Abschied vom Kernkraftwerk Grafenrheinfeld: Eine Außensicht

Gastbeitrag von Dr. Anna Veronika Wendland

Am 27. Juni ist es soweit. Das fränkische Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) geht nach einer längeren Phase des Streckbetriebs vom Netz, »das Feuer geht langsam aus«, wie die Lokalpresse kommentierte. Die Main-Post schaltet einen Countdown über die letzten Tage, in denen das Kraftwerk noch Strom produziert, und in Schweinfurt hat man das »Abschaltfest« bereits gefeiert, ohne aufs Abschalten gewartet zu haben. Eine Mischung aus Voyeurismus und Schadenfreude dominiert in der Öffentlichkeit, während mehrere schlichte Tatsachen nicht zur Sprache kommen: dass hier über 30 Jahre lang mit größtenteils phantastischen Verfügbarkeitsraten störfallfrei und klimafreundlich Strom produziert wurde, und dass an diesem Kernreaktor nicht nur Turbosatz, Maschinentrafos und Hochspannungsleitungen hängen, sondern auch Menschen, Biographien, Kreativität, harte Arbeit, und, ja, auch regionale Identitäten.

Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (Foto: Rainer Reelfs)

Die Grünen denken schon an die Grüne Wiese, die sie anstelle des KKG sehen wollen: man will die Geschichte möglichst schnell ungeschehen machen. Nicht mal ein technikgeschichtliches Denkmal will man dulden – das Ding soll verschwinden. Diejenigen, die sich trauen, anderes zu sagen, kommen größtenteils aus dem Umfeld des KKG. Die deutsche Kernenergie stirbt leise. Keine Belegschaften streiken wütend und mit einem letzten Aufbäumen – man ist loyal bis zur letzten Kilowattstunde. Keine Politiker lassen sich blicken, auch nicht jene, die noch zum 25. des KKG auf der Gästeliste standen und Reden schwangen. Nur ganz wenige trauen sich, über die Kernenergie zu sprechen, ohne vor die eigene Aussage eine Verwerflichkeitspräambel zu schalten. Der Abschied vom KKG – still und melancholisch auf der einen Seite, schrill und höhnisch auf der anderen – ist das Symptom einer kollektiven Zwangs-Amnesie. Man will nichts mehr zu tun haben mit einem Stück deutscher Wirtschafts-, Technik- und Regionalgeschichte. Es soll einfach weg.

Aus der Außensicht mutet das alles bizarr an. Meine Außensicht ist eine besondere. Ich bin keine Ingenieurin und keine Physikerin, aber ich arbeite derzeit in einem Forschungsprojekt zur Geschichte der Kernenergie in Osteuropa viel mit Ingenieuren und Physikern. Und ich betrachte den Ausstiegs-Countdown in Franken aus dem Ausland. Ich schreibe diesen Text in einer ukrainischen Atomstadt – der Werksstadt eines großen Kernkraftwerks, Riwne, das ungefähr zur selben Zeit wie das KKG gebaut wurde. Heute stehen hier vier WWER-Blöcke sowjetischer Bauart, der Betrieb ist der größte der Region, die hier die Größe eines Bundeslandes hat, und er hat im letzten Kriegswinter dabei geholfen, dass in der Ukraine dann doch nicht die Lichter ausgingen. Ich arbeite derzeit als „participant observer“ bei der Revision eines der 1000-MW-Blöcke.

Aus dem hiesigen Blickwinkel ist alles anders: Die Kernenergie ist hier, trotz der Nachbarschaft zu Tschernobyl, unangefochten. Man weiß: die Kohle hat ausgedient, und der Krieg im Donbass hat ihr den Rest gegeben. Man möchte aber ein Industrieland bleiben und nach Europa gehen. Im Kraftwerk hat man in den letzten zwei Jahrzehnten eine Menge dafür getan. Es gibt europäische Nachrüstungs- und Modernisierungsprogramme, und technisch werden die Blöcke mit jeder Modernisierung internationaler, von der ungarischen Lademaschine über Sicherheitsventile aus Deutschland und Absperrarmaturen aus Frankreich. Aus der hiesigen Perspektive erscheint der deutsche Atomausstieg als Luxus-Marotte aus einem Land, in dem sich die Entscheider sonderbare Dinge erlauben. Die hiesigen Ingenieure waren zu Informations- und Fortbildungszwecken häufig zu Gast in deutschen Kernkraftwerken. Als ich von Grafenrheinfeld erzähle, fragen mich immer wieder: »Ist das wirklich euer Ernst? Wie kann man solche Anlagen nicht mehr wollen? Was ist mit den Deutschen los? Aber na ja, ein Volk, das seine Hauptstadt für teuer Geld verlegt, kann sich vielleicht auch leisten, seine Kernkraftwerke zu verschrotten, auch wenn sie die besten der Welt sind.« So denken die Osteuropäer, aber auch sie haben nicht geschlafen: in den letzten Modernisierungsstufen hat die ukrainische Leittechnik jene von Siemens aus den 1990ern schon wieder abgelöst, und in Russland ist die Kerntechnik heute eins der wenigen konkurrenzfähigen Exportprodukte, vor dem sich auch der EPR warm anziehen muss.

