Thiel (wie schon zuvor bei seiner Entscheidung zur einstweiligen Verfügung) das Ansinnen des IFK ab und gab Voigt und Krüger recht. Damit ist der DFR wieder draußen. Zwar legte das IFK sofort Berufung ein, doch hat das nun zuständige Berliner Kammergericht noch keinen Verhandlungstermin anberaumt. Höchstwahrscheinlich wird das Kammergericht wie bei der einstweiligen Verfügung erneut für den Dual-Fluid-Reaktor entscheiden, doch käme das für die Gala zu spät. Ein nachträgliches Urteil ist aber trotzdem wichtig: Es wäre nicht nur eine späte Genugtuung für das IFK-Team, sondern dürfte auch eine saftige Schadenersatzzahlung seitens GreenTec bedeuten. Dort nimmt man diese Möglichkeit wohl billigend in Kauf. Offenbar ist dafür auch genügend Geld in der grünen Kriegskasse. Hauptsache, man vermeidet eine öffentliche Präsentation des Dual-Fluid-Reaktors!

Immerhin haben die Greentecs dem IFR zwei Eintrittskarte »für Nominierte« ausgestellt – verbunden mit der Aufforderung, sich während der Gala friedlich zu verhalten. Dieser Bitte will das IFR-Team gern nachkommen. »In unseren Kreisen ist es eher üblich, sich durch begutachtete Veröffentlichungen auszutauschen, nicht durch faule Eier«, ist auf der Facebookseite des Dual-Fluid-Reaktors zu lesen.

»Darf Kernenergie umweltfreundlich sein?« Sie darf nicht nur, sie ist es, sagen Umweltschützer

Dabei berufen sich die Umweltschützer etwa auf eine Studie von James E. Hansen und Pushker A. Kharecha, die für den Zeitraum von 1971 bis 2009 vorrechnet, daß Kernenergie mehr als 1,8 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung verhindert hat. Gleichzeitig habe Kernenergie den Ausstoß von Treibhausgasen im Umfang von 64 Gigatonnen CO2-Äquivalent verhindert.

Überhaupt erkennen immer mehr Menschen, die eigentlich keine Kernkraftfreunde sind, daß Kernenergie für eine wirksame Bekämpfung des Klimawandels unverzichtbar ist. Prominentes Beispiel dafür ist Stephen Tindale, der sich nach 20 Jahren als Antiatomaktivist – davon fünf in der Leitung von Greenpeace UK – nun für Kernenergie einsetzt. Kernkraft sei nicht perfekt, aber allemal besser als Strom aus fossilen Energiequellen wie Kohle, Öl oder Gas. Und die erneuerbare Energien seien noch auf Jahrzehnte hinaus nicht in der Lage, eine 100-Prozent-Versorgung sicherzustellen, so Tindale. Dafür emittiere Kernenergie aber ebensowenig CO2 wie Windkraft und deutlich weniger als Solarenergie – von fossilen Energien ganz zu schweigen. Die britischen Liberaldemokraten sollten Kernenergie daher in ihr Parteiprogramm aufnehmen, plädiert Tindale.

Auch bei der Sicherheit kann Kernenergie punkten: Sie fordert pro erzeugter Strommenge weniger Opfer als sämtliche anderen Stromerzeugungsarten. Beispielsweise sterben durch Photovoltaik viermal mehr Menschen als durch Kernkraft. Fossile Energien liegen hinsichtlich der Opfer pro Terawattstunde ohnehin jenseits von Gut und Böse, besonders Kohle. Die guten Zahlen für Kernenergie gelten übrigens nicht erst für die künftigen, inhärent sicheren Kernreaktoren wie den Dual-Fluid-Reaktor, sondern bereits für die aktuellen Meiler.

Neuer Schwung

Der Dual-Fluid-Reaktor und die GreenTec-Awards-Posse haben neuen Schwung in die Kernkraftdiskussion in Deutschland gebracht, wie die jüngsten Veröffentlichungen in den Medien zeigen. Sogar ohne Präsentation bei den GreenTec Awards hat es der DFR immerhin in die Welt, die Wirtschaftswoche, die Technology Review, die Schweizer Weltwoche, die Neue Osnabrücker Zeitung, Telepolis und in den Bayernkurier geschafft – ganz zu schweigen von zahlreichen Blogs.

