Atom-Duell: Döschner kneift – und wir wissen, warum!

Von Dr. Anna Veronika Wendland

Die Nuklearia hat heute abend allen Grund, eine Flasche Sekt aufzumachen. Jürgen Döschner, der WDR-Energieexperte, der den Großteil seiner Energie auf das Skandalisieren der Kernenergie verwendet, sieht sich nicht in der Lage, als Diskutant eines Streitgesprächs über die Kernenergie die Klinge mit uns zu kreuzen. Und warum?

Nicht etwa, weil er keine Zeit hätte oder keine Lust. Und auch nicht, weil er etwa feige kneifen wolle, wie die meisten Leser auf Twitter und Facebook ihm unfreundlicherweise unterstellen.

Sondern: weil er »Journalist« sei, nicht etwa Vertreter einer Meinung. Schon gar nicht einer Meinung zur, oder – Gott bewahre –, gegen die Kernenergie. Da fragt sich der Döschner-Exeget im Reaktorfahrer: Was für Transienten fährt der Mann eigentlich gerade? Meint er es so, wie alle von Petry bis Kässmann: »Ich habe es zwar genau so gesagt, aber das Volk hat mich einfach nicht verstanden«?

Oder ist dieser linguistische Massendefekt doch tiefer begründet? Unser bescheidener, schon leicht verstrahlter Verstand stellt also weitere Vermutungen an. Haben wir womöglich den Herrn Döschner all die Jahre hindurch einfach missverstanden? Waren seine endlosen Paraden von Schrott-, Riss- und Bröckelreaktoren, die täglich dräuenden Super-GAUs über Aachen und Freiburg, das zu warme Notkühlwasser der Osteuropäer und das zu kalte Profitkalkül der Gronauer Brennelementbauer – waren all diese nuklearen Greuel, denen Döschner so viele Sendeminuten gewidmet hat, dass die Zeit glatt ausreichen würde, um währenddessen eine Ladung Atommüll vollständig abklingen zu lassen, waren sie nur Produkt unserer Phantasie, die den auslegungsgemäßen Siedeabstand überschritten hat?

Oder, halt, war das am Ende einfach nur der übliche Zungenschlag eines zu Sachlichkeit und Unparteilichkeit angehaltenen und deswegen von uns finanzierten öffentlich-rechtlichen Journalismus? Wir meinen: nein, und nochmals nein, weit gefehlt! Wir von der Atomlobby sind zwar keine ausgebildeten Tiefenpsychologen, aber wir vermuten hier eine ganz anders gelagerte Motivik.

Hinter all den Atom-Aversionen des Jürgen D., so unsere Hypothese, steckt in Wirklichkeit ein verhinderter Nuklearier. Ein Mensch, dessen körperlich-intellektuelles Dasein mit seiner seelischen Identität nicht zusammenfindet, sozusagen ein Transgender der Kerntechnik. Ein leidendes Individuum, das sich in der Tiefe seines Herzens danach sehnt, in den warmen Umarmungen eines gut durchgeheizten KKW-Kontrollbereichs die Nachtschicht zu durchschlummern, mit einem Overall als Kopfkissen und einem Satz Borsäuresäcke als Matratze. Ein einsamer Wolf, der, statt im WDR-Büro auf seinen Bildschirm zu starren und die Likes unter seinen Facebook-Einträgen zu zählen, lieber im Kontrollraum eines Reaktorblocks säße, mit vierzig Monitoren vor der Nase und, Gipfel der Begierde, der Reaktorschnellabschaltung auf Armeslänge. Von den Revisionen ganz zu schweigen, wo man die RESA sogar auslösen darf, ohne dafür auf die Finger zu kriegen.

Kurzum: Sei uns nach dieser Absage doppelt willkommen, lieber Jürgen Döschner! Denn: Wir verstehen Dich. Wir werden weiter Deine Texte lesen und Deine Filmchen schauen. In unseren Hilfsanlagengebäuden gibt es heimlich aufgehängte Döschner-Pinups auf verborgenen Nebenleitständen. Wir halten immer einen Podiumsplatz in unserem Herzen für Dich frei, unsere Personenschleusen stehen für Dich offen, und wenigstens ein Notkühlsystem-Strang ist bei uns immer für Dich beheizt.

Literaturtipps



Dr. Anna Veronika Wendland

Dr. Anna Veronika Wendland ist Historikerin mit einem kerntechnischen Arbeitsschwerpunkt, der sie ab und zu in das Innere von Kernkraftwerken führt. Im Nebenjob ist sie Beauftragte für Atom-Steampunk der Nuklearia.

5 Gedanken zu „Atom-Duell: Döschner kneift – und wir wissen, warum!

  1. Wäre man denn bereit von Seiten Nuklearia andere Diskussionspartner einzuladen, die kritisch zur Kernenergie stehen?

      • Interessant. Welche Expertise sollte der Diskussionspartner zu dem Thema haben? Ich vermute mal, dass er zumindest beruflich mit der Kernenergie zu tun haben sollte und verschiedene Aspekte bzgl. der Anwendung untersucht hat.

        Ich selbst bin nur ein interessierter Laie, der beruflich nichts mit Kernenergie zu tun hat, aber zur funktionalen Sicherheit von Anlagen und Maschinen was sagen könnte. Zudem sehe ich bekanntermaßen verschiedene Aspekte bei der Nutzung der Kernenergie kritisch.

        Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Suche und dann eine interessante, inhaltliche Diskussion.

  2. Darf man bei bzw. zu so einem ernsten Thema satirisch schreiben? Ich meine: ja! Und das obwohl ich manche Dinge doch deutlich anders wahrnehme und interpretiere als Frau Wendland. Schöner Artikel, (auch) zum Schmunzeln.

    Bedenklich, dass Journalisten nicht einmal merken oder zugeben, dass sie eine eigene Meinung haben, die natürlich auch zu einseitiger Wahrnehmung führt. Gerade dann sollte man nämlich versuchen vernünftig zu rescherschieren, um das zumindest teilweise zu kompensieren.
    Statt die – meiner Meinung nach – durchaus vorhandenen sehr negativen und potenziell gefährlichen Aspekte der aktuellen Kernenergienutzung zu thematisieren, spielen manche vermutlich lieber mit der Angst iher Leser auf Basis im besten Fall vereinfachter, eventuell aber sogar verdrehter Sachverhalte und blenden dabei weit problematischere, berichtenswerte Sachverhalte völlig aus.
    Ich kenne wohlgemerkt die Artikel bzw. Sendungen von Herrn Döschner nicht im Detail, sondern nur vom höheren Sagen und kann nicht beurteilen, ob meine letzten Ausführungen auch auf ihn zutreffen.
    Sei dies wie es will. Als offensichtlicher Kernkraftgegner zu behaupten keiner zu sein … da erscheint mir eine Reaktion wie hier von Frau Wendland jedenfalls durchaus angebracht und auch in ihrer Art sehr passend. 😉

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