Das osteuropäische Urteil über uns Deutsche, die sich die Ausstiegsmarotte eben leisten könnten, stimmt jedoch nicht. Nein, wir können es uns nicht leisten. Das KKG ist das erste Kernkraftwerk, das nach der unmittelbaren Post-Fukushima-Panikattacke der deutschen Energiepolitik geplant vom Netz geht. 2011 mussten in einer rechtlich umstrittenen Moratoriums-Aktion die damals ältesten Blöcke im Schnellverfahren stillgelegt werden, die übrigen wurden einem »Stresstest« unterzogen, den Grafenrheinfeld auch bestand. Doch nun folgen, nach dem Altersdogma ohne Berücksichtigung eines technisch möglichen Alterungsmanagements, die deutschen Vor-Konvoi-Anlagen, die Anfang der 1980er in Betrieb gingen. Der Plan wird abgearbeitet, so wie er 2011 beschlossen wurde – allerdings hat sich das Umfeld seitdem grundlegend verändert.

Deutschland hält an seinem Ausstiegsplan fest – aber es kann im fünften Jahr von dessen »Laufzeit« bereits eine Teilbilanz ziehen. Besser gesagt: es könnte, wenn es in der Lage wäre, unangenehmen Realitäten ins Auge zu schauen. Irgendwie funktioniert nämlich nichts so, wie man sich das 2011 vorgestellt hatte. Schon damals gab es die warnenden Stimmen, die sowohl vor Problemen bei der Netzplanung als auch, angesichts der Preis- und Marktstruktur unserer Stromwirtschaft, vor einer Refossilisierung warnten: Während Milliardensubventionen in die Erneuerbaren flössen, ohne für echte Versorgungssicherheit zu sorgen, würde es keinesfalls der grüne, sondern der schwarze Strom sein, der die CO2-armen Kernenergiekapazitäten ersetze. Und so ist es im Großen und Ganzen auch gekommen. Weder sind die Umgestaltung der deutschen Verbundnetzstruktur und der Leitungsbau so vorangekommen, wie man sich das 2011 gedacht hatte, noch haben wir etwas für unsere selbst auferlegten Klimaziele getan.

Aber schon gar nicht – und hier ist wiederum die Außensicht wichtig – schon gar nicht ist es Deutschland gelungen, den Trumpf auszuspielen, den die Befürworter der Energiewende stets aus dem Ärmel zogen, wenn die technologischen und ökonomischen Argumente unter Kritik gerieten: Man müsse nur ein wenig warten, so das Argument, und die Welt würde unserem Vorbild folgen, und wir könnten dann aus unserem Atomausstieg ein ökonomisches Erfolgsmodell machen: denn die anderen, die Langsamen und weniger Einsichtigen, würden früher oder später auch zur Erleuchtung kommen und dann alles an Know-How und Ausrüstung bei uns kaufen, so wie sie heute unsere BMW-Limousinen kauften.

Wie diese Geschichte endete, wissen wir inzwischen auch, nach der Krise der deutschen Photovoltaik-Industrie, die ohne Subventionen nie konkurrenzfähig war und es nun auch mit ihnen nicht mehr ist. Selbst kernenergiekritische Technikhistoriker wie Joachim Radkau warnen: Die deutsche Energiewende könnte wegen fehlender Steuerung und inkonsistenter Technologie- und Subventionspolitik genauso enden wie die deutsche Kernenergie, mit »Aufstieg und Fall«, so der Titel des Radkau-Werks über die deutsche Atomwirtschaft. Für viele aufstrebende Volkswirtschaften in Asien und Lateinamerika, aber auch für Osteuropa ist daher der deutsche Sonderweg nicht attraktiv. Sie setzen auf die Kernenergie und sie sind, anders als die Deutschen, auch der Ansicht, dass die Kerntechnik, wie alle Technologien, entwicklungsfähig ist.