Für mich persönlich das eindrücklichste Aha-Erlebnis der letzten Wochen: Es gibt viel mehr Pro-Kernkraft-Leute, als ich vorher gedacht hatte! Und das ist eine echte Graswurzelbewegung mit lauter Enthusiasten, die sich um der Sache selbst willen engagieren und nicht, weil sie irgendeine Atomlobby vorgeschickt hätte. (Seit dem Abgang von Jürgen Großmann bei RWE gibt es in Deutschland sowieso keine Atomlobby mehr.) Einige Gleichgesinnte haben schon angekündigt, bei meinem Vortrag »Wohin mit dem Atommüll?« am 10. September in Erlangen dabei zu sein. Ich freue mich schon auf das persönliche Kennenlernen!

Die nukleare Graswurzel-Community hat in Sachen DFR vor und hinter den Kulissen einiges bewirkt, und ich habe das Vergnügen und die Ehre, Teil dieser Gemeinschaft zu sein und auch etwas beitragen zu können. Ich hoffe sehr, daß wir diesen durch den DFR induzierten Schwung nutzen können, daß wir gemeinsam Dinge tun, die einzelne nicht schaffen können. Die Antiatomaktivisten sind mit BUND, Greenpeace und so weiter derzeit noch viel besser organisiert als die Kernkraftbefürworter. Das muß sich ändern!

Da kommt die Idee gut an, nicht nur die AG Nuklearia als ungeliebtes Stiefkind der Piratenpartei zu haben, sondern den Nuklearia e.V. als parteiunabhängigen Verein zu gründen. Solch ein Verein kann auch Leute erreichen, die sich für Kernenergie einsetzen wollen, jedoch mit Politik nichts und mit den Piraten noch viel weniger am Hut haben. Die Vereinssatzung haben wir bereits fast fertig ausgearbeitet; weitere Schritte und die Gründung werden folgen. Wer mitmachen will, kann sich gern bei mir melden!

Pro-Atom-Knigge

“Ich habe bemerkt”, sagte Herr K., “dass wir viele abschrecken von unserer Lehre dadurch, dass wir auf alles eine Antwort wissen. Könnten wir nicht im Interesse der Propaganda eine Liste der Fragen aufstellen, die uns ganz ungelöst erscheinen?”
–Bert Brecht

 

In diesem Artikel möchte ich auf einige Unarten hinweisen, die meiner Beobachtung nach unter Pro-Atom-Aktivisten recht verbreitet sind – nicht allein deshalb, weil sie stören und mir schlechter Stil zu sein scheinen, sondern auch, weil sie uns in ein schlechtes Licht rücken und unglaubwürdig erscheinen lassen.
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Dual-Fluid-Reaktor: Der Streit geht in die nächste Runde

Wie berichtet, haben die Macher des Dual-Fluid-Reaktors, also das Institut für Festkörper-Kernphysik, eine einstweilige Verfügung erwirkt, die den DFR für die Endrunde der GreenTec Awards nominiert. Nun gilt eine einstweilige Verfügung allerdings, wie der Name schon sagt, nur einstweilig, nämlich bis ein reguläres Gerichtsurteil in der Sache ergangen ist.

Gerichte sollten einem Verfahren Priorität einzuräumen, wenn eine einstweilige Verfügung erlassen wurde. Deshalb hat das Landgericht Berlin zügig einen ersten Verhandlungstermin angesetzt, und zwar den nächsten Mittwoch, 21. August, 13:00 Uhr – also vor der GreenTec-Gala am 30. August.

Ort der Verhandlung ist das Landgericht Berlin, Tegeler Weg 17–21, 10589 Berlin. Die Geschäftsführer der beiden Parteien müssen anwesend sein.

Es bleibt spannend!