Das Aus für das KKG ist insofern vielleicht eine dieser Wegmarken, die wir erst im Nachhinein als solche erkennen werden: der Point of no return, ab dem eine spätere Richtungsänderung nicht mehr möglich sein wird, weil der einmal eingeschlagene Pfad, einem systemimmanenten Trägheitsgesetz folgend, einfach weitergegangen wird: Wir haben doch jetzt schon so viel Geld hineingesteckt, da können wir doch jetzt unmöglich sagen: Es war ein Fehler!

Es wird der Tag kommen, an dem sich die Stimmen mehren werden: Ja, es war der Jahrhundertfehler der Regierung Merkel, bei einer ansonsten anständigen Bilanz dem emotionalen Druck und der Trägheit des Denkens nach Fukushima keine Gegenkräfte entgegengesetzt zu haben. Etwa mit dem Hinweis, dass solche für Generationen geltenden Entscheidungen nicht übers Knie gebrochen werden dürfen; mit dem Hinweis, dass man Unternehmen nicht ohne Schaden für die Rechtskultur enteignen kann, nur weil einem ihr Produktionsmittel politkonjunkturbedingt nicht mehr passt; mit dem Hinweis, dass, wer das Klima schützen, ein Industrieland bleiben und Sicherheit haben möchte, eben entweder in die Altanlagen investieren muss, solang man diese auf dem Stand der Technik halten kann, oder aber neue Kernkraftwerke bauen sollte, die als beherrschbaren Auslegungsstörfall kennen, was in früheren Zeiten als »Super-GAU« bezeichnet wurde. Oder die technologisch nach anderen Prinzipien arbeiten als unsere herkömmlichen thermischen Leichtwasserreaktoren: Hochtemperaturreaktoren für duale industrielle Zwecke und den Wärmemarkt, kleine modulare Anlagen für Netze, in denen Kernenergie und Erneuerbare komplementär arbeiten, schnelle Reaktoren für eine optimale Brennstoffausnutzung und -wiederverwertung, Thorium-Technik, die das Proliferationsproblem angeht.

Womöglich wird es bald sogar (wieder) Linke und Umweltschützer geben, die – entgegen dem alten Dogma vom »Atomstaat« – erkennen, dass Erneuerbare nicht notwendig der Pfad zu »guter« Dezentralisierung und folglich »demokratischer« sind als die Kernenergie, sondern dass es im Kern um die Besitz- und Kontrollverhältnisse geht und nicht um den per se demokratischen oder undemokratischen Charakter einer Form der Energieumwandlung. So gesehen kann man auch ein Kernkraftwerk als Gemeingut betreiben. Nicht notwendigerweise ist die profitorientierte Aktiengesellschaft der beste organisatorische Rahmen für die Kerntechnik in einer demokratischen Gesellschaft, und der Shareholder value ihr bester Ratgeber. Auch darüber wird zu reden sein, über die Rolle des Staates als Steuerungsinstanz einer zukunftsfähigen Energieversorgung.

Der Physiker Alvin Weinberg hat einmal vor »technologischem Tribalismus« gewarnt, vor der Ausspielung einer Technologie gegen die andere mit fragwürdiger moralisch-ethischer Verbrämung, und einem selbstauferlegten Kommunikationsverbot unterschiedlicher Ingenieurs-»Stämme«. Er plädiert für die Lösung des Klimaproblems durch eine intelligente Kombination von nuklearer und »erneuerbarer« Energieumwandlung. Weinberg gehört zu denjenigen, die sich das Denken in ungewöhnliche Richtungen nicht verbieten lassen. Wir sollten es auch wieder lernen.


Dr. Anna Veronika Wendland arbeitet am Herder-Institut für Historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg, einem Institut der Leibniz-Gemeinschaft, und lehrt an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie schreibt ihre Habilitationsschrift zur Technik- und Sozialgeschichte der osteuropäischen Kernenergie am Beispiel einer Fallstudie in der Ukraine. Sie hat zu diesem Zweck zwischen 2013 und 2015 mehrmals für mehrere Wochen als »Teilnehmende Beobachterin« im KKW Riwne gearbeitet.

18 Gedanken zu „Abschied vom Kernkraftwerk Grafenrheinfeld: Eine Außensicht

  1. Ja, unsere sogenannte Energiewende sorgt wohl in der ganzen Welt für Verwunderung und sogar Gelächter, werden doch überall in der Welt jetzt neue Reaktoren, vor allem die Hochtemperaturreaktoren gebaut, ich glaube, insgesamt 400 an der Zahl. Sogar der Greenpeace-Vorsitzende hat einmal gesagt, daß Kernenergie die sauberste Energie ist. Aber unser ganzer Ausstieg findet lediglich aus ideologischen Gründen statt und unsere Kinder werden es eines Tages ausbaden müssen, weil sie nämlich aus anderen Ländern ihren Strom beziehen müssen und dadurch abhängig werden. Kinder, kauft euch frühzeitig Kerzen, woran ihr euch Hände und Füße wärmen könnt. Es ist eine Schande, was Politiker, vor allem die Grünen (die total überflüssig sind) über uns bringen. Es gibt keine Staatsmänner mehr (oder Staatsfrauen), sondern Hampelmänner. Wollen sie uns umbringen? Die ganze Welt fragt sich, was mit den Deutschen los ist. Tja, das Volk der Dichter und Denker ist nicht mehr und die Deutschen lassen sich das gefallen. Armes Deutschland!

    • Frau Kaiser die genannten Fakten sind falsch. Leider.
      Die Politiker wollen uns sicherlich nicht umbringen, sondern von uns wiedergewählt werden. An der Stelle ist anzusetzen.

      • Exakt Herr Harald Borras! Es wurde nur das gemacht, was das Volk wollte. Vergessen wir auch nicht, dass ein unaufgeklärtes und ängstliches Volk sehr zerstörerisch für eine Partei sein kann. Aufklärung wäre dennoch auf langer Sicht wohl besser gewesen; folglich sind die Entscheidungen auch nachvollziehbar – meistens.

  2. Das KKG ist, war auch in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein und vielleicht DER Höhepunkt in der Geschichte der deutschen Leichtwasserreaktortechnik und insbesondere auch in der Reaktorsicherheitstechnik, es ist wohl eine der wenn nicht die modernste und auch sicherste Anlage seiner Generation weltweit und wäre noch lange weder am Ende seiner technischen noch seiner wirtschaftlichen Lebensdauer.

    Mit dem KKG wurde etwa erstmals das Konzept der „Basissicherheit“ umgesetzt, der Reaktordruckbehälter des Kernkraftwerks wurde so konstruiert das ein spontanes Versagen unmöglich ist. Auch im Bezug auf den Schutz vor Einwirkungen von außen wie etwa Flugzeugabstürze oder Überflutungen wurden neue Maßstäbe gesetzt, eine optimierte Materialwahl ermöglichte es die radioaktive Belastung des Primärkreislaufs erheblich zu reduzieren. Bereits während der Bauzeit wurden auch einige neue Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigt die infolge der Lehren aus dem Reaktorunfall von Harrisburg gezogen wurden.

    Doch das ist nicht alles: Der neu konstruierte Reaktordruckbehälter wurde auch im Bezug auf eine höhere Lebensdauer optimiert. Nach heutigem Kenntnisstand sollte er mindestens 100 Vollast-Betriebsjahre aushalten bevor er so weit gealtert ist das die Anforderung der Basissicherheit nicht mehr erfüllt werden kann. Wirtschaftlich erscheint aus heutiger Sicht und im internationalen Vergleich ein Betrieb für mindestens 60 Jahre sinnvoll. So gesehen wird das KKG quasi in seinen besten Jahren stillgelegt.

    Das KKG überzeugte auch während seiner gesamten Betriebszeit und insbesondere in auch in seinen letzten Jahren durch eine im internationalen Vergleich hervorragende Anlagenverfügbarkeit und eine hervorragende Stromproduktionsleistung. Entsprechend war es auch wirtschaftlich sehr profitabel.

    Das mit diesen hervorragenden Eigenschaften wurde das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld zur Referenzanlage der 1300MW Druckwasserreaktorbaulinie der Kraftwerkunion auch bekannt als „Vor-Konvoi“. Auf dieser Basis wurden die erfolgreichen Kernkraftwerke Grohnde, Philipsburg 2 und Brokdorf sowie Angra 2 in Brasilien errichtet (sowie Angra 3 welches sich nach einem zwischenzeitlichen Baustopp noch in Bau befindet). Auch das Kernkraftwerk Trillo in Spanien basiert auf einer Abwandlung dieses Designs. Mit einigen -vor allem bautechnischen- Verbesserungen, vor allem aber Standardisierungen wurde auf Basis dieser Anlagen die „Konvoi“-Baulinie der KWU entwickelt von der die Kernkraftwerke Emsland, Neckarwestheim-2 und Isar-2 errichtet wurden. Das Reaktorsystem des Konvoi ist aber gegenüber dem Vor-Konvoi wie vieles andere an diesen Anlagen praktisch baugleich; das Vorbild Grafenrheinfeld wurde als so perfekt angesehen das man in den 1980er und 1990er Jahren kaum einen Bedarf für eine grundlegende Weiterentwicklung sah. Auch das Reaktorsystem des EPR basiert auf der KWU 1300MW Standardbaulinie (und damit auf dem KKG wenn man so will) und nicht auf dem französischen N4 Reaktor- nun allerdings durchaus mit gewissen Weiterentwicklungen und vor allem größeren Leistungsreserven.