GreenTec-Info zum DFR-Gerichtsbeschluß

Mir wurde heute anonym, aber vermutlich von einem Jury-Mitglied der GreenTec Awards, ein Text zugespielt, in dem die Veranstalter der GreenTec Awards, Sven Krüger und Marco Voigt, die Jury-Mitglieder über den Gerichtsbeschluß zum Dual-Fluid-Reaktor informieren. Für die Echtheit kann ich natürlich nicht bürgen, finde den Text aber in sich plausibel. Ich will ihn der interessierten Öffentlichkeit daher nicht vorenthalten.

Gleichzeitig danke ich dem unbekannten Jury-Mitglied sehr herzlich! Wie schön, daß es noch Menschen gibt, die noch nicht der grünen Ideologie verfallen sind, sondern sich zum einen gegen Regelmanipulationen wenden und sich zum anderen für eine sachliche und objektive Prüfung sämtlicher Projektvorschläge einsetzen – auch solcher, die mit Kernphysik zu tun haben!

Falls weitere Jury-Mitglieder dies hier lesen und die Echtheit des Schreibens bestätigen könnten, wäre das schön!

Hier nun der Text:

Sehr geehrte Jurymitglieder,

wenige Wochen vor der diesjährigen Veranstaltung dürfen wir Ihnen berichten, dass sich die Vorbereitungen in der finalen Phase befinden, mit der Telekom Repräsentanz eine fantastische Location gefunden wurde und wir uns auf eine emotionale Veranstaltung mit tollen Projekten, herausragenden Siegern, spannenden Teilnehmern und einer inspirierenden Gala freuen. Falls noch nicht geschehen, bitten wir Sie, sich für die Veranstaltung zu registrieren oder uns eine kurze Absage zu senden.

Wir möchten ebenfalls die Gelegenheit nutzen, Ihnen mitzuteilen, dass wir uns bezüglich Zeit und Ort der GreenTec Awards 2014 festgelegt haben. Wir sind stolz Ihnen hier die Kooperation mit der Messe München anzukündigen – die Awards 2014 werden im Vorfeld der Messe IFAT (weltweit größte Umweltmesse mit den Themenschwerpunkten Ver- und Entsorgung sowie Wasser) am 04. Mai 2014 in München stattfinden. Wir wechseln damit den Turnus hin zum Frühjahr und planen die Jurysitzung für den 25. Februar 2014. Die Zusammenarbeit mit der Messe München verspricht eine nochmal gesteigerte Bekanntheit in den relevanten Branchen und Schritte hin zu einer verbesserten internationalen Wahrnehmung.

Leider haben wir auch einen negativen Berichtspunkt. Dem Projekt “Dual Fluid Reaktor” des DFR ist es gelungen, mittels einer einstweiligen Verfügung die Entscheidung der Jury zu negieren und Stand heute die Teilnahme an den Awards zu erzwingen. Leider haben wir erst gestern per Einschreiben hiervon erfahren und hatten bislang keine Gelegenheit, unsere Argumente vorzutragen. Wir prüfen nunmehr unsere rechtlichen Optionen, wollen aber diese Verfügung unbedingt anfechten. Da wir nicht wissen, ob wir hiermit vor den Awards Erfolg haben werden, planen wir:

1. morgen die beiliegende Ergänzung in der Erläuterung des Wettbewerbsprozesses vorzunehmen (um gegenüber Dritten die Seriösität der Awards zu betonen)

2. gemäß der richterlichen Verfügung einen vierten Nominierten auf unsere Website zu nehmen (mit dem Hinweis auf besagte richterliche einstweilige Verfügung)

3. das Projekt mit dem Hinweis auf die richterliche einstweilige Verfügung bei den Awards in der Kategorie zu benennen und kurz in unseren Worten zu beschreiben (keine Videotrailer!).

Wir überlegen ferner, zwei Vertreter des Projektes des DFR zu den Awards einzuladen. Dies beinhaltet ausdrücklich keine Nominierung – nach unserer Einschätzung ist unser Vorgehen rechtens und wir wollen mit aller Kraft das Votum der Jury umsetzen. Von dieser Einladung versprechen wir uns mehr Transparenz. Wir entschuldigen uns für eventuelle Schreiben des DFR an Sie als Jurymitglieder und raten nach Rücksprache mit PR-Verantwortlichen von einer Reaktion Ihrerseits ab.