  3. Das ist alles sehr gut gesagt, nur zu dem Wort „radioaktive Belastung“ gibt es etwas zu sagen: Dieses Bezeichnung unterstellt, daß Radioaktivität zu einer „Belastung“ führt. Das ist falsch, das war von Anfang an in den 1950-er Jahre schon falsch. Die „Belastung“ ist nur eine Annahme, leider hat sich dieses falsche Wort eingebürgert. Radioaktivität ist nur in sehr wenigen und seltenen Fällen eine „Belastung“, wenn nämlich die Dosis und Dosisleistung sehr sehr sehr hoch sind. Das hatte schon Paracelsus vor 500 Jahren gewusst, nur in den Vorschriften zur Kerntechnik ist das alles wieder vergessen. In vielen Schriften, Büchern, Broschüren gibt es die irreführenden Abschnitte zur „natürlichen Strahlenbelastung“, welch ein Unfug. In der Natur gibt es schon gar keine Strahlen“belastung“. Ich empfehle meine Berichte in http://www.buerger-fuer-technik.de zu lesen.

  4. Die viel zu frühe Abschaltung eines intakten, ständig gewarteten Kernkraftwerks, dazu von grün/roten Ideologen in den Aufsichtsgremien pro Jahr mit kostenintensiven, z.Teil völlig sinnlosen Nachrüstungen (um endlich den Betreiber aus Kostengründen zum freiwilligen Abschalten zu bringen) gezwungen, ist eigentlich zum Weinen!
    Andererseits erfreut es mich wirklich, daß unsere permanenten Gegner seit Beginn der 70er Jahre (incl. Frau Pausewang) immerhin knapp 45 Jahre gebraucht haben, bis ihr Wunsch nach Stilllegung des Kraftwerks endlich in Erfüllung ging.

    Dem Kernkraftwerk konnten in 34 Betriebsjahren nicht ein sicherheitstechnisch relevanter Fehler vorgeworfen werden. Das Personal leistete in all den Jahren hervorragende Arbeit zu Gunsten des Unternehmens, der Stromkunden und schließlich der Volkswirtschaft.
    Um so irrwitziger ist der überstürzte Ausstieg aus der Kernenergie, den Frau Merkel zusammen mit einem merkwürdigen Ethikrat initiiert hat.
    Statt preiswerte, CO2-freie, sichere Stromerzeugung haben wir heute die ungeheure Umverteilung ständig steigender Stromkosten zu Gunsten der PV-Besitzer auf Hausdächern, Bauernscheunen und riesigen Solarfeldern von Investmentgesellschaften, was in gleicher Weise für die Windkraft gilt und dies -man mag es kaum glauben- bei steigendem CO2-Ausstoß.
    Die ganz offensichtlich weltweit sich zunehmender Beliebtheit erfreuende Kernenergie ist in Deutschland ein Tabuthema, das Know-How bei Herstellern, Betreibern und Forschungseinrichtungen bricht weg oder ist schon weggebrochen.

    Schade für die Grünen, daß nun auch der Ausstiegshebel „Wiederaufarbeitung und Endlager“ hinfällig ist. Unser weltweit beneideter Salzstock Gorleben darf ja nun nicht sein und so wird die Endlagersuche wegen Handlungsunfähigkeit der Politiker in Bund und Land bis zum St.Nimmerleinstag andauern.

    Und bitte beachten: Der Anteil der installierten elektrischen Leistung von Wind- und Sonnenstromerzeugung beträgt mittlerweile etwa 80.000 MW, also mehr als die jemals gemessenen Spitzenlast in Deutschland.
    Aber: Der Anteil an der geleisteten Arbeit, also dem tatsächlich erzeugten Strom, liegt bei etwa 8%. Die „übrigen“ 92% kommen heute noch aus Kernenergie, Braun- und Steinkohle, Öl und Gas, sowie Biomasse und Wasserkraft.
    Wohl bekomms!

  5. „Der Anteil an der geleisteten Arbeit, also dem tatsächlich erzeugten Strom, liegt bei etwa 8%. Die „übrigen“ 92% kommen heute noch aus Kernenergie, Braun- und Steinkohle, Öl und Gas, sowie Biomasse und Wasserkraft.“

    Das sind doch ca. 25% zu 75% und nicht 8 zu 92%

    Gruß

  6. Morgen ist es vorbei: Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) beendet nach 12233 Tagen – oder etwas mehr als 33 Jahre – seinen Leistungsbetrieb. Der Block fuhr mit mehr als 333 Milliarden Kilowattstunden das beste Gesamtbetriebsergebnis ein, das bisher jemals ein Kraftwerksblock bis zur Stilllegung erreicht hatte. Trotzdem steht der Block nur auf dem 2. Platz, denn nur das Kernkraftwerk Grohnde erzeugte bereits mehr Energie. Bei Grohnde handelt es sich um eine auf mehr Leistung ausgelegte, aber sonst baugleiche Variante des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld.

    Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld brach 1983 erstmals den Weltrekord und erzeugte 9969,14 Gigawattstunden Elektrizität und durchbrach zusammen mit den Kernkraftwerken Unterweser und Krümmel als erste Kraftwerksblöcke der Welt die Erzeugungsmarke von mehr als 10000 Gigawattstunden binnes eines Jahres. In diesem Jahr 1984 stellte das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld erneut einen Weltrekord auf mit erzeugten 10150 Gigawattstunden. Diese Rekorde wurden in den folgenden Jahren mehrfach von der Schwesteranlage Grohnde gebrochen.

    Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld hat in der Energiewirtschaft Bayerns lange mit dominiert und war der größte Energieerzeuger Frankens. Die Pioniere der Kerntechnik in Franken, die 1961 in Karlstein am Main das erste Kernkraftwerk der Bundesrepublik mit 16 MW Leistung in Betrieb genommen haben, über Großversuche aus heutiger SIcht exotischer Reaktorkonzepte wie dem Heißdampfreaktor in Großwelzheim (27 MW), bis hin zum 1300 MW starken Kernkraftwerk Grafenrheinfeld, das als erste Reaktoranlage den Schritt zur Standardisierung der Druckwasserreaktoren diente und über Jahrzehnte bis heute als eine internationale Referenz hinsichtlich best practice, Management und Sicherheit dient.

    Was wir als Franken jedenfalls bewiesen haben: Bei uns hat die Atomwirtschaft, wie man sie sich einst erträumte, bereits funktioniert. Wir haben bereits Kernkraftwerke vom Greenfield an geplant, gebaut, in Betrieb genommen, über Jahre hinweg sicher betrieben, stillgelegt und zurückgebaut. Kahl und Großwelzheim machen es vor und ich bin mir sicher, dass das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld diese Erfolgsstory fortführen wird. Ich bin mir aber auch sicher, dass wir aus den bisherigen Anlagen viel Erfahrung ziehen konnten, die wir in zukünftige Reaktorkonzepte wiederverwerten können. Vielleicht nicht in naher Zukunft in Deutschland, aber in der restlichen Welt.

    Ich finde daher, dass man neben des aufkommenden Wehmuts es als eine Chance für einen neuen Abschnitt nutzen sollte, der in der Kerntechnik angebrochen ist. Denn jetzt gilt es die Probleme der bisherigen Anlagen, die weiterhin bestehen zu beseitigen. Elementar dabei sind Reaktoren der Generation IV, die den Abfall der vorherigen Generationen als Brennstoff nutzen können. Hier stehen wird aktuell noch am Anfang, jedoch sind die Aussichten sehr gut darauf, dass diese Reaktoren, an denen Frankreich und Belgien aktuell aktiv entwickelt, auch in Europa etabliert werden – abseits der Tatsache, dass die aufstrebenden Länder Asiens, China, Indien, Russland, längst diese Option nutzbar gemacht haben oder auf dem Weg dorthin sind.

  7. traurig traurig nach dem Krieg wollten die Engländer Deutschland mal in ein Agrarland verwandeln nun schaffen wir das selbst, allerdings ohne den bösen Kunstdünger Pflanzenschutz etc…..
    Energie ist Wohlstand-keine Energie bedeutet Armut.
    Übrigens liegt der Energieanteil von Solar und Wind laut Statistischem Bundesamt bei knapp16% im Jahr 2014

  8. Im Rahmen meiner Ausbildung zum lizensierten Schichtpersonal durfte ich erfahren mit welcher Akribie und Ganzheitlichkeit die Anlage ausgelegt worden ist. Hier ist die deutsche Ingenieurskultur par excellence zu erkennen, was uns in Sachen Sicherheitskultur/Kerntechnik noch heute zum anerkannten Weltmarktführer macht. Den Ingenieursstäben der damaligen KWU müssen wir heute noch danken. Dieser Standard verliert nun durch unsere Energiepolitik international an Ansehen und Vorbildfunktion.
    Als Leiter der Maschinentechnik kann ich sagen: Viele Jahre harte Arbeit, ständige Nachrüstungen um dem Stand von Wissenschaft und Technik gerecht zu werden, alles umsonst. Nur gut dass Fukushima in 2011 kam, wäre es Jahre später gekommen, so wären nur weitere Jahre harter Arbeit unnötig gewesen. Diese blieben mir und meiner Mannschaft zumindest erspart.
    Nun ist es soweit, dass ich mich auf den Weg mache um beim letzten Abfahren der Anlage dabei zu sein.