Die hier vorgeschlagenen Schritte werden aktuell durch unseren juristischen Partner Wegner Ullrich Müller-Helle & Partner geprüft bzw. vorbereitet.

Selbstverständlich informieren wir Sie über den aktuellen Stand bzw. werden Ihnen im Vorfeld der Awards ein kurzes Briefing zusenden.

Wir freuen uns über jegliche Unterstützung.

Herzliche Grüße

Sven Krüger & Marco Voigt

Einstweilige Verfügung: Dual-Fluid-Reaktor nun doch für GreenTec Awards nominiert

Berliner Kammergericht: Rauswurf des Dual-Fluid-Reaktors aus Umweltwettbewerb nicht rechtens. GreenTec Awards müssen Denominierung zurücknehmen.

Bei Wettbewerben ist es üblich, den Rechtsweg auszuschließen. Unüblich ist jedoch, die Regeln während des laufenden Wettbewerbs zu ändern, um einen mißliebigen Kandidaten am Weiterkommen zu hindern. Wer so etwas tut, kann durchaus vor dem Kadi landen, ganz egal, ob er den Rechtsweg ausgeschlossen hat oder nicht.

Das mußte gerade der renommierte Umweltpreis GreenTec Awards erfahren. Ein Online-Publikumsvotum nominierte den Dual-Fluid-Reaktor (DFR) des Berliner Instituts für Festkörper-Kernphysik (IFK) für die Endrunde.

»Der DFR entspricht genau den Kriterien der GreenTec Awards«, schwärmt Dr. Götz Ruprecht vom IFK. Der Reaktor sei umweltfreundlich, nachhaltig und ökonomisch, indem er ohne CO2-Emissionen und bei geringstem Flächenverbrauch große Mengen preiswerten Strom und Kraftstoff erzeugt. Und er beseitige Schadstoffe, nämlich den Atommüll bestehender Kernkraftwerke. »Der DFR zählt zu den Schnellspaltreaktoren und kann diese Abfälle daher als Brennstoff nutzen«, erläutert der Kernphysiker. »Mit den heute üblichen Kernkraftwerken geht das überhaupt nicht. Der DFR aber macht es sogar noch auf eine besonders effiziente Weise.«

Veranstalter und Jury der GreenTec Awards mochten sich dieser Sichtweise jedoch nicht anschließen. Sie konnten sich ausgerechnet einen Kernreaktor in der Endrunde ihres grünen Wettbewerbs nicht vorstellen. Daher konstruierten sie eine nachträgliche Regeländerung und warfen den DFR aus dem Rennen. Das Publikumsvotum sollte nichts mehr gelten, sondern allein die Entscheidung der Jury.

Doch diese Denominierung müssen die GreenTec Awards wieder rückgängig machen, beschloß das Berliner Kammergericht in zweiter Instanz (Az. 25 W 22/13) und gab dem Antrag der DFR-Macher auf einstweilige Verfügung statt. Die Greentec Communications GmbH muß das Ergebnis der Online-Abstimmung hinnehmen, den DFR gemäß der ursprünglichen Wettbewerbsregeln behandeln und ihn für die Endrunde zulassen. Die Jury muß daher erneut über den Gesamtsieger abstimmen und den Dual-Fluid-Reaktor dabei als Kandidaten berücksichtigen. Außerdem hat der DFR das Recht auf einen Filmbeitrag durch ProSieben und auf eine angemessene Präsentation bei der GreenTec-Awards-Gala am 30. August. Der Beschluß ist unanfechtbar; Greentec Communications trägt die Kosten des Verfahrens.

Ausführliche Informationen über den Dual-Fluid-Reaktor finden sich nicht nur auf dessen Homepage, sondern auch in der dreistündigen Tonaufzeichnung des Nuklearia-Mumbletreffens vom 27. Juni 2013.

International bekannt wurde die Posse um die GreenTec Awards durch meinen Blogbeitrag “How To Stash A Nuclear Reactor Away”. Dort sind auch sämtliche anderen mir bekannten Beiträge zu dieser Affäre verlinkt.

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