  9. Die Angst der Deutschen vor der Kernkraft ist systematisch von linken und grünen Rattenfängern mit Hilfe der Medien erzeugt worden. Fragen Sie Mitbürger nach den Opfern an den havarierten KKW in Fukushima. Nur einmal bekam ich die richtige Antwort, er hatte Kontakt mit japanischen Bürgern. Die Berichterstattung nach dem Tsunami in den deutschen Fernsehsendern, beschränkte sich auf die KKW, kommentiert von einem „Fachmann“ aus dem Ökoinstitut.

  10. Die Bürger Deutschlands wollten den raschen Atomausstieg und das ist auch gut so!
    Atomkraftwerke sind tickende Zeitbomben, wer soll für einen Super-Gau die Verantwortung übernehmen.
    Etliche Quadratkilometer verseuchtes Land bleiben zurück, für immer unbewohnbar.
    Sauber ist die Kernenergie auch nicht, wie man es hier gern versucht darzustellen.
    http://www.energiewendebuendnis.de/Uranabbau/uranabbau.html

    Ökostrom hat im ersten Halbjahr 2015 mit 32,5 Prozent zum gesamten Stromverbrauch in Deutschland beigetragen.
    Quelle:Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE)

    Damit sind sämtlich Atomkraftwerke in Deutschland längst überflüssig.

    • „Die Bürger Deutschlands wollten den raschen Atomausstieg und das ist auch gut so!“

      Am deutschen Wesen soll die Welt genesen? Oder eher doch nicht? Haben Sie schon mal drüber nachgedacht, woran es liegen könnte, dass die übrigen ~7 Milliarden von Kapstadt bis Kamtschatka keinesfalls aus der pöhsen „Atomkraft“ aussteigen sondern eher in sie einsteigen wollen?
      Bsp.:
      Kenia
      Indien
      Bolivien

      Es fällt nebenbei bemerkt auf, dass vor allem die ärmeren Länder in Afrika, Südasien und Lateinamerika Interesse an konzentrierten Energiequellen haben. Kein Wunder: Diese Menschen wissen, was es heißt, unter Bedingungen niedriger Energieflussdichte zu leben. Sie wollen aus der Armut aussteigen, nicht aus der Hochtechnologie wie die verwöhnten Deutschen, für die ein hoher Lebensstandard so selbstverständlich ist, dass sie ihn leichtsinnig aufs Spiel setzen.

      PS.
      Aussagen wie „Weil Erneuerbare soundsoviel Prozent des Stromverbrauchs abgedeckt haben sind Kernkraftwerke überflüssig“ zeugen von einem fundamentalen physikalischen und technischen Unverständnis bezüglich Energieversorgung und der Funktionsweise des Stromnetzes.

  11. Pingback: “Mein ukrainisches Tagebuch” – Bilder und Texte von AnnaVero Wendland. Zwölfter Teil | Bürgerzeitung "Erlangen - Heute"

  12. „…dass die übrigen ~7 Milliarden von Kapstadt bis Kamtschatka keinesfalls aus der pöhsen „Atomkraft“ aussteigen sondern eher in sie einsteigen wollen?“

    der Wille mag wohl vorhanden sein, aber leider scheitert es an die gigantischen Kosten.
    Ein AKW ist einfach nicht zeitgemäß, zu unflexibel in der Stromproduktion.
    Wer braucht schon 24 Stunden an Tag Vollast!
    Von der Tatsache mal abgesehen, dass Uran endlich ist!

    Gerade in Afrika spielt die dezentrale Energieversorgung eine wichtige Rolle.
    Dort kann man kostengünstig, schnell und effektiv Solarstrom erzeugen.

    Atomenergie ist einfach out. Das ist nun mal so.

    Der Fortschritt lässt sich nun mal nicht aufhalten und zudem sind die regenerativen Energiequellen kostenlos und auf Ewigkeiten vorhanden.
    Das muß der Mensch nutzen, ansonsten bewegen wir uns zurück in die Steinzeit!

    • „der Wille mag wohl vorhanden sein, aber leider scheitert es an die gigantischen Kosten.“

      Unter den nichtfossilen Optionen sind Wasserkraft und Kernkraft am billigsten. Zukünftige Varianten der Kernkraft werden sogar billiger als Braunkohle sein.

      „Ein AKW ist einfach nicht zeitgemäß, zu unflexibel in der Stromproduktion.
      Wer braucht schon 24 Stunden an Tag Vollast!“

      KernKW, Wasserkraft und fossile Kraftwerke erzeugen Energie auf Befehl, wenn sie benötigt wird – sogar nachts (denn nachts ist der Energiebedarf zwar geringer, aber keinesfalls gleich Null).
      Wind und Solar verhalten sich völlig erratisch, wie ein Arbeiter, der betrunken zum Dienst erscheint, leisten sie mal viel, mal wenig, mal überhaupt nichts – für die moderne technologische Gesellschaft weitgehend nutzlos.

      „Von der Tatsache mal abgesehen, dass Uran endlich ist!“

      LOL

      „Gerade in Afrika spielt die dezentrale Energieversorgung eine wichtige Rolle.“

      Was man an der verbreitenen Armut, den elenden Lebensbedingungen in vielen Regionen dort ja auch sieht.
      Solarenergie (mit Solarzellen der nächsten und Batterien der übernächsten Generation) wird in Afrika zukünftig eine gewisse Rolle spielen. Aufgrund ihrer geringen Flussdichte reicht sie jedoch keinesfalls, um eine Techno-Urbane Gesellschaft und Wohlstand aufzubauen.

      „Der Fortschritt lässt sich nun mal nicht aufhalten und zudem sind die regenerativen Energiequellen kostenlos und auf Ewigkeiten vorhanden.“

      Aha, kostenlos. Deshalb pumpt Deutschland jährlich 20 Milliarden Euro in Wind und Solar. Alles klar.

      „Das muß der Mensch nutzen, ansonsten bewegen wir uns zurück in die Steinzeit!“

      Steinzeit:
      * dezentrale Versorgung mittels Solarenergie (Biomasse)
      * niedrige Energieflussdichte
      * organische Landwirtschaft
      * keine Atome, Gene, Computer, Satelliten und sonstige gruselige Dinge
      * Lebenserwartung 30 Jahre
      * Selbst die geringfügigste Krankheit ist lebensbedrohlich
      * Ständig Unterversorgung, endloser Kampf Mensch gegen Mensch um minimale Ressourcen
      * Hitze, Kälte, Hunger, wilde Tiere
      * usw.

      Techno-Urbane Gesellschaft:
      * Hohe Energieflussdichte
      * Energieversorgung aus ständig verfügbaren, zuverlässigen Quellen
      * Industrielle Landwirtschaft inkl. Gentechnik
      * Moderne Medizin
      * Menschen leben überwiegend in Großstädten mit viel Komfort
      * Lebenserwartung >80 Jahre
      * Viele Krankheiten heilbar
      * Kommunikation und Mobilität rund um den Erdball; zukünftig auch darüber hinaus
      * Geringe Gewaltrate, Wahrscheinlichkeit, von anderem Menschen getötet zu werden ist sehr gering. (Dies gilt im Vergleich mit Steinzeitgesellschaften auch dann, wenn man moderne Kriege und Kriminalität miteinberechnet)

      Fortschritt misst sich nicht an der zu Verfügung stehenden Gesamtenergiemenge – sonst müsste man den grünen Pflanzen auf der Erde einen höheren Entwicklungsgrad zugestehen als der Menschheit, und das wäre absurd – sondern an der Energiedichte. Das bedeutet: Die Menge an Energie, die aus einer bestimmten Menge Materie gezogen oder auch pro Mensch-Arbeitsstunde umgesetzt werden kann bzw. die Energieflussdichte, d.h. die pro Quadratmeter Landfläche nutzbare Leistung.

      Im Laufe der historischen Entwicklung bewegt sich die Menschheit von niedrigen Energieflussdichten zu höheren:

      Energieflussdichte im Laufe der Menschheitsgeschichte

      Im 21. Jahrhunderts werden wir nicht wieder heruntersteigen zur niedrigen Flussdichte der Solarenergie (und damit ins Zeitalter der Knappheit zurückkehren), sondern voranschreiten zum Aktinidenzeitalter, und, vermutlich sich zeitlich überlappend, zum Fusionszeitalter. Spalt- und Fusionskernbrennstoffe haben die nötige Energiedichte, um eine Nachknappheitsgesellschaft aufzubauen, in der Armut und Mangel endgültig der Vergangenheit angehören.

      Siehe auch:
      Ecomodernist Manifesto
      Wishing You an High Energy Future

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.